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Wetterthema

04.05.2022

Jahresgang des Tagesgangs

Zu welchem Zeitpunkt im Jahr lassen sich die größten Tagesschwankungen der Temperatur beobachten?

Bekanntlich variiert die Lufttemperatur mit dem Sonnenstand über den Tag hinweg. In aller Regel werden deren tiefste Werte in den frühen Morgenstunden gemessen. Die höchste Temperatur tritt meist im Lauf des Nachmittags auf, etwas zeitversetzt zum höchsten mittäglichen Sonnenstand. Ausnahmen davon kommen vor allem im Winter vor, wenn die Sonneneinstrahlung relativ schwach ist und Luftmassenwechseln und den damit verbundenen Temperaturänderungen eine bedeutsamere Rolle zukommt. Ähnliches gilt für Berg-Wetterstationen. Dort tritt der sonnengetriebene Tagesgang mit zunehmender Höhe immer mehr in den Hintergrund.

Unsere Abbildung zeigt für 12 ausgesuchte Flachland-Wetterstationen, verteilt über Deutschland, den arithmetischen Mittelwert der dort beobachteten maximalen Tagespanne für Januar bis Dezember. Das heißt, in den langjährigen Messreihen wurde für jeden Monat und für jede Station nach der größten Differenz aus Tagesmaximum und Tagesminimum gesucht, summiert und durch die Stationsanzahl dividiert. Kelvin, abgekürzt K, wird für Temperaturdifferenzen verwendet. Die Zahlenwerte entsprechen denen der Einheit Grad Celsius, abgekürzt °C. Bei den Stationen handelt sich um Augsburg, Bad Lippspringe, Dresden-Klotzsche, Frankfurt a.M., Gera-Leumnitz, Hannover, Magdeburg, Mannheim, Potsdam, Schleswig, Trier-Petrisberg und Ueckermünde.

Über das Jahr hinweg finden sich die größeren Tagesspannen in den warmen Monaten, was wieder direkt mit dem Sonnenstand zusammenhängt. Die flach stehende Sonne und die kurzen Tage im Winter bringen tagsüber nur eine vergleichsweise geringe Erwärmung. Die absolut stärksten Tagesschwankungen treten an den meisten Stationen im späten Frühjahr auf, das heißt in den Monaten April und Mai. Im Mittel erreicht der April einen Maximalwert von 22,3 Kelvin. Ebenfalls im April wurde an den ausgesuchten Wetterstationen der größte Einzelwert unter den Tag-Nacht-Differenzen registriert. Am 12. April 1939 stieg die Temperatur in Hannover von 1,3°C auf 27,2°C, woraus eine Spanne von 25,9 Kelvin resultiert.

Über den Sommer bleiben die Temperunterschiede auf einem hohen Niveau, gehen allerdings etwas zurück, und das trotz des teilweisen höheren Sonnenstands. Die Tage werden dann zwar wärmer, die Nächte jedoch gleichzeitig zunehmend lauer. Zum einen sind sie zu kurz für stärkere Abkühlungen und zum anderen kann die wachsende Luftfeuchte zusätzlich eine Rolle spielen. Wegen der ansteigenden Temperatur und der zunehmenden Verdunstung (insbesondere Pflanzen und Meeresoberflächen) enthalten die Luftmassen zum Sommer hin im Mittel mehr Wasserdampf. Umgekehrt kann die Luft in den Nächten umso besser abkühlen, je weniger Wasserdampf vorhanden ist.

Im Laufe des Herbsts gehen die mittleren maximalen Schwankungen mit den immer kürzeren Tagen und der schwächeren Sonneneinstrahlung stark zurück, um im November mit 16,8 Kelvin ihr absolutes Jahresminimum zu durchlaufen. Eine detailliertere Interpretation des Verlaufs über den Spätherbst und Winter hinweg ist hier nicht möglich, weil in diesem Zeitraum einzelne markante Luftmassenwechsel an der Mehrzahl der Wetterstationen die Spitzenwerte der Tagespannen im Ergebnis mitbestimmen.


Mittwoch, 4. Mai 2022

Dipl.-Met. Rainer Behrendt
hr/ARD-Wetterredaktion

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