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Wetterthema

22.07.2021

Gewitterrisiko am Wochenende

Nach einer ruhigen Woche kommt am Wochenende wieder mehr Bewegung ins Wettergeschehen. In vielen Regionen wird es Gewitter geben, auch Unwetter sind dabei. Ist das ein Grund zu großer Besorgnis?

Am Samstag macht sich von Südwesten her zunehmend ein Tief bemerkbar, welches von Frankreich heranzieht. Im Bereich feuchtwarmer Luft steigt damit das Gewitterrisiko. In einigen Regionen der Südwesthälfte ist es erhöht, sonst mittel und im Nordosten noch gering. Am Sonntag wird sich das Tief und mit ihm die Gewitterzonen etwas nach Osten verlagern. Dabei ist allerdings noch recht unsicher, wie weit. Wahrscheinlich fließt in den äußersten Westen schon etwas stabilere Luft, während es die meisten Gewitter in der Osthälfte gibt. Der Ablauf könnte sich aber auch verzögern, dann wäre das Gewitterrisiko eher noch in der Westhälfte erhöht.

Was ist von diesen Gewittern zu erwarten? Nach den Kriterien des Deutschen Wetterdienstes handelt es sich um Unwetter, sobald mehr als 25mm Niederschlag in einer Stunde fallen, es orkanartige Böen gibt oder Hagel mit mehr als 1,5cm Durchmesser vom Himmel fällt. Die Bedingung für den Niederschlag wird in Gewittern, die an sich heftige Wettererscheinungen darstellen, sehr häufig erreicht. Auch Hagel der genannten Größe tritt in Gewittern schnell mal auf, hierfür braucht es nicht einmal eine Superzelle, eine besonders starke Form eines Gewitters. Lediglich die Bedingung für den Wind ist schärfer, selbst Gewitter müssen sich da schon etwas anstrengen. Es wird also ganz sicher an beiden Tagen des Wochenendes Landstriche in Deutschland geben, die mit einer Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes versehen werden. Welche das exakt sein werden, ist bei einer solchen Gewitterlage erst kurzfristig festlegbar.

Die Atmosphäre wird am Wochenende genug Wasserdampf enthalten, um Gewitter mit deutlich mehr als 25mm Niederschlag zu erzeugen. Das Windprofil erscheint auch zur Ausbildung von ein paar wenigen Superzellen geeignet. Ob es diese tatsächlich gibt, ist noch nicht sicher. Sie würden auch für größeren Hagel von mehreren Zentimetern Durchmesser sorgen. Orkanartige Böen sind im Zusammenhang mit Superzellen möglich, aber auch, wenn sich ausgedehntere Gewitterlinien bilden.

Selbst wenn die räumliche Verteilung und die Ausprägung der Gewitter noch unsicher ist, wird es sich lokal um Unwetter handeln, die punktuell natürlich auch größere Schäden anrichten können. Es handelt sich aber nicht um ein extremes Unwetter mit bis zu 200mm Niederschlag auf einer größeren Fläche. Unwetterwarnung ist nicht gleich Unwetterwarnung, da muss schon deutlich differenziert werden, wie es zuletzt auch der Fall war. Extreme Unwetter werden seitens des Deutschen Wetterdienstes nämlich violett bewarnt, die anderen rot. Das extreme Unwetter in der vergangenen Woche wurde von den Meteorologen korrekt vorhergesagt, nicht nur auf der Warnseite des Deutschen Wetterdienstes, sondern auch in den Medien. Immer, wenn in den Wetterberichten von einem extremen Unwetter die Rede ist, sollten die Alarmglocken schrillen.

Donnerstag, 22. Juli 2021

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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