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Wetterthema

13.06.2022

Hitze kommt

Eine kurze Hitzewelle steht uns in Deutschland in dieser Woche bevor. Wir schauen, wie heiß es wird und was der Juni mit uns danach vor hat.

Bereits am vergangenen Wochenende war in der Meteorologenwelt große Aufregung. Denn was sich da, in mehr als einer Woche abspielen sollte (um den 18./ 19 Juni), das wäre schon der Hammer. Große Hitze mit 35 bis 40°C für den Westen und Südwesten Deutschlands wurden von den Wettermodellen angeboten. Aber man kennt ja seine Pappenheimer, man zweifelt, man schaut sich mehrere Modelle an. Und dann zieht man die sog. Ensemblevorhersagen zu Rate. Das sind jene Modellrechnungen, die dargestellt in einer Abbildung aussehen wie zappelnde Haare im stürmischen Wind. Doch anhand der Ensembles kann man gut abzuschätzen, wie gesichert, wie belastbar eine Prognose ist. Und es zeigte sich, dass längst nicht alle Modellrechnungen von dieser ungewöhnlichen Hitze überzeugt waren, dass große Unsicherheit herrschte.
Unsicher war z.B., was genau das Tiefdruckgebiet vor der portugiesischen Küste tun würde. Würde es nach Norden wandern und an seiner Ostflanke die Heißluft aus der Sahara mitbringen oder würde es vor Ort stehen bleiben, dann bliebe bei uns auch die Hitze außen vor. Die aktuellen Modellrechnungen zeigen ein relativ langes Rumgeeier des Tiefs vor und über der Iberischen Halbinsel, was für Spanien und im Laufe der Woche auch für Frankreich eine massive Hitzewelle bedeutet, was uns aber eine Verschnaufpause einräumt. Am heutigen Montag klettern die Temperaturen in Spanien meist auf 30 bis 40°C, in Andalusien auch bis auf 45°C. Schon heute schwappt ein Teil die Heißluft nach Südfrankreich, so dass 35°C in der Provence sowie im Languedoc drin sind. Im Verlauf dieser Woche steigert sich die Hitze in Frankreich und erreicht am Mittwoch den Südwesten Deutschlands mit 33°C, alles zusammen mit der ganz langsamen Nordverlagerung des Tiefs. Die Luft, die uns da erreicht, ist trocken, in Spanien heute sogar nur 10 bis 30% relative Luftfeuchte.

Doch bevor die Hitze dann so richtig zuschlägt, ab etwa Freitag, muss sich erst Hoch DAVID von den Briten lösen können. Solange es dort verweilt, kommt die Luft nämlich nicht nachhaltig aus Südwesten, sondern die Luftmasse wird herumgerührt, von der intensiven Junisonne auch erwärmt, aber bekommt immer wieder mal ein Streifschuss kühlerer Atlantikluft, solange wird das nix mit 35°C.

Aber am Samstag hat sich DAVID östlich von Deutschland positioniert, die Strömung hat auf Südwest gedreht und damit gibt’s volle Hitze, und zwar bis rauf nach Schwerin, Hamburg und Bremen – dort 30°C, im Südwesten und Süden bis zu 35°C. Nur an den Küsten von Nord- und Ostsee ist es dann noch angenehm mit 25°C. Eventuell wird es auch noch heißer, aber da zeigen die Modelle die bereits oben angesprochenen Unsicherheiten. Für Details ist es also noch zu früh.
Und auch für Details hinsichtlich des genauen Plans einer Abkühlung aus Nordwesten. Dass es nämlich danach kälter werden wird, im Nordwesten schon nach nur einem oder zwei Tagen, das ist klar. Aber ob wir beispielsweise im Südwesten von 35°C auf 20°C oder doch nur auf 25°C zurückfallen, und ob dieser Temperatursturz binnen eines Tages vollzogen wird oder sich doch noch bis zum Dienstag nach Fronleichnam erstreckt, das ist derzeit überhaupt nicht in trockenen Tüchern. Geben wir den Modellrechnungen also doch ein wenig Zeit, sich zu sortieren, wir haben ja auch erst Montag…

Dipl.-Met. Michael Köckritz
ARD-Wetterredaktion

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