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Wetterthema

13.07.2018

Das Klima auf Hawaii

In einer Entfernung von 12.000 km Luftlinie zu Deutschland befinden sich im Pazifik die Inseln von Hawaii. Jährlich besuchen 7 Millionen Touristen die Inselgruppe, davon sind allerdings nur knapp 1 Prozent Deutsche. Was für Besonderheiten gibt es dort?

Im Jahre 1959 wurden erst Alaska, dann Hawaii zu Bundesstaaten der USA. Mit Hawaii waren es dann 50 Bundesstaaten, dabei ist es seitdem geblieben. Deutsche Touristen erleben bei ihrer An- und Abreise 11 Stunden Zeitverschiebung, also fast das maximal Mögliche. Jeder, der von sich sagt, er habe wochenlang Probleme nach der Umstellung auf die Sommerzeit Ende März, sollte nicht nach Hawaii fliegen.

Die Inselgruppe ist vulkanischen Ursprungs. Insgesamt gehören 137 Inseln und Atolle zum 50. Bundesstaat der USA. Die meisten davon befinden sich nordwestlich unseres Kartenausschnitts, sind sehr klein und unbewohnt. Die 4 größten Inseln sind Kauai (in unserer Karte links oben), Oʻahu, Maui und Big Island (rechts unten). Dabei sind die Inseln umso jünger, je weiter im Südosten man sich befindet. Big Island ist die jüngste Insel. Sie heißt eigentlich Hawaii und war namensgebend für die gesamte Inselgruppe. Die Lavaproben dort sind teils ganz frisch, teils bis 0,4 Millionen Jahre alt. Der mit 4205 Metern höchste Berg namens Mauna Kea gilt als schlafender Vulkan. Wenn man den Teil unter der Meeresoberfläche mitzählt, ist der Mauna Kea sogar 10.205 Meter hoch und damit der höchste Berg der Erde. Sehr aktiv sind die ebenfalls auf Big Island gelegenen Vulkane Mauna Loa und Kilauea. Letzterer gilt als aktivster Vulkan der Erde. Die Lava auf Hawaii ist relativ dünnflüssig und bildet verhältnismäßig flache Hangwinkel. Vor allem den 4169 Meter hohen Mauna Loa unterschätzt man in seiner Höhe, wenn man vor ihm steht. Auf der nordwestlich von Big Island gelegenen Insel Maui befindet sich der 3055 Meter hohe Haleakalā. Er ist der einzige Vulkan des hawaiischen Archipels außerhalb von Big Island, der noch nicht erloschen ist. Die älteste der großen Inseln ist Kauai. Dortige Lavaproben sind 5,1 Millionen Jahre alt. Dementsprechend hatten Wind und Wetter lange Zeit, tiefe Täler und Schluchten in die verhältnismäßig alten Vulkane einzuschneiden. Kauai ist trotz der sehr viel geringeren Berghöhen sehr viel schroffer als Big Island.

Die großen Inseln liegen zwischen dem 19. und 22. nördlichen Breitenkreis. Das Klima ist tropisch warm. Typische Höchstwerte für die Küstenregionen sind 27 Grad im Winter und 31 Grad im Sommer. Die Luft ist feucht, oftmals lässt der Wind das Wetter aber als angenehm erscheinen. Der Wind ist das entscheidende Element für das Klima auf Hawaii. Mit einem beständigen Nordostpassat strömt die Luft über die Inselgruppe. Auf vergleichbarer Breitenlage befinden sich aufgrund zur Nähe des subtropischen Hochdruckgürtels viele Wüsten unserer Erde. Und tatsächlich ist die Luft auf Hawaii oberhalb einer Inversion, die oft bei 2000 bis 3000 Metern Höhe liegt, meistens trocken. Gäbe es keine höheren Berge auf den Inseln, läge der Jahresniederschlag vielfach nur um 500 mm. Dank der Berge und des sehr beständigen Passatwinds wird die Luft auf den Nordostseiten der Inseln zum Aufsteigen gezwungen und mancherorts regnet es dadurch ausgesprochen häufig und viel. Hilo gilt mit 3219 mm Jahresniederschlag als die nasseste Stadt der USA. Hier wird es an 275 Tagen im Jahr nass. Auf der gegenüberliegenden Seite der Insel regnet es in Kailua-Kona lediglich 467 mm pro Jahr und die Sonne scheint mit über 3000 jährlichen Stunden deutlich länger. Noch weitaus nassere Flecken finden sich in den mittleren Berglagen Hawaiis, während die hohen Berge zugleich relativ trocken sind. An den Osthängen des Mauna Kea und des Haleakalā werden Jahressummen über 7000 mm erreicht. Den Vogel schießt jedoch der 1544 Meter hohe Mount Wai’ale’ale auf Kauai ab. Der Name bedeutet in der hawaiischen Sprache „plätscherndes“ oder „überlaufendes Wasser“. Hier regnet es im Jahresmittel 11684 mm. Dieser Wert wird weltweit wahrscheinlich nur von Cherrapunji (11777 mm) und Mawsynram (11872 mm) übertroffen. Beide Orte liegen in Indien, 20 Kilometer voneinander entfernt. Angesichts der unterschiedlichen Zeiten, für die dieser jährliche Durchschnitt jeweils ermittelt worden ist, gibt es eine Kontroverse über den regenreichsten Punkt der Erde. Ein Gegenstück zum Mount Wai’ale’ale existiert auf der Südhalbkugel. Auf vergleichbarer Breitenlage und ebenfalls verursacht durch sich anstauende Passatwinde regnet es an einem Berghang in der Nähe von Sainte-Rose, auf La Réunion, 10929 mm im Jahr.

Das Besondere an diesen starken Stauniederschlägen in der Passatwindzone ist die geringe vertikale Mächtigkeit der Wolken. Das Foto oben entstand auf dem Mauna Kea. Oberhalb von 3000 Metern herrschte sonniges Wetter, während es in Hilo, unter den Wolken gelegen, den ganzen Tag regnete. In Deutschland wäre das nicht möglich. Hierzulande müssen die Wolken zur Bildung stärkeren Regens bis in Höhen zwischen 6 und 14 Kilometern reichen und somit teilweise vereist sein. Ein Nebeneinander von eisförmigen und flüssigen Anteilen in einer Wolke begünstigt die Niederschlagsbildung. Ohne Eispartikel kann sich bei uns kein starker Regen entwickeln. Reine Wasserwolken enthalten in Deutschland nicht genug Feuchtigkeit. In den Tropen hingegen reicht das Feuchteangebot zu Bildung starken Regens auch bei reinen Wasserwolken aus. Ab und zu gibt es aber auch auf Hawaii hochreichende Wolken, nämlich durch Hurrikane oder sogenannte „Kona-Lows“. Hurrikane können im Sommer und Herbst vorkommen, sie sind aber selten. Zwei bis drei Mal im Jahr erreicht ein Tief aus der gemäßigten Zone die Inseln. Diese Kona-Lows sind für den Winter typisch und sorgen für Gewitter. Die hohen Berge Big Islands tragen im Winter häufig eine Schneekappe.

Freitag, 13. Juli 2018

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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