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Wetterthema

18.08.2017

Pilzwetter

Die meisten sommerlichen Freizeitaktivitäten machen bei Sonnenschein und trockenem Wetter am meisten Spaß. In den letzten Wochen stand jedoch immer wieder Regen auf dem Programm, worüber sich nun zumindest Pilzfreunde freuen können.

Doch warum ist feuchtes Wetter für das Wachstum von Pilzen eigentlich gut? Um diese Frage zu beantworten, muss man ein klein wenig über Pilze wissen. Wenn man von Pilze redet, denkt man in der Regel lediglich an die sichtbaren Fruchtkörper. Doch über 80 Prozent der Masse eines Pilzes befindet sich im Erdboden. Ein Pilz besteht hauptsächlich aus einem Geflecht von fadenförmigen Zellen, dem Myzel. Diese Pilzwurzeln können eine Größe von über einem Quadratkilometer und ein hohes Alter erreichen, etwa bei den Hallimaschen. Pilze sind nicht in der Lage, die Grundstoffe für den Aufbau ihres Körpers und ihren Energiehaushalt selbst zu erzeugen. Sie zersetzen vermoderndes Laub, Pflanzenreste und Holz und sind wichtig für den Stoffkreislauf im Ökosystem. Aus dieser Zersetzung gewinnt das Myzel seine Nährstoffe. Doch um an diese Nährstoffe dran zu kommen, müssen Pilze zunächst bestimmte Enzyme ausschütten. Und diese Enzyme arbeiten bei Nässe besser als im trockenen Boden. Wenn es feucht und zugleich warm ist, können sich die Pilze am effektivsten mit Nährstoffen versorgen. Sobald sie sich auf diese Art ausreichend gestärkt haben, reicht die Energie zur Bildung von Fruchtkörpern aus. Dann sehen wir die Pilze aus dem Waldboden sprießen.

Die Witterung der vergangenen Tage beschert uns einen frühen und vielversprechenden Start in die neue Pilzsaison. Die Böden waren in den letzten Tagen oftmals zu 80 bis 100 Prozent mit Wasser gesättigt und dazu 20 bis 25 Grad warm. Das feuchte und trotzdem noch relativ warme Sommerwetter stellt für Pilze optimale Wachstumsbedingungen dar. Die Pilzsaison ist in einigen Regionen bereits in vollem Gange und könnte die beste seit vielen Jahren werden. Sie dauert üblicherweise vom Spätsommer bis in den Herbst und endet mit beginnendem Frost wieder. Die besten Monate zum Sammeln von Pilzen sind daher August, September und Oktober. In diesem Zeitraum können Sie Ihre Waldspaziergänge gut mit dem Aufspüren von Pilzen verbinden. Viele Pilze gehen enge Lebensgemeinschaften mit Baumwurzeln ein und so können Sie bestimmte Arten nur in der Nähe der entsprechenden Bäume finden. Steinpilze zum Beispiel wachsen meist neben Fichten, Eichen und Kiefern. Den Lärchenröhrling finden Sie unter Lärchen, den Fichtenreizker unter Fichten und die Rotkappe in der Nähe von Birken.

Auch Giftpilze gedeihen bei gutem Pilzwetter, Vorsicht ist also geboten. Sofern Sie sich nicht selbst auskennen, sollten Sie sich einem Pilzkenner anschließen. Es gibt auch einige Bücher zur Pilzbestimmung. Als Laie sollten Sie sich aber nicht darauf verlassen, dass Sie anhand von Bildern den Unterschied zwischen genießbar und giftig beurteilen können. Die Pilzsaison fängt übrigens am Waldrand an, an den Wegen. Dort kommt das Regenwasser besser hin und das Mikroklima ist günstiger. Mit fortschreitender Pilzsaison, besonders im Oktober, kann man weiter in den Wald hinein gehen.

Freitag, 18. August 2017

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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