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Wetterthema

04.05.2021

Schauerwetter am Mittwoch

Der Mittwoch bietet Sonne, dichte Wolken, Schauer und örtlich Graupelgewitter im raschen Wechsel, verspätetes „Aprilwetter“ also. Wir wollen schauen, wie derart launisches Wetter entsteht und warum es im Normalfall gerade im Frühling so häufig auftritt.

Inzwischen ist es Mai geworden, doch am Mittwoch werden wir in weiten Teilen Deutschlands erneut klassisches Aprilwetter erleben. Innerhalb weniger Minuten kann alles geboten werden. So scheint eben noch die Sonne, dann wird der Himmel im nächsten Augenblick dunkelgrau und es geht los: Regen, Graupel, im Bergland mitunter auch nochmals Schnee. Auch Blitz und Donner werden mancherorts dabei sein. Und so schnell wie der Spuk beginnt, so schnell ist dann auch wieder alles vorbei. Die Straßen dampfen noch im neuerlich grellen Sonnenlicht und die Luft ist erfrischend klar. Ein bunter Regenbogen zeugt noch vom kurzen Spektakel.

Doch warum hat der Mittwoch eine so breite Palette von verschiedenem Wetter innerhalb kurzer Zeit zu bieten? Der Grund dafür ist polare Kaltluft in Kombination mit der schon kräftigen Sonne. Im Normalfall ist die Atmosphäre eher stabil geschichtet und die Luftbewegungen erfolgen daher fast ausschließlich in der Horizontalen. Anders sieht das am Mittwoch aus: Der Temperaturunterschied zwischen dem Erdboden und der höheren Atmosphäre ist besonders groß. Wenn Luft aufsteigt, kühlt sie sich mit einem Grad auf 100 Meter ab, da sie in Bereiche mit geringerem Druck vorstößt. Diesen Abkühlungseffekt bei einer Druckabnahme kann man auch beobachten, wenn man die Luft aus einem Fahrradschlauch entlässt. Sobald sich in der Atmosphäre dann Wolken ausbilden, und hierfür muss die Luftmasse feucht genug sein, ist die Abkühlungsrate geringer, da durch die Kondensation Wärme frei wird. Damit die Luft aber überhaupt aufsteigen kann, muss die Luft in der Umgebung stets kälter sein als die Luft, welche von unten kommt. Die Atmosphäre muss also so geschichtet sein, dass die Temperaturabnahme mit der Höhe groß ist. Dann spricht man von einer labilen Schichtung und kräftige Schauer können entstehen. Genau diese Situation ist am Mittwoch gegeben. Gebiete mit aufsteigender Luft und Regen liegen dicht neben wolkenfreien Gebieten, die dadurch entstehen, dass die Luft irgendwo auch wieder absinken muss.

Und warum ist das Schauerwetter jetzt ausgeprägter, als es im Winter wäre? Schuld daran ist die Kombination aus einströmender maritimer Polarluft und der zugleich schon kräftigen Sonne. Polarluft erreicht uns auch immer wieder im Hochwinter, sie ist dann sogar noch kälter als jetzt. Da die bodennahe Erwärmung aber sehr viel geringer ist, sind die Schauer in der Regel seltener und weniger kräftig als jetzt. Im Juni und Juli hingegen ist die Sonneneinstrahlung noch stärker. Dafür erreicht uns im Hochsommer seltener polare Kaltluft. Und wenn es dann doch kühle Nordwinde gibt, findet das „Aprilwetter“ auf einem höheren Temperaturniveau statt, also ohne Schnee und Graupel. Die Kaltluft kommt für Schauerwetter idealerweise aus Nord- bis West nach Mitteleuropa. Wenn sie über Skandinavien, also aus Nordosten zu uns strömt, ist sie in der Regel zu trocken für Schauer.

Am Mittwoch, den 5. Mai 2021, passen die Bedingungen für typisches Schauerwetter in der aus Nordwesten einfließenden Luft polaren Ursprungs in fast ganz Deutschland. Während am Boden meist um 10 Grad oder etwas mehr erreicht werden, sind es über der Landesmitte in 4 km Höhe nur noch -23 Grad und in 6 km Höhe -36 Grad. Vor allem in der Höhe sind das für Mai sehr niedrige Werte. Die Temperaturabnahme mit der Höhe reicht für zahlreiche Schauer und kurze Gewitter. Oberhalb von 6 km Höhe wird es nur noch wenig kälter, so dass die Schauer kaum höher als 6 km werden. Gewitterwolken im Hochsommer sind häufig doppelt so hoch und entsprechend heftiger können diese werden.

Dienstag, 4. Mai 2021

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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