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Wetterthema

19.12.2014

Der kürzeste Tag

In der Nacht auf Montag um 00:03 Uhr ist Wintersonnenwende.

Auf der Nordhalbkugel beginnt nun der kalendarische Winter, auf der Südhalbkugel ist dagegen Sommeranfang. Der kürzeste Tag des Jahres dauert in Garmisch-Partenkirchen 8 Stunden und 26 Minuten, in Flensburg sogar nur 7 Stunden und 13 Minuten. Danach werden die Tage, wenn auch anfangs nur zögerlich, wieder länger.

Verursacht werden die Jahreszeiten durch die Schieflage der Erdachse. Dadurch ist in unserem Sommerhalbjahr die Nordhalbkugel der Sonne stärker zugewandt und im Winterhalbjahr eben die Südhalbkugel. Die Neigung der Erdachse beträgt etwa 23,5 Winkelgrad und schwankt in einem Zeitraum von 41 000 Jahren zwischen 22,1 und 24,5 Grad. Bei größerer Schieflage sind die jahreszeitlichen Unterschiede stärker ausgeprägt, was zu kälteren Wintern und wärmeren Sommern führt. Zieht man den Winkel der Erdachsenneigung von 90 Grad ab, so landet man also vom Pol ausgehend am Polarkreis, wo am Montag genau für einen Tag die Sonne nicht aufgeht, wie beispielsweise in Jokkmokk in Nordschweden. Nördlich davon verkürzt sich danach die Polarnacht. Dagegen steht am südlichen Wendekreis auf 23,5 Grad südlicher Breite, etwa auf der Höhe von São Paulo in Brasilien die Sonne am wahren Mittag im Zenit, also genau senkrecht über den Köpfen. Am Äquator ändert sich die Tageslänge kaum und schwankt im Jahresverlauf lediglich um wenige Minuten.

Zwar ist dieser Tage die Strahlungsleistung der Sonne auf der Nordhalbkugel am geringsten, die kälteste Zeit des Jahres ist jedoch im Mittel erst in etwa 4 bis 6 Wochen. Denn die Ozeane sind gute Wärmespeicher und kühlen auch in den kommenden Wochen noch weiter aus, auch wenn die Sonne in der Folge langsam wieder höher steigt.

Neben der astronomischen und klimatologischen hat die Wintersonnenwende auch kulturelle Bedeutung. Umso nördlicher man sich befindet, je stärker also die jahreszeitlichen Unterschiede, desto tiefer ist die Bedeutung der Sonnenwenden kulturell verwurzelt. So zündeten die heidnischen Germanen am Yule-Fest Räder an, um die wiederkehrende Sonne zu begrüßen. Für die Kelten gab die Wintersonnewende Anlass zum Fasten und zur inneren Einkehr. Eine Tradition, die im heutigen Vorweihnachtsstress leider nur noch wenig Raum findet.

Freitag, 19. Dezember 2014

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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