Wetterthema | tagesschau.de

Wetterthema

27.05.2016

Erste sommerliche Gewitterlage

Am Wochenende können sich deutschlandweit kräftige Gewitter entwickeln.

Im Jahresverlauf finden hierzulande über neunzig Prozent aller Gewitter zwischen den Monaten Mai und September statt. Ab Freitag gelangt feuchte und warme Mittelmeerluft nach Deutschland in der sich verbreitet sommerliche Wärmegewitter entwickeln werden. Wo es jedoch eine einzelne Gewitterzelle genau entsteht und welche Region besonders betroffen sein wird lässt sich nur sehr kurzfristig vorhersagen.

Das liegt daran, dass die Voraussetzungen für Gewitter gut abschätzbar sind, die Auslösung eines einzelnen Gewitters jedoch von geringen regionalen Unterschieden abhängt, die kaum vorhersagbar sind. Die wichtigste dieser Vorrausetzungen ist eine hinreichend feuchte Luftmasse, da der Wasserdampf beim Kondensieren die riesigen Energiemengen freisetzt, welche zum Wachstum der bis über 10 km aufragenden Gewittertürme notwendig sind. Damit die Luft bis in solche Höhen aufsteigen kann, bedarf es zudem einer günstigen Temperaturschichtung. Denn ist die in mehreren Kilometern Höhe verweilende Luft zu warm, so wirkt diese wie ein Deckel für die von unten aufsteigenden Warmluftblasen und behindert die sogenannte Konvektion, also die senkrecht ausgerichtete Luftbewegung. Bei einer als labil bezeichneten Luftschichtung gelangt die nach oben strebende Luft jedoch in eine kalte Umgebung und kann dadurch noch weiter nach oben befördert werden. Blumenkohlförmige Gewitterwolken sind dann die Folge.

Beide Faktoren, hohe Luftfeuchtigkeit und labile Schichtung und damit das Gewitterrisiko lassen sich mit Hilfe von Wettermodellen gut abschätzen. Für die konkrete Entwicklung eines Gewitters bedarf es jedoch noch eines Auslösers. Bei Hitzegewittern erwärmt sich die bodennahe Luft durch die Sonneneinstrahlung und nachmittags beginnen dadurch Warmluftblasen aufzusteigen, die in der feucht-labilen Atmosphäre darüber ideale Bedingungen für ihre weitere Entwicklung vorfinden. Wo sich genau eine solche Warmluftblase ablöst ist so schwer vorhersehbar, wie in einem Topf Wasser, den man aufs Feuer stellt. Bei günstiger Anströmung kann ein Mittelgebirge die Luft zum Aufstieg zwingen und somit den Prozess in Gang setzten. Jedoch spielt bei windschwachen Verhältnissen oft der Zufall mit.

In der Nacht und am Sonntag tagsüber sorgt ein aus Frankreich heranziehendes Tief für zusätzlichen Hebungsantrieb, so dass die Gewitter bereits am Sonntagvormittag aufleben und sich im weiteren Verlauf wohl noch verstärken werden. Da die Verlagerungsgeschwindigkeit der Schauer und Gewitter in der Südwestlichen Strömung voraussichtlich recht gering sein wird, besteht zudem die Gefahr von Starkregen, der relativ kleinräumig auftritt. Vollgelaufene Keller und über die Ufer tretende Bäche und Flüsse sind die Folge. Weniger Kilometer entfernt bleibt man dagegen möglicherweise trocken.

Es empfiehlt sich in den kommenden Tagen also das Regenradar im Auge zu behalten. Falls man trotzdem im Freien von einem Gewitter überrascht wird sollte man keinesfalls Buchen suchen, sondern alle alleinstehenden Bäume, nicht nur Weiden meiden. In einem Auto ist man sicher, solange man keine Metallteile der Karosserie berührt. Auf freiem Feld kauert man sich am besten in eine Mulde und geht mit möglichst eng anliegenden Beinen in die Hocke, denn die Schrittspannung ist umso größer, je weiter die Füße auseinander liegen. Aus diesem Grund sind Kühe und Pferde besonders gefährdet.

Freitag, 27. Mai 2016

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

Alle Wetterthemen

Darstellung: