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Wetterthema

06.12.2022

Wetter auf dem 50. Breitengrad

Nicht überall ist es in unseren Breiten so mild wie hierzulande.

Ein virtueller Flug entlang des 50. Breitengrades führt zu unterschiedlichsten Wetterbedingungen. Neben den kurzfristigen Schwankungen sind auch klimatische Besonderheiten wie die Nähe zum Meer von entscheidender Bedeutung.

Beginnen wir unsere gedankliche Reise am Dienstag in Frankfurt am Main bei 5 Grad, vielen Wolken und etwas Regen und wenden uns westwärts. Der nächste Halt ist Plymouth in Südengland, wo es unter Tiefdruckeinfluss mit 8 Grad ebenfalls recht mild und leicht wechselhaft ist. In der kommenden Nacht klart der Himmel dort verbreitet auf und mit einer nördlichen Strömung wird polare Kaltluft herangeführt. Deswegen kühlt es bis zum Mittwochmorgen bis auf -1 Grad ab, was dort aufgrund des maritimen Klimas und der Nähe zur Verlängerung des Golfstroms eher selten der Fall ist.

Auf der anderen Seite des Atlantiks in Sept-Iles an der Kanadischen Ostküste ist es aufgrund südwestlicher Winde mit einer Höchsttemperatur um den Gefrierpunkt und nächtlichen Tiefstwerten um minus 2 Grad recht mild für die Jahreszeit. Am Sankt-Lorentz-Strom wirkt sich das Meer zwar auch etwas mildernd aus, die Luft über den weiten Kanadas ist um diese Jahreszeit aber in der Regel schon sehr kalt, wie man in dem ebenfalls auf 50 Grad nördlicher Breite gelegenen Winnipeg spürt. Bei teils klarem, teils trübem Wetter mit leichtem Schneefall liegt dort die Höchsttemperatur am Dienstag um minus 17 Grad, in der kommenden klaren Nacht kann die Temperatur sogar bis auf minus 27 Grad absinken! Auf der weiteren Reise nach Westen erreichen wir die Pazifikküste bei Vancouver, wo am Dienstag sehr trübe ist und sich die Temperatur mit 0 bis 2 Grad auch in der Folgenacht kaum ändert. Dank des Einflusses der Kuroshio-Strömung herrscht hier ein für kanadische Verhältnisse besonders mildes Klima.

Ein gewaltiger Sprung über den Pazifik bringt uns nach Manzhouli in Nordchina, wo die Höchsttemperatur derzeit um minus 8 Grad liegt und nachts bis auf minus 14 Grad absinkt. Denn hier ist der Einfluss der riesigen asiatischen Landmasse spürbar. Dieses kontinentale Klima ist durch strenge Winter und warme Sommer charakterisiert. Knapp 2000 km weiter nördlich befindet sich der sibirische Kältepol, wo im Winter Temperaturwerte unter minus 55 Grad keine Seltenheit darstellen. Aktuell werden dort in Oimjakon Werte um minus 50 Grad registriert. Auch in Ulan Bator der Hauptstadt der Mongolei, ebenfalls auf 50 Grad nördlicher Breite gelegen, ist es schon sehr kalt geworden. Tagsüber werden dort aktuell etwa minus 16, nachts um minus 21 Grad gemessen.

In Astana in Kasachstan ist es mit minus 21 Grad ebenfalls schon klirrend kalt. Noch weiter im Westen passieren wir Kiew bei Werten um minus 5 Grad. In den kommenden Tagen setzt jedoch mit warmen Luftmassen aus dem östlichen Mittelmeer eine markante Milderung ein. Bis Montag sind dort sogar zweistellige Plusgrade möglich – für viele Notleidende sicherlich eine gute Nachricht.

Dienstag, 6. Dezember 2022

Tim Staeger
ARD-Wetterkompetenzzentrum

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