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Wetterthema

12.07.2021

Neue Unwetter

Auch in dieser Woche ist beim Wetter wieder was geboten, es wird in einigen Regionen für Schlagzeilen sorgen. Mancherorts sind erhebliche Regenmengen zu erwarten. Doch wie fast immer bei Unwettern werden viele Regionen davon verschont bleiben.

Tief Bernd bestimmt in dieser Woche unser Wetter. Es zieht von Frankreich langsam nach Deutschland und im Anschluss nur zögerlich weiter südostwärts. Diese nur geringe Verlagerungstendenz von Hochs und Tiefs ist seit etwa 10 Jahren auffällig. So haben andauernde Hochdrucklagen in den vergangenen drei Sommern für Trockenheit und Hitze gesorgt. Dieses Jahr läuft es bis jetzt mal anders. Träge Tiefs sorgten bereits für viel Regen, und so geht es in dieser Woche auch weiter.

Schon in der Nacht zu Dienstag greift das Tief in unser Wettergeschehen ein. Von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz her breiten sich kräftige Regenfälle und Gewitter Richtung Mitte aus. Am Dienstag selbst regnet es im Südwesten weiterhin gebietsweise. Daran schließt sich ein Streifen mit zum Teil unwetterartigen Gewittern an, der sich von Franken und Sachsen bis nach Nordrhein-Westfalen erstreckt. Am Mittwoch folgen in der Mitte und im Süden weitere Schauer und Gewitter. Außerordentlich kräftig soll es dann im Westen regnen. Somit beträgt die bis Donnerstag erwartete Regensumme in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz über 100mm (siehe Abbildung oben). Der Mittwoch wird hierbei den Löwenanteil ausmachen. Nach einigen Modellrechnungen können örtlich bis nahe 200mm fallen, was entsprechend gravierende Folgen hätte. Es würde sich um ein extremes Unwetter mit entsprechenden Überflutungen handeln.

Im Detail gibt es noch Unsicherheiten. Niederschlagsgebiete können durchaus mal 200 Kilometer neben der zunächst vorhergesagten Position liegen. Bei mit 50 km/h ziehenden Fronten fällt das kaum auf. Dann kommt der Regen einfach 4 Stunden früher oder später als vorhergesagt. Wenn sich der Regen aber nahezu gar nicht verlagert, wie in den kommenden Tagen, macht eine Verschiebung von 200 Kilometern regional sehr viel aus. Mit ihr läge der stärkste Regen plötzlich nicht im südlichen Nordrhein-Westfalen, sondern vielleicht über Hessen oder Frankreich. Der Nordosten Deutschlands wird von all dem nicht viel mitbekommen. Und auch in der Mitte und im Süden werden viele Orte dabei sein, in denen nicht viel passiert, nämlich dort, wo alle kräftigen Schauer und Gewitter vorbeiziehen.

Nach den drei zurückliegenden trockenen Jahren kann die Natur den Regen vor allem zwischen Erzgebirge und Ostsee nach wie vor gut brauchen. In den tieferen Bodenschichten ist das Wasserdefizit dort noch immer nicht ausgeglichen. Anders sieht es im Süden aus. Dort hat es zuletzt sehr viel geregnet und mancherorts herrscht bereits Hochwasser. Weiterer kräftiger Regen fällt dort deshalb zu einer recht ungünstigen Zeit. Und die Regenmengen, die es im Westen geben könnte, stellen unabhängig von der Vorgeschichte immer ein Problem dar.

Montag, 12. Juli 2021

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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