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Wetterthema

23.02.2021

Berge aus Luft

Hoch ILONKA beschert uns diese Woche reichlich Sonne.

Man kennt es aus der Wetterkarte: das große T verheißt nichts Gutes, das große H hingegen verbindet man zu Recht mit trockenem und ruhigem Wetter. Doch was steckt meteorologisch dahinter? Die Luftdruckgebilde in der Atmosphäre sind tatsächlich Landschaften aus Luft mit Bergen und Tälern.

Auf Wanderkarten sind Berge durch Höhenlinien dargestellt. Solche sog. topographischen Karten gibt es auch in der Meteorologie. Jedoch werden hier keine Berge aus Gestein sondern aus Luft erfasst. Bei einer normalen Wetterkarte werden Hochs und Tiefs durch Linien gleichen Druckes, sog. Isobaren auf einer Referenzhöhe, meistens Meeresspiegelniveau, unterschieden.

Bei meteorologischen Topographien wählt man hingegen ein Druckniveau, beispielsweise 850 hPa (Hektopascal) und betrachtet dessen Höhe in der Atmosphäre. Diese Druckfläche befindet sich durchschnittlich in ca. 1500 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Bei hohem Druck liegt sie nun höher, bei tiefem Druck entsprechend tiefer. Ein Hochdruckgebiet ist somit ein Luftberg, ein Tief ein Lufttal.

Am Dienstag beispielsweise liegt im Zentrum des Hochs ILONKA über dem Alpenraum die 850 hPa-Druckfläche über 1650 Meter hoch, hierzulande in einer Höhe zwischen 1580 und 1640 Metren. Zur gleichen Zeit befindet sich westlich von Irland auf dem Atlantik das Tief DIETER, also quasi ein Luft-Tal. In seinem Kern befindet sich die 850 hPa-Druckfläche unter 1040 Meter Höhe.

Somit ist es naheliegend, dass die Luft vom Berg (also dem Hoch) ins Tal (zum Tief) strömt. Hierbei führt die Erdrehung zu einem Umkreisen dieser Druckzentren, weswegen Berge und Täler aus Luft oft recht kreisförmig sind. Nun kann ja dort, von wo die Luft wegströmt kein Vakuum entstehen. Deswegen sinkt aus höheren Atmosphärenschichten Luft in das Hoch ab.
Beim Absinken erwärmt sich diese nachströmende Luft, da die Temperatur nach unten zunimmt. Wärmere Luft kann nun aber mehr Feuchtigkeit enthalten als kältere, ist also bei gleichem absolutem Gehalt an Wasserdampf relativ trockener.

Dadurch lösen sich bestehende Wolken in Hochdruckgebieten auf bzw. es entstehen keine neuen. Jedoch bringt ein Hoch, im Sommer ein Garant für sonniges und trockenes Wetter, im Winterhalbjahr zwar ebenfalls ruhiges, aufgrund der tief stehenden Sonne aber vor allem in den Niederungen verbreitet auch nebliges Wetter mit sich.

Bei einer Hochdrucklage ist es eher schwachwindig und die Luftmasse kommt zur Ruhe. In den Nächten hat die Luft Zeit, sich abzukühlen und dadurch auch dichter und schwerer zu werden. In der Folge sammelt sich die kühlste Luft bei windschwachen Wetterlagen in den Niederungen, Tälern und Mulden.

Vor allem in der Nähe von Gewässern sorgt die zusätzliche Feuchtigkeit für einsetzende Nebelbildung. Dort, wo sich der Nebel hält bleibt es auch tagsüber klamm und mitunter mehrere Grad kühler als in der sonnigen Umgebung. Aufgrund des schwachen Windes wird die unterste Atmosphärenschicht nicht richtig durchmischt und die sich des Nachts abgekühlte Luft verbleibt auch tagsüber in Bodennähe, so dass sich eine Temperaturinversion einstellen kann. Dann ist es auf den Bergen wärmer und vor allem sonniger, als im Tal.

Dienstag, 23. Februar 2021

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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