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Wetterthema

21.02.2022

Drittes Sturmtief in Serie

Die aktuelle Sturmserie ist noch nicht zu Ende

Nach einer kurzen Beruhigung des Windes am Wochenende liegt Deutschland am Montag erneut im Einflussbereich eines weiteren Sturmtiefs. ANTONIA ist das dritte Sturmtief in der aktuellen Serie und sorgt heute noch einmal für stürmisches Wetter in Deutschland, bevor es ab Dienstag ruhiger wird.

Auch die Nacht zum Montag war durch Sturmtief ANTONIA in weiten Teilen Deutschlands wieder sehr unruhig. Es gab im Gegensatz zu vergangenem Freitag, an dem hauptsächlich der Norden betroffen war, wieder in ganz Deutschland Sturmböen, schwere Sturmböen und sogar einzelne Orkanböen. Der Wind nahm ab Sonntagmittag wieder zu und erreichte bereits am Abend auch im Flachland zunehmend wieder Sturmstärke. Besonders kräftig wurde er aber mit dem Durchgang der Kaltfront von Nordwest nach Südost. Diese erreichte am späten Sonntagabend den Nordwesten und Westen mit kräftigem Regen und einzelnen Gewittern. Auch der Wind nahm in Verbindung mit der Front nochmal zu und erreichte über 90 km/h, auf den Inseln in der Nordsee zum Teil über 110 km/h. Im weiteren Verlauf der zweiten Nachthälfte verlagerte sich die Kaltfront über die Mitte Deutschlands nach Südosten und erreichte am Morgen mit schweren Sturmböen sowie einzelnen orkanartigen Böen auch den Süden Deutschlands. Das dazugehörige Sturmtief ANTONIA verlagerte sich währenddessen zur Ostsee.

Mit Passage der Kaltfront wurden die stärksten Böen gemessen, die besonders auf den Bergen Orkanstärke erreichten. Dieser Effekt hängt damit zusammen, dass entlang der Kaltfront die wärmere Luft, die sich vor der Kaltfront befindet und am Sonntag hinter der Warmfront nach Deutschland geströmt war, gehoben wird. Hinter der Front kann zusätzlich Luft aus größerer Höhe absinken, wodurch entlang der Front eine starke vertikale Durchmischung entsteht. Infolgedessen sinkt die Luft aus größerer Höhe bis zum Boden ab. Mit der absinkenden Luft kann auch der Wind, der in größerer Höhe durch die geringere Reibung stärker ist als direkt am Erdboden, bis in tiefe Lagen gelangen. In der Folge gibt es dann auch im Flachland zum Teil orkanartige Böen oder sogar Orkanböen. Die stärksten Böen werden dabei entlang der Front in Verbindung mit kräftigen Schauern oder Gewittern gemessen, wie auch in der Nacht zum Montag.

In dieser Nacht zum Montag wurden in Ober-Olm (Rheinland-Pfalz) 105 km/h und in Chemnitz (Sachsen) 110 km/h gemessen. Weitere Spitzenböen sind in der Grafik dargestellt. Dabei wurde die stärkste Böe diesmal nicht auf dem Brocken mit einer Geschwindigkeit von 145 km/h gemessen, sondern auf dem Feldberg im Schwarzwald mit 149 km/h. Bei solchen Windgeschwindigkeiten spricht man nicht mehr nur von Orkanböen (ab 118 km/h), sondern schon von extremen Orkanböen.

Am Montag ist der Wind nicht mehr ganz so kräftig wie in der Nacht, jedoch muss weiterhin in ganz Deutschland mit Sturmböen gerechnet werden, auch einzelne schwere Sturmböen oder in einzelnen Hochlagen sogar Orkanböen sind noch möglich.

Bereits ab Montagabend wird der Wind wieder abnehmen. In den nächsten Tagen wird der Wind zwar auch noch spürbar bleiben, aber es wird nicht mehr so stürmisch wie in den vergangenen Tagen.

Montag, 21. Februar 2022

Marco Knefel,
ARD-Wetterkompetenzzentrum

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