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Wetterthema

30.08.2013

Herbstanfänge

Am Sonntag ist meteorologischer Herbstanfang, doch was hat das mit dem Wetter zu tun?

Die Frage ist berechtigt, denn am Freitag hat der Spätsommer nochmal so richtig Gas gegeben. Ab Samstag zieht jedoch von Nordwesten kommend eine Kaltfront übers Land und bringt spürbar kühlere Luft nach Deutschland. Dann kann man hierzulande den nahenden Herbst schon mal erahnen - oder befinden wir uns etwa schon mitten drin?

Tatsächlich gibt es mehrere Möglichkeiten den Herbstanfang zu definieren. Innerhalb der Meteorologie ist das recht übersichtlich geregelt: am 1. September fängt der Herbst an - Punkt aus. Hintergrund ist eine international einheitliche Zusammenfassung der Messdaten zu Jahreszeiten. Dann wäre da noch der kalendarische oder astronomische Herbstanfang, der dieses Jahr auf den 22.9 fällt. An diesem Tag, dem sogenannten Äquinoktium sind weltweit die Tage und Nächte genau 12 Stunden lang, daher wird dieser Termin auch Tag-und-Nacht-Gleiche genannt. Auf der Südhalbkugel beginnt dann der kalendarische Frühling.

Mit dem Ablauf der Witterung haben diese festen Termine natürlich nichts zu tun. Es existiert jedoch noch eine weitere Möglichkeit den Herbstbeginn zu bestimmen. Anhand von ausgewählten Zeigerpflanzen wird die Vegetationsperiode beobachtet, die jedes Jahr je nach Witterung einen unterschiedlichen Verlauf nimmt. Die Phänologie unterscheidet insgesamt zehn Jahreszeiten: je drei Phasen für Frühling, Sommer und Herbst, sowie den Winter, in dem die Vegetation ruht.

Der Früherbst wird nach dieser Einteilung durch die Fruchtreife des Holunders eingeläutet. Dies war in den Niederungen im Westen bereits Mitte, in den höheren Lagen und nach Osten zu bis Ende August der Fall. Den Übergang zum Vollherbst markiert die Reife der Rosskastanie, die im phänologischen Garten des Deutschen Wetterdienstes am Mittelrhein in Geisenheim etwa um den 14. September zu fallen beginnt. In diesem Jahr ist die Vegetation aufgrund des kühlen Frühjahrs jedoch immer noch etwa ein bis zwei Wochen in ihrer Entwicklung zurück, so dass der Termin sich wohl entsprechend verspäten wird.

Der phänologische Vollherbst beginnt mit der Fruchtreife der Stieleicheln, in Geisenheim in der Regel etwa um den 16. September herum – dieses Jahr wie gesagt voraussichtlich etwas später. Das nächste Stadium wird durch die Laubverfärbung charakterisiert. Spätestens dann besteht wohl kein Zweifel mehr darüber, in welcher Jahreszeit wir uns befinden. Der darauf folgende Spätherbst wird durch den Laubfall eingeleitet und endet mit eben diesem etwa Mitte bis Ende November.

Freitag, 30. August 2013

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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