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Wetterthema

24.08.2022

Die Dürre in Zahlen

Nach dem Dürrejahr 2018 schien sich der Niederschlagshaushalt wieder zu normalisieren. Gerade 2021 brachte in vielen Regionen mehr Regen als im langjährigen Mittel. Dass die Dürre allerdings keineswegs verschwunden ist und auch nie verschwunden war, das belegen ein paar eindrückliche Zahlen...

Auch das Jahr 2022 arbeitet fleißig daran, zumindest muss es einem so erscheinen, ein Dürrejahr zu werden. Es wäre damit bereits das zweite Dürrejahr in nur fünf Jahren und könnte, sollten sich die Wetterlagen der restlichen vier Monate nicht noch grundsätzlich auf Nass umstellen (was natürlich niemand genau weiß), sogar 2018 in den Schatten stellen.

Wie tiefgreifend die Dürre ist, belegen eindrücklich die Zahlen in unserer Darstellung. Sie zeigen die Differenz aus dem Zeitraum Januar 2018 bis August 2022 (also 56 Monate) und dem langjährigen Mittel (1961 – 1990) genau desselben Zeitraumes von 56 Monaten. Oder kurz gesagt: Sie zeigen das, was an Regen fehlt, und zwar seit 2018. Die Orte sind nur beispielhaft gewählt, man könnte nahezu jeden beliebigen Ort aussuchen und bekäme ein ganz ähnliches Ergebnis.

Was zeigen die Zahlen? Im Norden Deutschlands sind die Defizite am geringsten, ja es gibt sogar Regionen, so z.B. in Demmin, wo wir leicht im Plus liegen. Trotzdem: Das Plus ist für solch einen langen Zeitraum vernachlässigbar und es verschleiert die Dürre aus 2018 und auch aus diesem Jahr. Im Rest der Republik, und es fast egal wohin man schaut, sind die mittlerweile aufgelaufenen Regendefizite eklatant. Besonders viel Regen fehlt einerseits im Südwesten Deutschlands, z.B. in Hahn im Hunsrück mit 615 l/m² und andererseits sind die normalerweise regenreichen Mittelgebirgslagen des Rothaargebirges besonders betroffen. In Willingen müsste es mehr als 800 Liter zusätzlich regnen, wohlgemerkt auf jeden einzelnen Quadratmeter und dann wäre auch nur das Defizit ausgeglichen. Der süddeutsche Raum, vor allem jene Regionen Richtung Alpen schleppen ein noch vergleichsweise kleines Defizit mit, hier z.B. in Weingarten im Kreis Ravensburg, haben die ergiebigen Regenfälle von vergangener Woche das Defizit etwas reduziert.

Wie lange dauert es diese Defizite auszugleichen und damit die Dürre in den Böden nachhaltig zu beseitigen? Einen genauen Zeitraum dafür zu veranschlagen ist unmöglich, zu viele Variablen spielen dabei mit (Verdunstung, wie viel Regen wird fallen, fällt er überwiegend im Sommer- oder Winterhalbjahr, wie stark versiegelt der Mensch weiterhin die Böden). Dass wir aber nicht nur von Monaten sprechen, versteht sich von selbst. Es wird Jahre, wenn nicht ein Jahrzehnt dauern, dieses Defizit zu beseitigen. Was wir bräuchten, sind mehrere Jahre hintereinander, die wirklich deutlich mehr Niederschläge bringen. Solche nassen Jahre, vor allem auch hintereinander, gab es immer wieder. Die Jahre 2004 bis 2010 waren entweder ausgeglichen oder deutlich nasser. Auch von 1977 bis 1981 kam deutlich mehr Niederschlag zusammen. Ob die derzeitigen Dürrejahre nur eine Episode sind oder sich ein neuer Klimazustand gerade einpendelt, das werden die kommenden Jahre zeigen.


Dipl.-Met. Michael Köckritz
ARD-Wetterkompetenzzentrum

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