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Wetterthema

27.01.2022

Wo liegt die Schneefallgrenze?

Sobald die ersten Vorhersagen für Schnee getroffen werden, fällt meistens gleichzeitig der Begriff -Schneefallgrenze-. Auch in den kommenden Tagen werden wird dieser Begriff wieder vermehrt fallen, da zusammen mit den aufziehenden Tiefdruckgebieten auch immer wieder kältere Luftmassen zu uns geführt werden, die die Schneefallgrenze sinken lassen. Die Schneefallgrenze ist eine Höhenangabe, oberhalb derer mindestens 50 Prozent des gefallenen Niederschlags in seiner festen Form, also als Schnee oder Eis, auftritt. Doch wie bestimmt man diese Grenze?

Viele glauben, dass die Schneefallgrenze zugleich die Nullgradgrenze ist. Das wäre vom Prinzip auch erst mal logisch, denn unterhalb einer Temperatur von 0 Grad gefriert Wasser, oberhalb schmilzt Schnee bzw. Eis. Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Die Nullgradgrenze können die Wettermodelle relativ einfach bestimmen. Wie so oft im Leben ist es allerdings nicht ganz so einfach. Bei null Grad beginnt Schnee oder Eis zu schmelzen und ist nicht sofort und schlagartig wieder flüssig. Ab etwa plus zwei Grad fällt Niederschlag fast ausschließlich in seiner flüssigen Form. Somit liegt die Schneefallgrenze etwa zwischen einer Lufttemperatur von null und zwei Grad. Mithilfe einer weiteren Annäherung können wir grob die Dicke dieser Schicht bestimmen.

Die Temperatur nimmt im Idealfall mit der Höhe ab. Bei einer trockenen, wolkenlosen Atmosphäre wären dies in etwa 1 Grad pro 100 Meter Höhe. Wir gehen hier aber von einer feuchten Atmosphäre aus, denn wir sind auf der Suche nach Schnee. Hierbei sinkt die Temperatur nur noch um etwa 0,65 Grad pro 100 Meter, da der Wasserdampf in der Luft beim Aufsteigen kondensiert und Wärme freigibt. Somit wäre die Schicht zwischen null und zwei Grad in etwa 300 Meter dick. Letztendlich muss man von der berechneten Höhe der Nullgradgrenze nochmals etwa 300 Meter abziehen um die Schneefallgrenze zu bestimmen, oberhalb derer eben Schnee fallen kann.

Heute und auch in den kommenden Tagen schauen wir vermehrt auf diese Grenze, denn Sturmtief MARIE bringt etwas kühlere Luft aus Norden und so sinkt die Schneefallgrenze bis morgen gebietsweise auf etwa 300 Meter. Mit sinkender Schneefallgrenze werden allerdings auch die Niederschläge weniger, sodass keine Schneemassen zu erwarten sind. Bis morgen Abend belaufen sich die Neuschneemengen örtlich auf etwa 1 bis 5 cm. In den höheren Lagen der Mittelgebirge fallen mitunter auch mal bis zu 10 cm. Im Bayrischen Wald und am Alpenrand können vereinzelt auch bis zu 25 cm fallen. Am Samstag steigt die Schneefallgrenze zwischenzeitlich wieder auf weitestgehend auf über 1200 Meter an. Am Montag könnte ein weiteres Tief auch Schnee bis in tiefere Lagen bringen, da auch die Schneefallgrenze in der Nacht zum Montag wieder stark absinkt.


Donnerstag, 27. Januar 2022

Pila Bossmann
ARD-Wetterkompetenzzentrum

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