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Wetterthema

23.03.2017

Wolken verstehen

Zum Welttag der Meteorologie stehen dieses Jahr die Wolken im Mittelpunkt.

Am 23. März wird jedes Jahr von der WMO (World Meteorological Organization) in Genf der Welttag der Meteorologie gefeiert. Dabei wird an eine Konvention zur friedlichen Zusammenarbeit zwischen Nationen erinnert, die 1950 in Kraft trat. Der internationale Datenaustausch ist ein vorbildliches Beispiel internationaler Kooperation zwischen den 191 Mitgliedsstaaten der WMO, die unabhängig von politischen Differenzen oder Krisenherden den täglichen Austausch von Messwerten und damit präzise Wettervorhersagen ermöglicht.

Jedes wird dazu ein Schwerpunkt in den Fokus gerückt, dieses Jahr sind es die Wolken unter dem Motto „understanding clouds“. Wolken sind nicht nur schön anzusehen und eine Inspiration für Künstler, sondern spielen natürlich auch eine bedeutende Rolle beim Verständnis von Vorgängen in der Atmosphäre und der Entwicklung von Prozessen, die für die Wettervorhersage aber auch für die Abschätzung der Verfügbarkeit der kostbaren Ressource Wasser sind. Zudem spielen sie eine kritische Rolle im globalen Strahlungshaushalt. Die Veränderung des Bedeckungsgrades unterschiedlich hoher Wolken im Zuge des Klimawandels ist eines der wichtigsten Problemfelder innerhalb der Klimatologie.

Anlässlich der Welttages der Meteorologie hat die WMO ihren Internationalen Wolkenatlas überarbeitet und digitalisiert: www.wmocloudatlas.org

Bereits 1803 unterschied der englische Apotheker und Naturforscher Luke Howard drei Hauptklassen: Hohe Wolken mit einem federähnlichen Aussehen bezeichnete er als Cirrus, haufenförmige Wolken mit ebener Unterseite und blumenkohlähnlicher Oberseite werden Cumulus genannt, und schließlich ausgedehnte Stratus oder Schichtwolken.

Weiterhin werden Wolken nach dem Höhenbereich unterschieden, in dem sie auftreten. Das unterste dieser Stockwerke reicht bis in etwa 2 km Höhe. Dort finden sich Stratus und Stratocumulus, eine Mischform aus Haufen- und Schichtwolke. Stratus ist eine Wasserwolke, erscheint wie Nebel oder Hochnebel und befindet sich etwa bis in 500 Metern Höhe. Aus ihr fällt meistens Nieselregen oder kleine Schneekörner. Stratocumulus befindet sich zwischen 500 und 2000 Metern Höhe und weist oft Klumpen oder Ballen auf, zwischen denen der blaue Himmel durchscheint. Regen fällt aus dieser Wasserwolke selten.

Im mittleren Wolkenstockwerk zwischen 2 und 7 km Höhe befinden sich Altostratus bzw. Altocumulus, also die hohen Schicht- bzw. Haufenwolken. In diesen Höhen können die Wolken zum Teil auch aus Eiskristallen bestehen, meistens beinhalten sie aber Wasser.
In Höhen über 7 km bestehen die Wolken größtenteils aus Eis, weswegen die Konturen der Cirren verwaschen und faserig erscheinen. Weiterhin unterscheidet man noch Cirrostratus und Cirrocumulus.

Daneben gibt es noch Wolken, die eine sehr große vertikale Erstreckung aufweisen. Darunter fallen die Cumulus, welche immer dann entstehen, wenn Luft in tieferen Atmosphärenschichten zum Aufsteigen gezwungen wird. Das kann durch nachmittägliche Erwärmung im Sommer oder auch durch Anströmung eines Gebirges verursacht werden. Die typische Regenwolke, die Nimbostratus erstreckt sich von etwa 1000 Metern bis in mehrere Kilometer Höhe. Am mächtigsten ist schließlich die Gewitterwolke Cumulonimbus, die sich bis zur Tropopause in über 10 km Höhe auftürmen kann. In dieser Höhe besteht sie nur noch aus Eis und franst an den Seiten deswegen faserig aus, was auch an einen Amboss erinnert.

Das sind die zehn Wolkengattungen, die auch noch weiter unterschieden werden können, wobei eine eindeutige Zuordnung nicht immer möglich ist. Diese Einteilung nach dem Aussehen ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, die Wolken zu unterscheiden. Es lässt sich auch eine Einteilung nach dem Entstehungsprozess vornehmen. Wolken die durch schwache Hebung entstehen, erscheinen als dünne Schichten. Bei mäßiger Hebung der Luft, beispielsweise beim langsamen Aufgleiten einer wärmeren Luftschicht auf eine kältere entstehen typischerweise Schichtwolken mit einer etwas mächtigeren vertikalen Erstreckung. Schließlich trifft man die Haufenwolken bei stärkerer Konvektion an, die dann oft die typische Blumenkohlform aufweisen.

Donnerstag, 23. März 2017

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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