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Wetterthema

24.01.2017

Das Kältehoch

Wem oder was haben wir im Hochwinter die zum Teil klirrende Kälte in Kombination mit oft sonnigem Wetter eigentlich zu verdanken? –Der Schuldige findet sich schnell: Ein Kältehoch!

Sogenannte Kältehochs gehören zu den thermisch erzeugten Druckgebilden.
Druckgebiete dieser Art entstehen vorwiegend in den Wintermonaten und typischerweise über Sibirien und Kanada sowie über großen Eisflächen, wie auf dem Grönländischen Eisschild und in der Antarktis.

Ein Kältehoch kann sich nur aufbauen, wenn die Strahlungsbilanz an der Erdoberfläche über einen längeren Zeitraum stark negativ ist. Bei diesen Verhältnissen strahlt die Erde in der Summe mehr Wärme ab, als sie von der Sonne empfängt. Dies tritt ein, sobald die Tagesdauer im Winter sehr kurz wird.

Die Folge der negativen Strahlungsbilanz ist eine starke Auskühlung der bodennahen Luftschichten. Im Zuge der Abkühlung der Luftmasse erhöht sich die Luftdichte. Dadurch kommt es zu einer großräumigen Absinkbewegung kalter Luft. In der Höhe sorgt nachströmende Luft für kontinuierliches Absinken im Zentrum und somit zu einer Erhöhung des Luftdrucks am Boden. Bei gut ausgeprägten Kältehochs entsteht in der Höhe sogar ein schwaches Tief. Der Grund liegt im Massenverlust durch die abwärtsgerichtete Strömung.

Der Terminus „Kältehoch“ bezieht sich also nur auf die Bedingungen am Erdboden.

In Kältehochs werden weltweit die höchsten Luftdrücke registriert. Am 31.12.1968 wurde im Kern eines sibirischen Kältehochs bei Agata mit 1083,8 hPa der höchste jemals von meteorologischen Messgeräten aufgenommene Luftdruck erfasst. In Deutschland sind Kälthoch‘s deutlich schwächer ausgeprägt als in Sibirien. Der Luftdruckrekord für Deutschland wurde am 23.01.1907 bei Greifswald mit „nur“ 1060,8 hPa gemessen.

Neben dem hohen Luftdruck sind für Kältehoch’s sehr kalte Temperaturen charakteristisch. Die kälteste in Deutschland erfasste Temperatur betrug am 12.02.1929 etwa -37,8 Grad, gemessen bei Wolnzach-Hüll/Ilm. Damit liegt sie jedoch noch deutlich über den Temperaturen in sibirischen Kältehochs, die am Erdboden Temperaturen von unter -60 Grad aufweisen.



Dienstag, 24.Januar 2017
Konstantin Krüger
ARD/HR - Wetterredaktion

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