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06.05.2015

Tornados in Mecklenburg-Vorpommern

Am Dienstagabend verwüstete ein Tornado Teile von Bützow in Mecklenburg-Vorpommern.

Bereits am späten Dienstagvormittag gegen 11:30 Uhr entwickelten sich erste Schauer über den Niederlanden und organisierten sich in der Folge zu einer markanten Gewitterlinie, die zwischenzeitlich von der dänischen Grenze bis ins südliche NRW reichte. Gegen 19:00 Uhr bildete sich bei Bützow südlich von Rostock ein Tornado bei dem etwa 30 Menschen verletzt wurden. Eine weitere Sichtung am Schweriner See könnte auf mindestens einen weiteren Tornado hindeuten.

Tornados, die auch als Großtromben oder als Wind- oder Wasserhosen bezeichnet werden, entstehen bei schweren Gewittern. Im Gegensatz zu Tropischen Wirbelstürmen oder Orkanen sind Tornados durch ihre kleine räumliche Ausdehnung von wenigen Metern bis zu etwa einem Kilometer und durch ihre vergleichsweise kurze Lebensdauer von wenigen Sekunden bis maximal etwa einer Stunde charakterisiert.

Jedoch kann ihre Zerstörungskraft gewaltig sein. Mit kurzeitig auftretenden Windgeschwindigkeiten von bis zu 500 km/h übertreffen Sie in dieser Hinsicht die stärksten Taifune um etwa das Doppelte. Die Zuggeschwindigkeit liegt bei etwa 50 km/h, in Ausnahmefällen sogar bei über 100 km/h. Durch das plötzliche Auftreten ist eine Tornadovorwarnung, wenn überhaupt oft nur Minuten vor dem Ereignis möglich.

Die Stärke von Tornados wird anhand der Fujita-Skala in 6 Klassen eingeteilt. Hierbei sind F0-Tornados die schwächsten und am häufigsten auftretenden, die F5-Tornados sind entsprechend am verheerendsten und werden nur etwa in einem Prozent der Fälle beobachtet. Insgesamt zählt man in den Vereinigten Staaten etwa 1200 Tornados, in Deutschland immerhin noch mehrere Dutzend pro Jahr, die Dunkelziffer ist jedoch recht hoch.

In Bützow wurden laut Augenzeugenberichten PKW bis zu 70 Meter versetzt und Holzteile bohrten sich in Fassaden. Nach ersten Schätzungen waren hier maximale Windgeschwindigkeiten über 200 km/h am Werk, was mindestens auf einen F2-, möglicherweise einen F3-Tornado schließen lässt. Jedoch treten die Windspitzen auf so kleinem Raum auf, dass Messungen selten gelingen. Am Dienstag wurde im 25 km östlich von Bützow gelegenen Laage immerhin eine Orkanböe mit 126 km/h gemessen, jedoch außerhalb des Tornados.

Tornados entstehen immer bei kräftigen Gewittern, in den USA meist in sogenannten Superzellen, die langsam in Rotation versetzt werden. Durch Aufwinde wird die Rotationsachse aus der horizontalen in die Senkrechte quasi aufgestellt und dabei zudem stark verdichtet. Die Folge sind mitunter extrem zerstörerische Tornados.

Die schweren Gewitter entstehen durch das Aufeinandertreffen stark unterschiedlich temperierter Luftmassen, wobei die warme Luft auch die zur Gewitterbildung notwendige Feuchtigkeit mitbringt. Diese extremen Unterschiede können bevorzugt im Mittleren Westen der USA auftreten, da dort vor allem im Frühsommer feuchtwarme Luftmassen vom Golf von Mexiko auf deutliche kältere Luft arktischen Ursprungs treffen können. Begünstigt wird dies auch durch die Nord-Süd-Ausrichtung der Rocky Mountains, welche eine natürliche Barriere für Luftströmungen darstellen, wodurch arktische Kaltlufteinbrüche bis weit nach Süden vorstoßen können.

Hierzulande entstehen Tornados bevorzugt in Gewitterzellen, in denen der Wind in Bodennähe bereits aus unterschiedlichen Richtungen weht. Durch die in Gewitterzellen typischen starken Aufwinde werden die bodennahen Wirbel nach oben gezogen und verengt, wodurch sich ebenfalls der typische Wolkenrüssel ausbilden kann.

Während des sogenannten „Super-Outbreak“ am 3. und 4. April 1974 wurden in 13 Staaten im Süden und Mittleren Westen der USA 148 Tornados gezählt, die insgesamt 315 Todesopfer forderten. Im April 2011 forderten über 150 Tornados in den Südstaaten mehr als 320 Menschenleben. In Deutschland ist der F4-Tornado in Pforzheim vom 10. Juli 1968 wohl am bekanntesten, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen und über 100 Personen verletzt wurden.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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