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Wetterthema

17.06.2022

Früher, höher, heißer

Dass der Klimawandel in vollem Gange ist, das werden wir am Wochenende nun auch bei uns in Deutschland spüren...

Die Erdatmosphäre heizt sich immer mehr auf. Die globale Mitteltemperatur lag im vergangenen Jahr um 1,2°C über dem vorindustriellen Mittel von 1850-1900. Damit ist das Klimaziel des Pariser Klimaabkommens aus dem Dezember 2015 nicht mehr weit, wo man sich darauf einigte, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Zeit haben wir kaum noch, um wenigstens dieses Ziel zu erreichen.

Das merkte man dieser Tage bereits im Südwesten Europas. In Spanien wurden am vergangenen Wochenende am 12. Juni 43,2°C in Almaden in Kastilien gemessen. Noch nie so früh seit Beginn der Messungen war es so heiß. Gestern war dann Frankreich dran. In Argeliers bei Narbonne stieg die Temperatur auf 41,5°C. Auch das ist ein Rekord, denn noch nie wurde ein solcher Höchstwert so früh im Jahr auf dem französischen Festland erreicht.
Am Wochenende ist es nun bei uns in Deutschland so weit. Die Hitzewelle erreicht, je nach Region, ihren Höhepunkt. Am Samstag sind der Südwesten und die Mitte dran, am Sonntag der Südosten und die östliche Mitte. In der Spitze werden 37 bis 39°C erreicht.
Unsere Abbildung zeigt rot eingefärbt die Regionen, in denen am Samstag neue Dekadenrekorde für die zweite Dekade vom 11. bis 20. Juni. möglich sind. Neue Rekorde erwarten wir vor allem im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg. Anhand zweier langjähriger Messreihen wird deutlich, wie außergewöhnlich diese Hitzewelle für den Süden und die Mitte Deutschlands ist.

Die Messstation in Trier-Zewen gibt es seit 1907, jene in Mannheim seit 1936, also beide Messreihen sind sehr lang. Der bisherige Höchstwert für Mitte Juni lag in Zewen bei 35,2°C, stammt vom 20. Juni 2017 und dürfte am Samstag um mehr als 1 Grad übertroffen werden. Hinzu kommt, dass nicht nur der reine Temperaturwert deutlich überboten werden dürfte, auch zeitlich werden wir nochmal zwei Tage früher im Jahr dran sein.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich für Mannheim ab, wo bisher 36,6°C verzeichnet wurden, die wir aber am Samstag mit 38°C schlagen dürften. Zeitlich rücken wir in Mannheim damit nicht früher ins Jahr, denn die 36,6°C wurden am 18. Juni 2002 gemessen.
In einigen weiteren, hier nicht genannten Orten allerdings, werden Dekadenrekorde purzeln und damit wird der Klimawandel auch in Deutschland wieder ein Stück greifbarer und realer.

Dipl.-Met. Michael Köckritz
ARD-Wetterredaktion

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