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Wetterthema

27.02.2015

Wechselbad der Gefühle

Am Samstag sorgt ein Keil des Azorenhochs für freundliches Wetter, ein Ausläufer des Islandtiefs bringt am Sonntag aber neue Niederschläge.

Immer wieder hört man die Namen dieser beiden bekannten Druckgebilde, da sie für das Wetter in Europa von entscheidender Bedeutung sind. Das Islandtief sorgt für unbeständiges Wetter und die Zufuhr feuchtkühler Luft, das Azorenhoch hingegen bringt ruhiges und sonniges Wetter nach Mitteleuropa.

Am Äquator strömt Luft in tieferen Schichten von Süden und Norden zusammen, steigt dort auf und strömt in einer Höhe von mehreren Kilometern wieder polwärts. Etwa zwischen 25 uns 40 Grad nördlicher und südlicher Breite sinken diese Luftmassen wieder ab, wodurch dort großräumige Hochdruckgebiete entstehen. Das Absinken sorgt für Wolkenauflösung und trockenes und ruhiges Wetter. Aus diesem Grund befinden sich alle großen Wüsten, wie beispielsweise die Sahara in diesen Breitengraden.

Entsprechend liegen die Azoren, etwa 1500 km westlich von Portugal, im Einflussbereich eines stabilen Hochdruckgebietes. Immer wieder wie kann dieses Azorenhoch seinen Einfluss, wie auch am kommenden Samstag, in Form eines sogenannten Keils bis nach Mitteleuropa ausdehnen. Das ungemütliche Wetter verdanken wir dem Gegenspieler des Azorenhochs, dem sog. Islandtief. Hierbei handelt es sich eigentlich um immer wieder neu entstehende Tiefdruckwirbel, welche sich über den Atlantik meist über Island hinweg ostwärts verlagern.

Die atmosphärische Grundströmung ist um den 60. Breitengrad aufgrund der Erddrehung von West nach Ost gerichtet. Mit dem Golfstrom wird immer wieder recht warme und damit auch relativ leichte Luft aus Süden in die Region um Island geführt, wo sie auf kalte Kontinentalluft aus Grönland und Neufundland trifft. Diese Warmluft gleitet auf die kältere auf und verwirbelt dabei. Diese Verwirbelung wird noch durch die Südspitze Grönlands unterstützt, die eine natürliche Barriere für die aus Westen heranströmende Kaltluft darstellt.

Ist das Islandtief stark ausgeprägt bilden sich an seiner Südseite oft ganze Familien von kleineren Tiefdruckgebieten, die dann in schneller Folge nach Mittel- und Nordeuropa ziehen und dort das Wetter entsprechend wechselhaft gestalten. Vor allem im Winter ist es von großer Bedeutung, wie stark die Luftdruckgegensätze zwischen Azorenhoch und Islandtief ausgeprägt sind. Sind diese Gegensätze groß, herrscht also besonders hoher Druck bei den Azoren und besonders tiefer bei Island, resultiert eine starke westliche Strömung, die den Winter in Mitteleuropa mild und niederschlagreich gestaltet.

Auch der nun fast hinter uns liegende Winter war vor allem im Dezember und Januar von starken Luftdruckgegensätzen auf dem Atlantik geprägt. Häufig gelangten milde Luftmassen auf das europäische Festland. Lediglich im Februar beruhigte sich die Großwetterlage, einen massiven Einbruch kontinentaler Kaltluft aus Osteuropa bleib uns aber trotzdem weitgehend erspart. Entsprechend lag das Temperaturniveau der vergangenen drei Monate deutschlandweit etwa 1,6 Grad über dem langjährigen Mittel

In der neuen Woche bleibt der Einfluss des Islandtiefs hierzulande wetterbestimmend. Immer wieder greifen atlantische Tiefausläufer nach Mitteleuropa aus und bescheren uns wechselhaftes, im Norden mitunter auch stürmisches Wetter. Dazu gibt es reichlich Niederschläge, die aber nur im Bergland als Neuschnee liegen bleiben. Im Flachland fühlt sich das Wetter eher nasskalt, also nicht unbedingt sehr winterlich, aber eben leider auch noch nicht so richtig frühlingshaft an.

Freitag, 27. Februar 2015

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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