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Wetterthema

17.04.2014

El Niño - das Christkind kehrt zurück

Wie bringt warmes Meerwasser im tropischen Pazifik das Wetter rund um Globus durcheinander?

Seinen Namen leitet El Niño (spanisch für Christkind) von der Tatsache ab, dass es häufig um die Weihnachtszeit zu einer Erhöhung der oberflächennahen Wassertemperatur vor den Küsten Ecuadors und Perus kommt. Heutzutage steht der Name jedoch eher für die alle paar Jahre einsetzende, besonders starke Erwärmung weiter Teile des tropischen Pazifiks, die weitreichende Wetterkapriolen auslösen.

Während des letzten extrem starken El Niño-Ereignisses 1997/98 erblühte die Atacamawüste in Chile und Peru, eine der trockensten Regionen der Erde. Gleichzeitig herrschte in weiten Teilen Indonesiens und Australiens eine verheerende Dürre, die zu riesigen Waldbränden und Buschfeuern führte. Aber auch in anderen Teilen geriet das Wetter aus dem Takt, so behindert El Niño die Entwicklung starker Hurrikane im Atlantik, führt im Nordosten Brasiliens zu Trockenheit und hat sogar Auswirkungen auf den Verlauf des Nordamerikanischen Winters: starke Winterstürme in Kalifornien, feuchtkühle Witterung im Südwesten der USA und ein ausgeprägt trockener und milder Verlauf im Norden sind zu erwarten. Der Einfluss auf das Europäische Wettergeschehen ist jedoch gering und bisher noch nicht nachgewiesen.

Doch wie kommt El Niño zustande? Normalerweise befindet sich vor der Peruanischen Küste ein Meeresgebiet in dem kaltes und nährstoffreiches Tiefenwasser aufquillt und zur Freude der Fischer riesige Anchovis-Schwärme anlockt. Über dem kalten Wasser sinkt die Luft großräumig ab, wodurch dort normalerweise sonniges und trockenes Wetter vorherrscht. Die absinkende Luft ist Teil eines riesigen Zirkulationssystems, der nach ihrem Entdecker benannten Walker-Zirkulation, welches sich entlang der Tropen rund um den Globus erstreckt. Die vor der Südamerikanischen Küste absinkende Luft strömt in tieferen Atmosphärenschichten nach Westen über den Pazifik und drückt quasi das oberflächennahe warme Wasser in Richtung Indonesien und Australien, wo die Luft über dem warmen Ozean aufsteigt und dabei verbreitet für Niederschläge sorgt. Dies ist quasi der Normalzustand.

Alle paar Jahre lassen die beständigen Passatwinde nach und in der Folge schwappt nun sozusagen das warme Oberflächenwasser nach Südamerika zurück, wodurch sich die Verhältnisse auch in der Atmosphäre umkehren: In Indonesien bleibt der Regen aus und an der Westküste Südamerikas kommt es zu extremen Regengüssen, die dort Schlammlawinen auslösen können. Zudem finden die Fische in dem wärmeren Wasser nicht mehr genug Nahrung und wandern ab, wodurch ein wichtiger Industriezweig in die Krise rutscht.

Nach dem letzten größeren Ereignis in 2009/10 bahnt sich nun erneut ein El Niño an. Das Gebiet des tropischen Pazifiks wird aufgrund der weitreichenden Auswirkungen genau überwacht. In den vergangenen Wochen haben sich die Passatwinde über dem tropischen Pazifik abgeschwächt und im zentralen tropischen Pazifik hat sich in den oberen Wasserschichten bis etwa 300 Meter Tiefe seit Februar überdurchschnittlich warmes Wasser angesammelt. Das ist eine typische Entwicklung bei einsetzendem El-Niño. Die Wahrscheinlichkeit für ein beginnendes Warmwasser-Ereignis ab Juni liegt nach Modellrechnungen mittlerweile deutlich über 50 Prozent. Ist ein El Niño erst mal in Gang gekommen, lässt sich der weitere Verlauf über die kommenden Monate mit speziellen Wettermodellen recht gut simulieren. Bis zum kommenden Frühjahr werden diese Anomalien dann erfahrungsgemäß andauern. Ob es aber so extrem wie 1997/98 wird, bleibt abzuwarten.

Donnerstag, 17. April 2014

Tim Staeger

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