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Wetterthema

24.02.2017

Wie wird der Frühling?

Kann man jetzt schon etwas über den Verlauf des nahenden Frühlings aussagen?

Aktuell kann sich das Wetter noch nicht so richtig entscheiden. Am Freitag gibt es in der eingeflossenen kühlen Meeresluft Schneeschauer bis in die Niederungen und kommende Woche sorgen atlantische Wetterfronten weiterhin für wechselhaftes, aber wieder milderes Wetter. In lichten Momenten, kann die bereits wieder höher stehende Sonne schon erste Frühlingsgefühle wecken. Besteht eine berechtigte Hoffnung auf einen warmen Frühling oder lässt sich dem chaotischen Wettergeschehen keine Information entlocken, die weiter als fünf Tage in die Zukunft reicht?

Der Wunsch nach einer Jahreszeitenvorhersage besteht mindestens schon seitdem die ersten Bauern ihre Felder bestellten, denn das Wissen um den Witterungsverlauf der kommenden Monate ist für die Landwirtschaft natürlich von unschätzbarem Wert. Aus diesem Grund wurde auch schon seit langem versucht im Wettergeschehen eine Regelhaftigkeit zu entdecken, die mit einer gewissen Verlässlichkeit Aussagen über die fernere Zukunft erlauben würde. So entstanden im Laufe der Jahrhunderte viele Bauernregeln, die aber leider nicht verlässlich sind.

Das gilt auch für den Hundertjährigen Kalender, der um 1660 von dem Abt Mauritius Knauer auf der Grundlage von Wetterbeobachtungen der Jahre 1652 bis 1658 erstellt wurde. Nach seiner Vorstellung ist der Einfluss der Himmelskörper auf das Wetter so groß, das eine siebenjährige Beobachtung des Wetters ausreiche, um für die Zukunft verlässliche Prognosen zu erstellen.

Leider ist das Wettergeschehen viel komplexer und chaotischer, und der Wunsch nach Regelhaftigkeit bleibt meist unerfüllt. Im fortschreitenden Computerzeitalter haben sich jedoch neue Möglichkeiten ergeben, den alten Traum von der Jahreszeitenvorhersage zumindest ansatzweise Wirklichkeit werden zu lassen. Der Deutsche Wetterdienst bietet eine monatlich aktualisierte Jahreszeitenvorhersage, genauer gesagt einen Temperaturtrend für die drei Folgemonate an.

Jedoch handelt es sich hierbei nicht um Wettervorhersagen im eigentlichen Sinne, sondern um Schätzungen ob eine Jahreszeit eher zu warm, zu kühl oder normal temperiert ausfällt. Hierfür wird ein Wettermodell des Europäischen Zentrums für Mittelfristvorhersage in Reading in Großbritannien herangezogen.

Dieses Wettermodell ist für Langfrist-Prognosen optimiert, da auf einer Zeitskala von mehreren Monaten andere Einflüsse wichtig sind, als bei einer kurzfristigen Wettervorhersage. So gewinnen nun beispielsweise die Wasseroberflächentemperatur der Ozeane oder die Schneebedeckung an Bedeutung. Um diese neuen Einflüsse berücksichtigen zu können, muss an anderer Stelle vereinfacht werden, so dass man bei einer Jahreszeitvorhersage auch keinen detaillierten Ablauf des Wettergeschehens angeben kann.

Da die Prognosen sehr stark von Messfehlern der Gegenwart abhängen, werden diese Modelle mit leicht unterschiedlichen Anfangsdaten gefüttert und mehrfach in die Zukunft gerechnet. Hierdurch erhält man ein ganzes Ensemble an Vorhersagen, welche statistisch ausgewertet werden. Schließlich gelangt man so zu Wahrscheinlichkeitsaussagen über Tendenzen der kommenden Jahreszeiten.

Und wie wird nun der Frühling? Mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 45 Prozent zu warm, so jedenfalls deuten es die aktuellen Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes an. Hierbei handelt es sich leider nur um einen groben Trend, der Traum von einer verlässlichen und detaillierten Jahreszeitenvorhersage bleibt bis auf Weiteres wohl noch bestehen.

Freitag, 24. Februar 2017

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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