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Wetterthema

26.07.2021

Tropische Stürme im Nordwestpazifik und Olympia

Am 23. Juli starteten die Olympischen Spiele 2020 in Tokio und in den kommenden Stunden richten sich die Blicke nicht nur auf die sportlichen Wettkämpfe. Ein tropischer Sturm bildete sich zeitgleich südöstlich von Japan und nimmt nun Kurs auf die japanische Hauptinsel Honshu. Aber auch vor der Ostküste Chinas liegt ein tropischer Sturm, der in den kommenden Tagen starke Regenfälle mit sich bringt.

Tropische Stürme und Taifune im Pazifik sind vergleichbar mit ihren uns bekannteren Vettern, den Hurrikans im Atlantik. Die Entstehung und Entwicklung sind dieselben, nur die Bezeichnung und die Kategorisierung für die Stürme sind eine andere. Über warmen Meerwasser bilden sich konvektive Gewittercluster, die sich bei geringer Änderung des Windes in Richtung und Geschwindigkeit und weiteren günstigen Umgebungsbedingungen zu tropischen Stürmen ausbauen können und im Endstadium ein deutliches wolkenfreies Auge im Zentrum ausbilden. Diese Stürme rotieren auch im Pazifik gegen den Uhrzeigersinn und können je nach Stärke zerstörerische Windgeschwindigkeiten erreichen und sinnflutartige Regenfälle mit sich bringen.

Der tropische Sturm mit dem Namen „Nepartak“ hat aktuell eine mittlere Windgeschwindigkeit von etwa 75 km/h. Manche Böen erreichen allerdings schon 110 km/h. Mit knapp 30 km/h bewegt sich dieses Sturmsystem auf die Insel Honshu zu und droht die Olympischen Spiele etwas aufzumischen. Das Zentrum des Sturms wird allerdings etwa 400 km nördlich von Tokio auf Japan treffen und dementsprechend werden vermutlich nur die Ausläufer des Sturms tatsächlich auf Tokio treffen. Die Japanische Wetterbehörde warnte zwar bereits am Wochenende vor Starkregen und kräftigen Winden mit daraus resultierendem hohem Wellengang, jedoch wurde die Vorhersage in den letzten Stunden immer positiver. So wurden zwar zur Sicherheit zum Teil die Wettkampfpläne für das Rudern und Bogenschießen verlegt, mehr Änderungen sind aber vorerst nicht geplant. Die entsprechenden Behörden haben den Sturm weiterhin im Blick, sodass gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergriffen werden können.

Schauen wir noch ein Stück weiter nach Westen, sehen wir den schwächer werdenden Taifun „In Fa“ vor der Küste Shanghais. Dieser Sturm wird mit größerer Sorge betrachtet. Schon in den letzten 48 Stunden sind in den Küstengebieten um Shanghai gebietsweise 200 Liter pro Quadratmeter oder mehr gefallen. Bis Mittwochabend werden in der Region weitere starke Regenfälle erwartet. Je nach Modell unterscheiden sich diese Regenmengen zwar stark voneinander, so werden im besten Fall „nur“ um die 200 Liter pro Quadratmeter erwartet und im schlimmsten Fall sogar stellenweise über 500 Liter auf den Quadratmeter. Zusätzlich bringt „In Fa“, der mittlerweile zu einem starken tropischen Sturm herabgestuft wurde, mit mittleren Windgeschwindigkeiten von 90 km/h und Böen von 130 km/h mit sich.

Im Vorfeld ereigneten sich außerdem Rekordregenfällen in der zentralchinesischen Provinz Henan zwischen dem 17. Und 20. Juli. Hier fielen innerhalb von 3 Tagen über 600 Liter auf den Quadratmeter. Das ist die Regenmenge, die sonst in einem ganzen Jahr in der Provinz fällt. Am 20. Juli allein fiel in einer Stunde mehr als 200 Liter pro Quadratmeter. Katastrophale Überschwemmungen waren die Folge. Über 200.000 Menschen mussten evakuiert werden und über 50 Menschen starben, unter anderem weil das U-Bahn-System voll Wasser lief. Zurückzuführen sind diese sinnflutartigen Regenfälle auf die Ausläufer von „In Fa“ und einem weiteren tropischen Sturm im Süden Chinas.



Montag, 26. Juli 2021

Pila Bossmann
ARD-Wetterredaktion

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