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Wetterthema

28.01.2015

Ein Riesentief kommt

Aktuell breitet sich ein Tiefdruckgebiet über weite Teile Europas aus. Seine Ausmaße sind vor allem am Freitag, wenn es am kräftigsten sein wird, als ungewöhnlich einzustufen. Kaum eine Region in Europa kann sich dann seinem Einfluss entziehen.

Unsere Grafik zeigt die Wetterlage am Freitagmittag. Hierbei handelt es sich um die klassische Wetterkarte, wie man sie vor mehreren Jahrzehnten im Fernsehen noch öfters bewundern konnte. Dargestellt sind Linien gleichen Luftdrucks, die sogenannten Isobaren. Mit unter 970 hPa ist der Luftdruck über der Nordsee sehr niedrig. Doch auch in ganz Deutschland soll er auf Werte unter 980 hPa sinken. Zur Erinnerung: Der durchschnittliche Luftdruck liegt bei 1013 hPa. Von Sizilien bis zum Nordkap und von Spanien bis zum Schwarzen Meer liegt der Druck unter dem Normalwert, angedeutet durch die grauen Isobaren. Überdurchschnittlichen Luftdruck findet man erst ganz im Westen unserer Karte Richtung Azoren und im Nordosten am Ural (gelbe Linien). Die großen Druckunterschiede werden vielfach sehr windiges Wetter verursachen. Für eine ausgeprägte Orkanlage müssten sie sich jedoch auf engerem Raum befinden, die Isobaren müssten stärker gedrängt sein. Doch was für ein Wetter bringt uns das Tief?

Im Bereich des Tiefs überflutet Meeresluft polaren Ursprungs Nordwest- und Mitteleuropa. Über dem relativ warmen Wasser des Nordatlantiks hat sich diese Luftmasse von unten her deutlich erwärmt. Befände sich nordwestlich von Europa ein Kontinent, hätten wir in den kommenden Tagen mit Temperaturen um -30 Grad zu rechnen. Doch so reicht es in den Niederungen nicht einmal für Dauerfrost. In größeren Höhen erkennt man die Herkunft der Luftmasse noch besser. So werden in 5 km Höhe über Deutschland Temperaturen unter -35 Grad erwartet (normal wären dort zu dieser Jahreszeit etwa -26 Grad). Die Luftmasse ist also oben sehr kalt und unten zugleich nicht sonderlich kalt. Das sind günstige Voraussetzungen für die Entstehung von Schauern. Sie sind ab Donnerstag bis über das Wochenende hinaus ein Thema. Im Bergland gehen sie als Schnee nieder, in den Niederungen oft also Graupel oder Schneeregen. Auch einzelne Gewitter sind möglich. In den Niederungen bleibt es also nasskalt und auf den Bergen winterlich. In Staulagen ist mit zum Teil erheblichen Neuschneemengen zu rechnen. Doch wie sieht es in anderen Teilen Europas aus?

In Großbritannien zeigt sich das Wetter in den kommenden Tagen ganz ähnlich wie in Deutschland, also wechselhaft mit Schauern. Im Norden und Osten Europas fällt immer wieder Schnee, ganz im Osten, am Ural, ist es jedoch trocken und zum Teil freundlich. Rund ums Mittelmeer ist neben meist eher kurzen freundlichen Abschnitten immer wieder mit Schauern, Gewittern und zum Teil ergiebigen Regenfällen zu rechnen.

Eine ähnliche Wetterlage gab es am 26.2.1989, nur war der Luftdruck innerhalb des Tiefs damals um noch etwa 10 hPa niedriger als jetzt.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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