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15.06.2017

Schelfeisabbruch in der Antarktis

Seit mehreren Jahren beobachten Forscher mit Spannung ein gewaltiges Naturschauspiel in der Antarktis. Dort droht in den nächsten Wochen ein rekordverdächtiger Schelfeisabbruch an der Ostküste der Antarktischen Halbinsel.

Das Larsen C Schelfeis liegt in einer der größeren Buchten an der Ostküste der Antarktischen Halbinsel. Seit mehreren Jahren macht diese Abbruchkante bereits auf sich aufmerksam und könnte in den kommenden Wochen endgültig abbrechen.

Grundsätzlich gilt es vorher noch die eine oder andere Definition zu klären. Als Schelfeis bezeichnet man eine Eisplatte, die auf dem Meer schwimmt und von Gletschern, Eisströmen oder wie im obigen Beispiel von Eiskappen gespeist wird und noch Kontakt zu diesen hat. Kennzeichnend für derartige Eisflächen ist das „Kalben“, also das Abbrechen einzelner, meist kleinerer Eisflächen.

Der Riss (siehe Grafik oben) ist mittlerweile knapp 180 km lang, stellenweise bis zu 90 m breit und wächst in letzter Zeit immer schneller in Richtung Meer. Die letzten knapp 20 Kilometer dürften da nur eine Frage der Zeit sein. Die Schelfeisfläche fasst in etwa 5.000 Quadratkilometer Eis mit teils bis zu 350 Meter dicke.

Aktuelle Daten über die Wachstumsrate pro Tag sind aufgrund des derzeitigen arktischen Winters jedenfalls eher schwer zu bekommen. Da Flüge über das Gebiet aktuell kaum bis gar nicht möglich sind gewinnt man die aktuellsten Ergebnisse mühselig aus Satellitendaten.

Der Schelfeisabbruch dürfte in neue Dimensionen bezüglich seiner Größenordnung Vorstoßen. Die Auswirkungen sind jedenfalls noch nicht absehbar. Einerseits verlieren zahlreiche Tiere ihren Lebensraum, andererseits könnte der Abbruch auch das restliche Schelfeis von Larsen C destabilisieren und somit für eine Kettenreaktion sorgen. Eine Gefahr für die Schifffahrt besteht laut Aussagen einiger Forschr eher nicht. Der riesige Eisberg dürfte sich nach Abbruch in einem Gebiet bewegen, in dem sowieso recht wenige Schiffe unterwegs sind.


15. Juni 2017
Marcel Herber
ARD - Wetterredaktion

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