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Wetterthema

14.10.2021

Wann ist mit Frost zu rechnen?

Die kalte Jahreszeit kommt unaufhörlich näher. Nach der Definition der Meteorologen ist jetzt genau die Hälfte des Herbstes schon vorbei. Wir wollen schauen, wann normalerweise der erste Frost auftritt und wo es bereits Frost gab.

Unsere Grafik zeigt wann im Normalfall der erste Frost zu erwarten ist. Datengrundlage sind einige Klimareihen des Deutschen Wetterdienstes aus den Jahren 1981 bis 2010.

Auf den höheren Alpengipfeln wie der Zugspitze kann es während des gesamten Jahres Frost geben. Doch auch in ein paar anderen Regionen ist normalerweise bis zum 20. Oktober mit dem ersten Nachtfrost zu rechnen (dunkelblaue Fläche in unserer Grafik). Betroffen sind die Alpen einschließlich der Täler und die anderen höheren Mittelgebirge. Auf dem Großen Arber und in einigen höher gelegenen Muldenlagen gibt es normalerweise im September schon Fröste. Andere höhere Mittelgebirgsgipfel wie der Feldberg im Schwarzwald, der Fichtelberg und der Brocken folgen Anfang Oktober. Aber auch in Oberstdorf tritt der erste Frost im Schnitt am 7. Oktober auf.

In weiten Landesteilen ist jedoch sehr einheitlich in der letzten Oktoberdekade mit dem ersten Frost zu rechnen (hellblaue Fläche). Bis Anfang November dauert es üblicherweise am Bodensee, am Rhein, in weiten Teilen von Nordrhein-Westfalen und im Norden Deutschlands (türkise Fläche). Aber auch in den Innenstädten von München, Hamburg und Berlin ist das, im Gegensatz zu dem dortigen Umland, der Fall. Schuld daran ist der Stadteffekt. Im Bereich der Bebauung bleibt es besonders in windschwachen klaren Nächten wärmer als im freien Gelände. Am spätesten ist im Bereich der Küsten mit Frost zu rechnen (grüne Fläche). Das Wasser speichert die Wärme des Sommers besonders gut und gibt sie im Herbst erst langsam wieder an die Umgebung ab. Während der erste Frost in Küstennähe Mitte November zu erwarten ist, dauert es auf den Inseln bis Ende November. Eine Ausnahme stellt Helgoland dar, welches vom Festland weiter entfernt liegt als alle anderen Inseln. Dort ist der erste Frost im Schnitt erst am 15. Dezember zu erwarten.

Im Einzelfall kann das Eintreten des ersten Frostes natürlich deutlich von den hier diskutierten mittleren Daten abweichen. In Oberstdorf konnten am 27. August 1966 bereits -0,2 Grad Celsius gemessen werden, in Weiden (Oberpfalz) am 30. August 1959 ebenfalls -0,2 Grad und in Bremen am 11. September 1986 derselbe Wert. Auf dem Großen Arber im Bayerischen Wald gab es am 31. August 1995 Frost von -0,2 Grad. Im Antiwinter 2006/07 musste man am Kap Arkona (Rügen) und in Cuxhaven bis zum 22. Januar warten, ehe überhaupt einmal Frost beobachtet werden konnte, auf Norderney bis zum 23. Januar. Nach dem nahezu nicht vorhandenen Winter 2019/20 dauerte es in List auf Sylt sogar bis zum 31. März, ehe der einige Frost der kalten Jahreszeit auftrat. Doch den Rekord des spätesten ersten Frostes hält Helgoland. Dort blieb der Winter 2019/20 nämlich gänzlich frostfrei.

Aktuell schreiben wir den 14. Oktober. Nach dem langjährigem Schnitt hätte erst eine kleine Minderheit von Orten Frost haben sollen. Real gab es ihn aber schon an ziemlich genau der Hälfte aller deutschen Wetterstationen. Die meisten Fröste stammen aus den Nächten zum 10. und 11. Oktober. Betroffen war vor allem das Bergland, aber auch einige tief gelegene Orte, vor allem im Norden und Osten Deutschlands. An den bisher noch frostfreien Wetterstationen wird es nun auch noch eine Weile dauern. In den kommenden Tagen wird der Gefrierpunkt zwar erneut stellenweise unterschritten, aber vor allem dort, wo das bereits der Fall war. Und kommende Woche erfolgt eine deutliche Milderung, Frost ist dann erst einmal kein Thema mehr.

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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