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Wetterthema

17.09.2014

Strahlungsnebel

Langsam wird es Herbst, was man auch am morgendlichen Nebel feststellen kann. Wie entsteht dieser Strahlungsnebel?

Die Tage werden jetzt wieder spürbar kürzer und damit kann es in klaren Nächten schon recht empfindlich abkühlen. Dann bildet sich in Flussniederungen und Muldenlagen Nebel, der sich jedoch um diese Jahreszeit vormittags wieder auflöst.

Der in der Luft enthaltene Wasserdampf ist unsichtbar, und doch spielt er im Wettergeschehen eine entscheidende Rolle. Denn umso kühler die Luft ist, desto weniger Wasserdampf kann sie enthalten. Aus diesem Grund entstehen bei aufsteigenden Luftmassen auch Wolken, da die Luft beim Aufsteigen abkühlt.

Die in der Luft enthaltenen Wassermoleküle üben einen sog. Dampfdruck aus. Dieser ist umso höher, je mehr Feuchtigkeit in der Luft enthalten ist. Jedoch kann dieser Dampfdruck nicht beliebig hoch ansteigen, denn flüssige Wassermoleküle müssen gegen diesen Druck ankommen, um sich aus der Wasseroberfläche, beispielsweise eines Sees, lösen zu können und als Wasserdampf in die darrüberliegende Luft aufzusteigen.

Kann kein weiteres Wasser mehr verdunsten, so ist die Luft mit Wasserdampf gesättigt, welcher nun den Sättigungsdampfdruck ausübt. Dieser ist umso höher, je wärmer es ist, denn bei höheren Temperaturen haben die Moleküle mehr Bewegungsenergie und üben so auch einen höheren Druck auf ihre Umgebung aus.

In klaren Nächten im Herbst kann sich nun die Luft am Erdboden stark abkühlen. Dann sinkt der Sättigungsdampfdruck mitunter so stark ab, dass die enthaltene Feuchtigkeit auskondensiert – es bildet sich Bodennebel. Dieser ist typischerweise recht flach und nur in Ausnahmefällen über 100 Meter mächtig. Er besteht wegen des geringen Wassergehalts aus recht kleinen Tröpfchen und ist deswegen auch nicht nässend.

Die Grenze, ab wann sich Nebel bildet ist recht scharf, so dass wenige Zehntel Grad bereits den entscheidenden Unterschied ausmachen können. Deswegen bildet sich der Strahlungsnebel auch oft nur in besonders kühlen Muldenlagen oder in Feuchtgebieten, beispielsweise an Seen oder Flüssen.

Am nächsten Morgen löst sich dieser Nebel je nach Sonnenstand mehr oder weniger rasch wieder auf. Je weiter die Jahreszeit vorangeschritten ist und je niedriger der Sonnenstand, desto länger dauert die Nebelauflösung. Im Winter kann er sich sogar den ganzen Tag über halten, im September ist das jedoch noch nicht der Fall. Jedoch hat der Nebel eine selbsterhaltende Neigung, da er aufgrund seiner hellen Oberfläche bis zu 90 Prozent der Sonnenstrahlung reflektiert, die dann die nicht mehr zur Erwärmung der umgebenden Luft zur Verfügung steht. Je weiter der Herbst fortschreitet, desto schwieriger wird es für die Meteorologen, den Zeitpunkt der Nebelauflösung abzuschätzen, da kleine Unterschiede hier große Wirkungen erzielen können. Ähnliches gilt übrigens auch für sommerliche Hitzegewitter, de nun jedoch nicht mehr auftreten können.

Mittwoch, 17. September 2014

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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