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Wetterthema

12.06.2018

Frühe Rebblüte

Dieses Jahr blühen die Weinreben vielerorts zwei bis drei Wochen früher als normal.

Einen ordentlichen Ertrag, damit die Keller möglichst mal wieder voll werden - das wünschen sich die Winzer nach den zwei unterdurchschnittlichen Mengen in den Jahren 2016 und 2017. In diesem Frühjahr gab es auch keinen Spätfrost. Ein überraschender Nachtfrost Ende April des vergangenen Jahres hatte die Winzer eiskalt erwischt und schwere Schäden in den Weinbergen angerichtet. Doch nach der sonnigen und warmen Witterung im April und Mai erfolgte die Blüte dieses Jahr ähnlich früh im Rekordjahr 2011.

Infolge des Klimawandels steigt auch hierzulande das Temperaturniveau. Dadurch breiten sich die möglichen Weinbaugebiete nach Norden aus. Entlang des Rheins können bald schon wärmeliebende Rebsorten wie Cabernet oder gar Merlot gepflanzt werden. Da Wein sehr wärmeliebend ist, dehnen sich die Gebiete, in denen ein Anbau möglich ist nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit aus. Mittlerweile gibt es schon Weinberge in Südengland, wie bereits im Mittelalter während einer besonders milden Klimaepoche zwischen dem 9. und 14. Jahrhundert. In Deutschland wurde kürzlich in Schleswig-Holstein ein Gebiet ausgewiesen in dem Weinbau zur Weinbereitung erlaubt werden soll.

Diese Verschiebung nach Norden ist zwar einerseits vorteilhaft für den Weinbau in Deutschland, England und sogar Skandinavien, in den Mittelmeerländern wird die zunehmende Trockenheit jedoch künftig zum limitierenden Faktor für die Winzer. In Australien könnten sich die potenziellen Weinbaugebiete durch eine fortschreitende Verlagerung nach Süden in den kommenden Jahrzehnten sogar im Meer befinden.

Zudem wird sich künftig auch das Sortenspektrum verändern. So könnte entlang des Rheins, wo heutzutage noch der Riesling dominiert, bereits heute stellenweise Cabernet, in 10 Jahren eventuell der wärmeliebende Merlot erfolgreich angepflanzt werden. Bis 2040, so legt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) nahe, wird in fast ganz Deutschland, außer dem Mittelgebirgsraum und dem Küstenumfeld Weinbau möglich werden, am Oberrhein sogar der in Frankreich und Italien heutzutage meistangebaute und sehr Ertragreiche Ugni blanc bzw. Trebbiano.

Die Weine anderer frühreifenden Rebsorten wie beispielsweise Weißburgunder, Silvaner oder Müller-Thurgau, könnten in warmen Jahren aber Alkohol-lastig und plump werden. Jedoch haben die Mostgewichte in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen, was wiederum mit einer Qualitätssteigerung einhergeht.

Dienstag, 12. Juni 2018

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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