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Wetterthema

03.08.2015

Extreme Hitze

Nachdem sich die Witterung in der vergangenen Woche auf das Normalmaß für einen deutschen Sommer besann, strebt die Temperaturkurve in den kommenden Tagen wieder neue Höhenflüge an.

Unsere Abbildung zeigt Modellprognosen der Temperatur in einer Höhe von rund 1500 Meter über dem Meer für Frankfurt am Main, beginnend mit dem heutigen Montag. Es handelt sich um eine sogenannte Ensemblevorsage. Sie setzt sich aus einer größeren Anzahl an Modellvorhersagen zusammen (dünne Kurven), die jeweils von einem leicht veränderten Anfangszustand der Atmosphäre zum Starttermin der Modellrechnungen (hier 0 Uhr Weltzeit am heutigen Montag) ausgehen.

Mit Hilfe solcher Ensemblerechnungen kann abgeschätzt werden, wie zuverlässig die Vorhersage zu diesem bestimmten Zeitpunkt ist. Je enger die Kurven beieinander verlaufen, desto verlässlicher stellt sich die Prognose dar. Naturgemäß streuen die Kurven umso mehr, je weiter der Blick in die Zukunft geht. Die dicke rote Linie zeigt das klimatische Mittel (Normalwert) der Temperatur, die dicke schwarze Kurve den Mittelwert aller Modellrechnungen.

Die Temperatur in 1500 m NN hat in der Wettervorhersage gewisse Vorzüge. In diesem Höhenniveau sind einerseits die schwer modellierbaren Einflüsse des Erdbodens weitgehend abgeklungen, anderseits besteht zwischen der Temperatur in 1500 m NN und der gängigen Temperatur in 2 Metern Höhe oftmals noch ein direkter Zusammenhang. Dies ist insbesondere an trockenen Sommertagen der Fall. Dann lässt sich die Tageshöchsttemperatur für einen bestimmten Ort in den meisten Fällen gut voraussagen, in dem man zur 1500-Meter-Temperatur pro 100 Meter Differenz zur Ortshöhe 1 Grad hinzurechnet. Scheint die Sonne längere Zeit und heizt die bodennahen Luftschichten richtig kräftig auf, kommen noch 2 - 3 Grad Zuschlag oben drauf.

Was bedeutet dies nun für unseren Temperaturtrend? Am Dienstag erreichen die Werte in 1500 Metern Höhe mit rund 17 Grad einen ersten Höhepunkt. Frankfurt selbst schöpft dieses Hitze-Potential allerdings nicht aus, da wahrscheinlich gegen Mittag bereits stärkere Bewölkung und nachfolgend Niederschläge heranziehen. Bei 30 Grad ist hier etwa Schluss. Weiter in Richtung Osten Deutschlands bleibt es bis in den Nachmittag hinein sonnig. Für die Niederungen mit 100-200 Meter Meereshöhe und somit einer Höhedifferenz von 1300 bis 1400 Metern addieren wir dort zu den 17 Grad in 1500 Metern Höhe entsprechend 13 bis 14 Grad plus 3 Grad Aufschlag und erhalten Tageshöchstwerte zwischen 33 und 34 Grad.

Mit Durchzug der angesprochenen Niederschläge, d.h. örtlich auch heftige Gewitter, kühlt es zur Wochenmitte vorübergehend ab. Danach nimmt die Hitze einen neuen Anlauf. So steigen die Temperaturen in der Höhe von 1500 Metern am Freitag zum Teil bis etwa 21 Grad. Dann wird, abgesehen von den nordwestlichen Landesteilen, voraussichtlich verbreitet die Sonne scheinen. Dies bedeutet für die Niederungen Höchstwerte von 37 bis 38 Grad. Diese Prognose ist allerdings eher zurückhaltend. Es gibt durchaus maßgebliche Modellvarianten, die am Freitag und teilweise auch noch am Samstag Höhenwerte bis 24 Grad zeigen, wodurch die 40-Grad-Marke wieder in den Fokus rückt.

Auf diesen zweiten Hitzegipfel folgt im Lauf des Wochenendes wahrscheinlich eine mehr oder weniger starke Abkühlung, wie unser Temperaturtrend weiter zeigt.


Montag, 3. August 2015

Dipl.-Met. Rainer Behrendt

hr-/ARD-Wetterredaktion

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