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Wetterthema

15.07.2021

Rückschau auf die Unwetter

Die am Montag an dieser Stelle angedrohten extremen Unwetter im Westen Deutschlands sind leider eingetreten. Wieviel Regen ist gefallen, was für Folgen hatte das und wie ist das Ereignis aus meteorologischer Sicht einzustufen?

Unsere Grafik zeigt die Regenmenge seit Montag, abgeleitet aus Messwerten. Am Montag selbst konnten Sie an dieser Stelle eine Regenprognose für denselben Zeitraum sehen. Die Vorhersage lässt sich nun mit den eingetretenen Werten vergleichen. Im Groben und Ganzen hat die Prognose gut gepasst, vor allem in den Bereichen, die nun von extremen Regenfällen betroffen waren.

Der Montag hat nur im Schwarzwald und am Oberrhein schon nennenswerten Regen gebracht. Die Regenmengen der anderen Regionen sind also in lediglich zwei Tagen gefallen. Im Süden von Nordrhein-Westfalen und im Norden von Rheinland-Pfalz sind großflächig über 100mm zusammengekommen, was eindeutig als Jahrhundertregen einzustufen ist. Spitzenwerte stammen aus Hagen-Holthausen (237mm), Nachrodt-Wiblingwerde (213mm), Kall-Sistig (166mm) und Köln-Stammheim (160mm). In einer Reihe von anderen Orten fielen ebenfalls mehr als 150mm in zwei Tagen. Vielfach waren es sogar in weniger 24 Stunden deutlich über 100mm. Hier sei Köln-Stammheim erwähnt, wo es am Mittwoch innerhalb von 12 Stunden 145mm regnete.

Ähnliche Regenmengen sind in den vergangenen Jahrzehnten hin und wieder durch sogenannte 5b-Tiefs gefallen, allerdings weiter östlich. Hier sei an des Oderhochwasser des Sommers 1997 und an das Elbhochwasser im August 2002 erinnert. Im Westen Deutschlands sind es eher winterliche West- oder Südwestwetterlagen, die in der jüngeren Vergangenheit für die größten Hochwässer gesorgt haben. Das jetzige Ereignis war äußerst ungewöhnlich und hat an einigen Flüssen für Rekordpegel gesorgt, wie an Ruhr, Wupper, Ahr, Kyll und Prüm. Die Hochwasserwellen werden sich flussabwärts bewegen und zeitlich verzögert an den größeren Flüssen für sehr hohe Wasserstände sorgen. Der Rhein wird vielerorts am Wochenende seine höchsten Werte erreichen, wobei nicht nur der Mittelrhein und der Niederrhein betroffen sind. Auch am Oberrhein steht ein großes Hochwasser bevor, da es zuletzt im Schwarzwald und in der Schweiz immer wieder geschüttet hat.

Diese aus der Ferne betrachtet nüchternen Fakten haben für die direkt Betroffenen gravierende Folgen. In einigen Gebieten von Nordrhein-Westfalen sowie Rheinland-Pfalz wurde der Katastrophenalarm ausgelöst. Häuser sind eingestürzt und einige Menschen werden vermisst. Mehrere Orte mussten evakuiert werden, der öffentliche Verkehr, der Strom und teilweise auch das Internet fielen aus. Die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit den schweren Unwettern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist auf mindestens 133 gestiegen (Stand Samstagmorgen), darunter befinden sich zwei Feuerwehrmänner. Einige Menschen starben in überfluteten Kellern. Die Zahl der bestätigten Todesfälle wird noch weiter ansteigen. Es handelt sich hiermit in Deutschland wahrscheinlich um das tödlichste Unwetter seit der Sturmflut vom 16.2.1962. Nicht berücksichtigt sind hierbei Hitzewellen wie im Sommer 2003.

Neben diesen großflächigen Unwettern gab es in den vergangenen Tagen im Norden und Osten örtlich unwetterartige Gewitter. Hier sei stellvertretend das heftige Gewitter bei Hof am Dienstagabend erwähnt, welches innerhalb weniger Stunden 79mm Regen brachte.

Es wäre nicht korrekt, das Unwetter im Westen Deutschlands vollständig dem Klimawandel zuzuschreiben. Dazu ist das System Wetter zu komplex. Die Erwärmung begünstigt solche Ereignisse, weil die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und weil sich der Verdacht immer weiter erhärtet, dass die Druckgebilde langsamer ziehen. Ursache für die Fluten war das nahezu ortsfeste Tief Bernd. Im Zuge des Klimawandels werden sich solche Ereignisse häufen. Dennoch hat es sie in der Vergangenheit auch schon gegeben. Ähnlich verheerende Flutkatastrophen gab es im jetzt so sehr betroffenen Ahrtal am 13.6.1910 und am 21.7.1804.

Donnerstag, 15. Juli 2021

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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