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Wetterthema

21.06.2013

Die Unwetterlage des 20. Juni 2013

So schnell wie sie gekommen war, ist die feuchtheiße Luft nun wieder aus Deutschland vertrieben worden. An einigen Orten war der Wetterwechsel dramatisch mit Sturm, Starkregen und Hagel, andernorts passierte nicht viel.

Wir wollen eine Rückschau auf die Gewitter des 20. Juni 2013 zwischen 0 und 24 Uhr MESZ halten. Schon in der Nacht gab es Gewitter, die im Wesentlichen dadurch entstehen konnten, dass unser wetterbestimmendes Hoch immer weiter nach Südosten zurückgewichen war. So zogen heftige Gewitter über dem Norden Deutschlands, welche in Boizenburg, etwa 40 km südöstlich von Hamburg, zwischen 0 und 1 Uhr für 31 l/m² Regen sorgten. Am Vormittag gab es in der Westhälfte von Rheinland-Pfalz Unwetter, die zur Mittagszeit nach Nordrhein-Westfalen zogen. Dabei hat es Deuselbach besonders stark und vor allem gleich zweimal getroffen. Als Tagessumme konnten dort 101 l/m² registriert werden. In Remscheid stürzten zwischen 13 und 14 Uhr 55 l/m² vom Himmel. Von diesen Gewittern gekühlte Luft breitete sich gegen Mittag über Rheinland-Pfalz und Südhessen bis nach Baden und Franken aus, so dass dort das Potential für Gewitter erst einmal zu Nichte gemacht wurde. Umso stärker zündete es auf einer Linie von Nordrhein-Westfalen über die Mitte Hessens bis in den Aschaffenburger Raum. Diese Gewitterlinie verlagerte sich dann nordostwärts bis nach Thüringen und Niedersachsen. Aus den stärksten Gewitterzellen fiel dabei großer Hagel mit mehreren Zentimetern Durchmesser. Einige Unwetter mit Großhagel gab es am Nachmittag und Abend auch in Oberfranken und Sachsen. Eine andere sehr starke Zelle verlagerte sich vom Allgäu aus nordwärts. Spitzenwerte des Niederschlags binnen einer Stunde konnten in Leipzig zwischen 19 und 20 Uhr (60 l/m²) und im fränkischen Edelsfeld zwischen 20 und 21 Uhr (53 l/m²) gemessen werden. Die Gewitter im Osten wanderten bis Mitternacht weiter zur Oder und hinterließen in Wusterwitz, Brandenburg, zwischen 22 und 23 Uhr stolze 62 l.m². Zugleich kam am Abend von Südwesten her eine Kaltfront herein. Diese hätte eigentlich den stärksten Antrieb für Gewitter geliefert. Wäre das Potential der Luftmasse in den Gebieten, in welche die Front reinzog, nicht zur Mittagszeit schon unspektakulär deutlich gemindert worden, hätte es dort wohl ganz fürchterlich gekracht. So gab es dort eine Gewitterlinie, die sich hauptsächlich durch starken Wind auszeichnete, unter anderem bei Karlsruhe mit orkanartigen Böen bis 112 km/h. In Bad Bergzabern regnete es zwischen 21 und 22 Uhr 40 l/m².

Unsere Abbildung zeigt die Erdblitze am 20. Juni 2013. Aufgelistet ist die Anzahl der Einschläge in den einzelnen Bundesländern (Zahlen in der Karte), wobei die Blitze von Bremen zu Niedersachsen, die von Berlin zu Brandenburg und die von Hamburg zu Schleswig Holstein gezählt wurden. Die Einfärbung bezieht sich auf die Blitzdichte, also auf die Anzahl der Blitze pro km². Letztere war vom Westen und Nordwesten bis in den Osten besonders hoch. Im Saarland, in Sachsen-Anhalt und in Brandenburg wurden alleine an diesem einen Tag gerundete 0,7 Blitze pro km² geortet, normalerweise gibt es dort pro Jahr 2 bis 3 Blitze pro km². Vier solche Gewittertage würden dort bereits die gesamte Jahresstatisik abdecken. Das sonst sehr blitzreiche Baden-Württemberg war vom jüngsten Ereignis nur wenig betroffen. Insgesamt wurden in Deutschland am 21. Juni 2013 knapp 126.000 Erdblitze geortet.

Freitag, 21. Juni 2013

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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