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Wetterthema

14.01.2019

Schnee en masse

Wie ungewöhnlich ist die aktuelle Schneesituation in den Alpen?

Auf der Zugspitze wurde am Montagmorgen eine Schneehöhe von 400 cm gemessen. Auch andernorts liegt in den Alpen ungewöhnlich viel Schnee: In St. Anton am Arlberg wurden auf 2800 Metern Höhe 330 cm gemeldet, in Spieljoch in Tirol sind es auf gut 2000 Metern 300 cm und auch Berchtesgaden-Rossfeld meldet in 1550 Metern Höhe 300 cm.

Entsprechend hoch ist auch die Lawinengefahr: In den deutschen Alpen besteht am Montag verbreitet eine große Lawinengefahr (Stufe 4). Hierbei ist eine Lawinenauslösung bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an Steilhängen wahrscheinlich. Spontan sind viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen möglich.

In Österreich ist vor allem im Vorarlberg, in Tirol und in den Hohen Tauern sogar die höchste Lawinenwarnstufe 5 (sehr große Gefahr) aktiv. Auch in den östlichen und zentralen Schweizer Alpen ist oberhalb von 1800 Metern die Lawinengefahr sehr groß. Dort sind spontan zahlreiche große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände, zu erwarten. Wintersportlern wird deswegen dringend geraten, die gesicherten Pisten nicht zu verlassen.

Am 23. Februar 1999 lagen auf der Zugspitze sogar 530 cm Schnee. An diesem Tag fand das verheerende Lawinenunglück von Galtür in Tirol statt, bei dem 31 Menschen ihr Leben verloren. In jenem Winter fielen zwischen Ende Januar und Ende Februar im nördlichen Alpenraum teilweise mehr als 5 Meter Schnee, etwa sechsmal mehr als normalerweise um diese Jahreszeit üblich. Die Folge waren neben der Katastrophe von Galtür auch Lawinenabgänge im benachbarten Valzur, bei dem sieben Opfer zu beklagen waren und 12 Tote in Evoléne im Wallis.

Vergleicht man die Entwicklung der Schneedecke auf der Zugspitze im Winter 1998/99 mit der aktuellen, so stellt man fest, dass sich in diesem Winter bisher sogar noch mehr Schnee akkumuliert, als im extrem schneereichen Winter vor 20 Jahren. Ursache hierfür ist eine hartnäckige Großwetterlage, die feuchte Meeresluft über die Nordsee auf das Festland führt und im Stau der Alpen lang andauernde Niederschläge ausgelöst hat.

Zwar lassen die Niederschläge an den Alpen in der Nacht auf Dienstag nach, die Großwetterlage bleibt aber bis auf Weiteres bestehen, so dass mittelfristig weitere Niederschläge aus Nordwesten die Schneehöhen im Alpenraum weiter anwachsen lassen können. Der bisherige Schneehöhen-Rekord auf der Zugspitze beträgt übrigens 780 cm, gemessen am 26.4.1980. Davon ist man aktuell zwar noch weit entfernt, der Winter ist aber auch noch lange nicht vorbei.

Montag, 14. Januar 2019

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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