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Wetterthema

03.07.2015

Wie heiß wird es denn nun?

Das Thema Hitze zieht sich wie ein roter Faden durch diese Woche und jetzt am Wochenende erreicht sie ihren Höhepunkt. Die spannende Frage dabei ist, welche Rekorde es geben wird. Ist der deutsche Hitzerekord von 40,2 Grad in Gefahr?

Hitzerekorde werden dann möglich, wenn mehrere Faktoren günstig zusammen kommen. Als erstes benötigen wir eine heiße Luftmasse, die idealerweise aus Nordafrika zu uns strömt, aus der Sahara. Ein solche Luftmasse hat sich schon vor einigen Tage von Marokko her auf den Weg zu uns gemacht. Sie erreichte zu Wochenbeginn Spanien mit extremer Hitze, später dann Frankreich. Schuld an dieser Luftströmung ist das Zusammenspiel zwischen einem Hoch über dem östlichen Mitteleuropa und einem Tief auf dem Ostatlantik. Die Wetterlage muss mehrere Tage lang stabil sein, wie es jetzt der Fall ist, damit die Heißluft den Weg bis zu uns schafft. Neben der Heißluft wird längerer Sonnenschein benötigt, für den unser Hochdruckgebiet sorgt. Außerdem macht es einen Unterschied, ob die Böden feucht oder trocken sind. Über trockenen Böden wird es etwas heißer, da weniger Energie für die Verdunstung von Wasser aufgebraucht wird. Doch wie heiß wird es nun?

Die höchsten Werte werden am Wochenende gemessen, wobei es an beiden Tagen ähnlich heiß wird. Mancherorts wird der höhere Wert von Samstag stammen, andernorts vom Sonntag. Die 35 Grad-Marke wird von höheren Bergen und Küsten mit Seewind abgesehen fast überall geknackt. Vielfach werden es um 37 Grad, örtlich auch 39 oder vielleicht sogar 40 Grad. Die Auswahl von Städten auf unserer Grafik zeigt, dass die erwarteten Höchstwerte vielfach nur knapp unter, oder zum Teil sogar über den bisherigen Hitzerekorden liegen. Im Verlauf des Wochenendes ist somit an einigen Wetterstationen mit neuen Hitzerekorden zu rechnen.

Nun wollen wir noch näher diskutieren, was für und gegen einen neuen gesamtdeutschen Hitzerekord spricht. Die heißeste Luft wird über dem Südwesten Deutschlands erwartet, wo im August 2003 sowohl in Karlsruhe, als auch in Freiburg 40,2 Grad gemessen wurden. Damals wie jetzt waren die Böden sehr trocken. Im August 2003 war es an den Rekordtagen gering bewölkt. Aktuell stellen Wolken eine leichte Unsicherheit dar, am Sonntag mehr als am Samstag. In der über Deutschland liegenden energiebeladenen Luftmasse kann es schnell mal zu Gewittern kommen, deren Restwolken am Folgetag den Sonnenschein beeinträchtigen würden. Die Luftmasse an sich war im August 2003 im Südwesten, wo es jetzt wahrscheinlich am heißesten wird, geringfügig wärmer. Damals waren es im Breisgau in 1500 Metern Höhe 23 Grad und über Nordbaden noch 22,5 Grad. Im Mittel über sieben verschiedene Vorhersagemodelle werden jetzt 22,5 bzw. 21,5 Grad vorhergesagt. Die einzelnen Modelle unterscheiden sich in ihrer Prognose hierbei noch um bis zu 2 Grad voneinander. Doch die gegenüber 2003 wahrscheinlich etwas geringeren Temperaturen in 1500 Metern Höhe werden in Bodennähe durch die Jahreszeit in etwa ausgeglichen. Im Juli steht die Sonne höher als im August. Sollten keine Wolken als Spielverderber auftauchen und sollte es so eintreten wie im Mittel über die sieben Modelle, wären ähnliche Werte wie 2003 zu erwarten. Doch damit hätten wir noch keinen Rekord, weil es noch ein anderes Problem gibt: An städtisch beeinflussten Wetterstationen werden höhere Werte gemessen als in ländlichen Regionen. Beide Standorte, Freiburg und Karlsruhe, an denen die 40,2 damals erreicht wurden, waren stadtnah, und beide Stationen hat der Deutsche Wetterdienst inzwischen verlagert. Gesetzt den Fall, es würden sich die Höchstwerte des Augusts 2003 exakt wiederholen, so gäbe es dennoch keine gemessenen 40,2 Grad. Vielleicht reicht es an einer der anderen Stationen im Südwesten, die nach Verlegung der Stationen von Karlsruhe und Freiburg öfter durch hohe Werte auffallen. Kandidaten hierfür wären Müllheim, Rheinau-Memprechtshofen, Waghäusel-Kirrlach oder Bad Kreuznach. Es wäre auch nicht ausgeschlossen, dass der Rekord aus einem anderen Teil Deutschlands vermeldet wird. Die Luftmasse ist nördlich der Mittelgebirge zwar nicht ganz so heiß, dafür liegt das Gelände dort noch tiefer als im Südwesten.

Eine exakte Vorhersage des Hitzerekords ist also nicht möglich. Unter Umständen taucht ein höherer Messwert als die 40,2 Grad auf, vielleicht reicht es auch nur für eine aufgerundete 40 oder wegen unvorhergesehener Bewölkung auch das nicht. Hier ging es vor allem darum zu zeigen, von wie vielen Faktoren ein Hitzerekord abhängt.

Freitag, 3. Juli 2015

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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