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Wetterthema

22.05.2020

Mammatus Wolken

Langsam aber sicher wird es sommerlich und mit dem Sommer steigt die Wahrscheinlichkeit für Gewitter. Ab und zu sieht man am Himmel dann Wolkenformationen, die aussehen, als hätte der Himmel die Beulenpest. Diese beulen- oder auch busenartigen Wolken nennt man Mammatus, aus dem lateinischen für brustartig. Diese seltenen Wolken treten am häufigsten an der Unterseite des Wolkenschirms einer Gewitterwolke, am sogenannten Amboss, auf. Sie wurden bisher aber auch schon im Zusammenhang mit anderen Wolken wie z.B. Stratocumulus, Altostratus und Cirrus beobachtet. Nicht immer sind Mammaten (der Plural der Kurzform Mamma) ein Begleiter von Gewittern, jedoch sind die Beulen dann meist am eindrucksvollsten.

Die Entstehung solcher Mammaten sind bis heute nicht eindeutig geklärt, da dieses Phänomen relativ selten auftritt und es noch nicht genügend Datenmengen gibt, um die Wolkenformation besser zu verstehen. Es gibt jedoch Theorien zu ihrer Entstehung.

Bei der Entwicklung einer Gewitterwolke türmen sich die Wolken immer weiter gen Himmel, warme Luft steigt in der, zu ihr relativ, kühleren Umgebung solange auf und kondensiert, bis sie auf eine Schicht trifft, in der die Umgebungstemperatur höher ist, als die der aufsteigenden Wolken. An dieser Schicht können sich die Wolken nur noch in der horizontalen Ebene ausbreiten und bilden einen Wolkenschirm, den Amboss, der sich kilometerweit über der eigentlichen Gewitterwolke ausbreiten kann. Zwischen dem Amboss und der Umgebung herrscht ein großer vertikaler Temperatur- und Feuchtegradient, also sich rasch ändernde Temperaturen und relative Feuchte.

Die geläufigste Theorie ist, dass Niederschlag aus dem Wolkenschirm heraus nach unten in eine sehr viel trockenere Schicht fällt und dadurch die Temperatur der Wolke an der Unterseite stark herabkühlt. Kältere Luft ist schwerer und sinkt herab und beult die Wolke nach unten aus. Nachdem der Niederschlag vollständig verdunstet ist, erwärmt sich die Luft wieder und steigt wieder auf und bremst die Ausbeulung somit. Die Beulen sehen an ihrer Oberfläche sehr glatt aus und zeigt die klare Grenze zwischen den so unterschiedlichen Luftmassen.

So schön diese Wolken auch anzusehen sind, so sind sie vor allem für die Luftfahrt gefährlich, da in diesem Bereich oftmals starke Turbulenzen auftreten. Anders wie vielleicht erwartet, entstehen aus Mammaten aber keine Tornados. Und für den Beobachter am Boden geht meist keine direkte Gefahr aus. Da sie, wie schon erwähnt, aber meist im Zusammenhang mit Gewittern auftreten, sind sie kein zu unterschätzendes Naturschauspiel.

Freitag, 22. Mai 2020

Pila Bossmann
ARD-Wetterredaktion

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