Wetterthema | tagesschau.de

Wetterthema

15.10.2020

Sprühregen

Gelegentlich wird in den Wetterberichten von Sprühregen gesprochen. Was ist das genau und wie entsteht er?

Sprühregen oder im allgemeinen Sprachgebrauch auch Nieselregen ist ein gleichmäßiger Niederschlag in Form sehr feiner Tropfen. Deren Radien liegen zwischen 0,05 und maximal 0,25 mm. Sprühregen fällt aus tiefhängenden Wolken oder aus Nebel heraus. Nicht nur Nebel sondern auch der Sprühregen selbst kann die Sichtweite stark mindern, manchmal auf unter einen Kilometer.

Wolken bestehen aus unzählig vielen winzigen Wassertropfen, die wegen ihres Auftriebs und Aufwinden in der Luft gehalten werden. Dazu können gefrorene Bestandteile kommen. Sprühregen entsteht jedoch in reinen Wasserwolken, oder, wie schon erwähnt, aus Nebel. Die für die Entstehung von Sprühregen relevanten Prozesse in Wasserwolken und Nebel unterscheiden sich prinzipiell nicht. Im Folgenden werden daher nur Wolken betrachtet.

Die Wolkentropfen weisen stets eine gewisse Bandbreite an Radien auf. Dies ist die Basis für die Bildung von Niederschlag aus reinen Wasserwolken. Größere Tropfen sinken innerhalb der Wolke schneller nach unten und können so auf ihrem Weg kleinere Tropfen einsammeln. Zudem reagieren die größeren Tropfen träge auf Verwirbelungen, die kleineren aber schneller, wodurch auch dies zu Zusammenstößen der verschieden großen Tropfen führt.

Die großen Tropfen wachsen also auf Kosten der Kleinen, werden damit aber immer schwerer. Der nur geringe Aufwind in einer Wolke, die Sprühregen hervorbringt, kann bald nicht mehr verhindern, dass sie abwärts sinken und die Wolke schließlich an ihrer Basis verlassen. Je mächtiger die Wolke ist, desto länger können die Tropfen in ihr verweilen und an Größe gewinnen. Die vertikale Mächtigkeit von Sprühregenwolken beträgt typischerweise 0,5 bis 1 Kilometer. Aus Wolken mit größerer Vertikalerstreckung oder zusätzlich mit gefrorenen Bestandteilen würde normaler also großtropfiger Regen fallen.

Auf ihrem Weg zum Erdboden verdunsten und schrumpfen die feinen Sprühregentropfen zu einem gewissen Teil oder lösen sich sogar vollständig auf. Um den Erdboden zu erreichen, bedarf es also eines ausreichenden Startradius und/oder einer möglichst kurzen Wegstrecke. Daher fällt Sprühregen meist aus tiefhängenden Wolken.

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Dipl.-Met. Rainer Behrendt
ARD-Wetterredaktion

Alle Wetterthemen

Darstellung: