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Wetterthema

19.06.2013

Die Hitze endet mit Musik

Am morgigen Donnerstag greift eine Kaltfront von Frankreich her auf Deutschland über und leitet einen markanten Wetterwechsel ein. Dabei wird die sehr heiße und feuchte Luft nach Osten abgedrängt, was in einigen Regionen mit Unwettern einher geht.

Aktuell lagert über Deutschland eine ungewöhnlich feuchte und heiße Luftmasse, in der am gestrigen Dienstag verbreitet Höchstwerte zwischen 30 und 35 Grad gemessen wurden. Noch bemerkenswerte waren aber die Tiefstwerte der vergangenen Nacht. Die Temperatur sank vielerorts nicht unter 20 Grad. Am wärmsten blieb die Nacht mit 25,5 Grad in Schotten (Hessen). Der Ort liegt am Westhang des Vogelsbergs in 265 Metern Höhe. Mit diesem Wert wurde in Hessen ein neuer Rekord für das höchste Minimum aufgestellt. Die bisher wärmste Nacht erlebte man in Hessen am 11.7.2010 in Frankfurt Westend, als die Luft nicht unter 24,5 Grad abkühlte.

Gewitter können umso heftiger werden, je feuchter und wärmer die Luft in der unteren Atmosphäre ist. Die aktuell über Deutschland lagernde Luftmasse ist in dieser Hinsicht extrem energiebeladen. Bisher schützte uns ein Hochdruckgebiet vor verbreitet auftretenden Unwettern. Oberhalb der feuchtheißen Grundschicht lagerte in unserem Hoch recht warme Luft. Wie ein Deckel verhinderte diese, dass die feuchtheiße Luft aufsteigen konnte. Sobald der Hochdruckeinfluss aber nachlässt, reichen bei solchen Wetterlagen kleine Anstöße, Hebungsvorgänge, damit es los geht. Im Westen und Nordwesten war und ist die Unwettergefahr bei sinkendem Luftdruck schon am heutigen Mittwoch etwas erhöht. Richtig brisant wird es dann am Donnerstag. Von Frankreich her nähert sich ein Tief. Dabei sind Gewitter an einer Kaltfront, die in der zweiten Tageshälfte von Südwesten heranzieht, aber auch im Vorfeld innerhalb der feuchtheißen Luftmasse wahrscheinlich. Wo es dann am heftigsten wird, ist noch immer schwer einzuschätzen und hängt von Kleinigkeiten ab, die sich am Donnerstag selbst erst herauskristallisieren werden.

Im Wesentlichen sind zwei Szenarien denkbar: Im Vorfeld der Kaltfront liegen schon am Vormittag dichte Wolken über dem Südwesten und Westen Deutschlands, Reste möglicher Nachtgewitter. Dann kann sich die Luft nicht mehr allzu weit erwärmen und die später eintreffende Kaltfront bringt dort zwar verbreitete Schauer und Gewitter, aber mit nicht allzu großer Unwettergefahr. In diesem Fall würde es weiter östlich in den zunächst noch sonnigen Gebieten am heftigsten krachen. Möglicherweise bildet sich dann eine Unwetterlinie von Schwaben über Franken bis nach Norddeutschland, die sich am Abend ostwärts verlagert.

Etwas anders kann der Donnerstag verlaufen, sofern die Sonne am Vormittag auch noch in den südwestlichen Landesteilen einstrahlen kann. Dann würden sich die stärksten Temperaturkontraste an der ab dem späten Nachmittag von Südwesten heranziehenden Kaltfront aufbauen. Diese würde dann von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg nordostwärts ausgreifend verbreitet Unwetter bringen. In den nach Szenario 1 am stärksten betroffenen Gebieten bliebe es dann zunächst eher bei einzelnen heftigen Gewittern, ehe die eigentliche Front auch dort in der Nacht zu Freitag für ordentliche Unruhe sorgen würde.

Ostbayern und der Nordosten werden wahrscheinlich erst in der zweiten Nachhälfte der Nacht zu Freitag von zum Teil unwetterartigen Gewittern überquert. Im Nordosten sind dann auch am Freitag noch heftige Gewitter möglich.

Angesichts der Wetterlage erscheint es sicher, dass es am Donnerstag in Deutschland Unwetter mit Starkregen, Hagel und schweren Sturmböen geben wird. Höchstwahrscheinlich wird es auch einige Regionen treffen. Was im Detail passiert, ist noch eine offene und spannende Frage.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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