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Wetterthema

13.10.2017

Sturmgefahr bei Gewittern und Tiefdruckgebieten

Sowohl bei Gewittern, als auch bei ausgedehnten Tiefdruckgebieten kann es Sturm geben. Diese Stürme unterscheiden sich ganz erheblich in ihrem Wirkungsbereich, weshalb der angerichtete Schaden selbst bei ähnlicher Stärke recht unterschiedlich ausfallen kann.

Der Deutsche Wetterdienst gibt eine Reihe von Warnungen vor verschiedenen Unwettern heraus, wobei durch bestimmte Schwellenwerte definiert ist, ab wann ein Wetterphänomen ein Unwetter ist. Im Falle des Windes handelt es sich um ein Unwetter, sobald es mindestens orkanartige Böen (Geschwindigkeit ab 103 km/h) gibt. In der kalten Jahreszeit sind es typischerweise Orkantiefs und im Sommerhalbjahr Gewitter, die in Deutschland für Sturm sorgen. In beiden Fällen sind Temperaturunterschiede der Entstehungsgrund. Bei einem Gewitter (linker Teil unserer Abbildung) ist die Luft in Bodennähe feucht und warm. Mit der Höhe nimmt die Temperatur schnell ab, im Vergleich zu unten ist die Luft oben also relativ kalt. Daraus resultiert die Energie eines Gewitters. Ein Sturmtief hingegen schöpft seine Energie aus horizontalen Temperaturgegensätzen (rechter Teil der Abbildung). Je größer der Temperaturunterschied zwischen der subtropischen Warmluft und der polaren Kaltluft ist, desto stärker können die Stürme werden.

Sowohl bei Gewittern, also auch bei Sturmtiefs, kann es eine Warnung vor orkanartigen Böen geben. Doch die erreichten Spitzenböen alleine bestimmen noch nicht den angerichteten Gesamtschaden. Wie schlimm sich die orkanartigen Böen auswirken, hängt von mehreren Faktoren ab. Viele Gewitter sind lokal recht eng begrenzt. So bleibt der Sturm oftmals auf Bereiche von wenigen Kilometern beschränkt, während ein Sturmtief weite Landesteile betrifft und entsprechend in der Summe deutlich mehr Schaden anrichtet. Dafür sind die Bäume bei sommerlichen Gewittern belaubt, bei den winterlichen Sturmtiefs aber nicht. Das Laub bietet sehr viel mehr Angriffsfläche für den Wind. Bei gleichstarken Böen werden im Sommer deutlich mehr Laubbäume entwurzel oder sie brechen ab. Das macht die Gewitter trotz ihrer oft geringen Ausdehnung wiederum recht gefährlich. Besonderes Pech hatten wir am 5. Oktober 2017 mit Sturmtief „Xavier“. Sein Windfeld war ausgedehnter als das der meisten Gewitter und wegen seines ungewöhnlich frühen Auftretens im Herbst trugen die Bäume noch ihr Laub. Deshalb ist so viel passiert. Ebenfalls wichtig für die Auswirkung eines Sturms ist der Zustand des Bodens. Ist dieser nach ergiebigem Regen sehr nass, werden mehr Bäume entwurzelt aus bei einem trockenen Boden. Und schließlich gilt es noch, die Höhenlage zu beachten, für welche eine Sturmwarnung gilt. Oftmals betreffen Stürme nur das höhere Bergland. Logischerweise ist dann der Aufenthalt im Gebirge zu vermeiden, doch in der Regel kommen bei einem auf die Hochlagen beschränkten Sturm wegen der dünneren Besiedelung der betroffenen Region weit weniger Menschen zu Schaden als bei einem Flachlandsturm.

Freitag, 13. Oktober 2017

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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