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Wetterthema

11.10.2018

Ungewöhnliche Wärme

Der Sommer gibt sich immer noch nicht geschlagen, mitten im Oktober dreht er nochmal auf. Es ist ungewöhnlich warm, in Teilen Deutschlands gibt es sogar Sommertage mit einer Höchsttemperatur von 25,0 Grad oder mehr. Warum ist das so?

Bis einschließlich Sonntag liegt Deutschland zwischen einem großen und stabilen Hoch über Osteuropa und Tiefdruckgebieten auf dem Nordatlantik. Dabei wird sehr warme Luft aus Südwesten heran gelenkt. Die höchsten Temperaturen werden bei uns voraussichtlich am Samstag erreicht. Ähnliche Wetterlagen hatten wir seit April immer wieder, zuletzt Mitte September. Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied zu den letzten Monaten: Die Sonne steht nun deutlich niedriger, sie hat entsprechend weniger Kraft und die Tage sind deutlich kürzer.

Unsere Abbildung zeigt die Temperatur der Luftmasse in 1500 Metern Höhe. Im Sommerhalbjahr, von April bis September, kann man an sonnigen Tagen zu dieser Temperatur 15 bis 17 Grad dazurechnen, um die Höchstwerte der Niederungen abzuschätzen. Am Samstag werden in 1500 Metern Höhe über Deutschland 13 bis 15 Grad erwartet (normal wären in dieser Höhe jetzt 5 bis 7 Grad). Noch vor 4 Wochen hätte sich die Luft Dank der Sonneneinstrahlung in den Niederungen auf 27 bis 32 Grad erwärmt, also so, wie wir es Mitte September noch erlebten.

Mitte Oktober schafft es die Sonne alleine nicht mehr, diese Wärme bis in die Niederungen zu bringen. Jetzt muss der Wind mithelfen. Wäre es in den kommenden Tagen windstill, so würde sich die Luft in den Niederungen trotz der Wärme in 1500 Metern Höhe abkühlen. Nach wenigen Tagen wären kaum noch 20 Grad möglich und vielerorts würde sich Nebel ausbreiten. Dieser Abkühlung steht nun jedoch ein spürbarer Wind entgegen, der in Bodennähe aus Süd bis Südost wehen wird. Er kann sich nördlich der Mittelgebirge am besten durchsetzen. Deshalb sind am Samstag in Nordrhein-Westfalen für die Jahreszeit bemerkenswerte 28 Grad möglich. Relativ leicht setzt sich die warme Luft auch in mittleren Lagen durch. Deshalb werden Spitzenwerte im Herbst oft an Wetterstationen gemessen, die im Sommer nicht auffallen. In Alpennähe kann es dann besonders warm werden, oder an den Hängen des Schwarzwalds, der Schwäbischen Alb und an anderen Gebirgen. Die im Sommer oft auffallend warmen Regionen am nördlichen Oberrhein und an der unteren Donau sind bei herbstlichen Hochdrucklagen unauffällig, manchmal sogar recht kühl.

Das Wetter zeigt sich bis Sonntag neben ein paar Nebel- und Wolkenfeldern oft sonnig. Dabei bleiben die Temperaturen an der Nordsee und bei längerem Nebel zum Teil unter 20 Grad, sonst werden es oft 20 bis 25 Grad. An allen Tagen gibt es stellenweise auch Sommertage mit 25,0 Grad und mehr. Dabei wird es an einzelnen Wetterstationen sicher Wärmerekorde für Mitte Oktober geben. Die große Wärme ist mit dem Beginn der kommenden Woche vorbei. Ob es dann nur etwas kühler und weiterhin freundlich, oder deutlich kühler und nass wird, ist noch offen.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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