Wetterthema | tagesschau.de

Wetterthema

09.02.2021

Wie kalt kann es werden?

Die kommenden Nächte markieren mit bis zu minus 25 Grad den Tiefpunkt der Kältewelle.

In der Nacht auf Dienstag sank die Temperatur vor allem in der nördlichen Mitte verbreitet unter minus 15 Grad ab. Lediglich am Oberrhein blieb es mit Tiefstwerten zwischen minus 2 und 0 Grad fast frostfrei. Sowohl in Olbersleben in Thüringen mit minus 21,4, als auch im nordhessischen Sontra mit minus 20,8 Grad wurde sogar die die minus 20-Grad-Marke unterschritten.

Auch die kommenden Nächte werden wieder extrem kalt, mancherorts kann die Temperatur sogar bis unter minus 25 Grad absinken. Die letzte vergleichbare Kältewelle trat von Ende Januar bis Mitte Februar 2012 auf. Damals wurden in der Nacht auf den 6. Februar in Oberstdorf sogar minus 29,4 Grad gemessen.

Unter optimalen Bedingungen, also in einer klaren und windstillen Nacht über einer geschlossenen Schneedecke, kann es sogar noch kälter werden, wie beispielsweise geschehen am 1. März 1929. An diesem Morgen wurde in Hüll in Oberbayern mit minus 37,8 Grad der deutschlandweite Kälterekord aufgestellt. Es geht aber noch kälter, zumindest an besonderen Orten wie dem Funtensee in den Bayerischen Alpen. In diesem Kälteloch, einer ausgeprägten Mulde auf über 1600 Metern Höhe, wurden von einem Automaten bereits minus 45,8 Grad Celsius registriert. Da dieser jedoch erst Monate später geborgen wurde und der Messwert nicht von einem Wettermelder abgelesen wurde, wird er nicht als amtlicher Rekord anerkannt.

Solche Muldenlagen sind in windschwachen und sternklaren Winternächten oftmals die idealen Orte für neue Kälterekorde. Denn die Luft kühlt in solchen Nächten vor allem direkt über dem Erdboden am stärksten aus, wodurch die Temperatur dort sogar nochmals bis zu 5 Grad unter den in zwei Metern Höhe gemessenen Werten liegen kann. Diese Kaltluft ist dadurch auch dichter und somit schwerer als die darüber liegende und sammelt sich entsprechend in Talsenken und eben in Mulden in sogenannten Kaltluftseen.

Die tiefste Temperatur der bewohnten Welt wird im Osten Sibiriens gemessen. In der dadurch zu besonderer Bekanntheit gelangten Kleinstadt Werchojansk wurden am Dienstag minus 44 Grad gemessen, was für dortige Verhältnisse als eher durchschnittlich für die Jahreszeit einzustufen ist. Der offizielle sibirische Kälterekord wurde im nahegelegenen Oimjakon aufgestellt und liegt bei minus 72,1 Grad. Milch wird dort übrigens am Stück verkauft und Automotoren müssen den ganzen Winter über laufen. Geht trotzdem mal einer aus, so entzündet man am besten ein kleines Feuerchen unter dem Motorblock, entfernt sich ein wenig vom Wagen und hofft, dass er nicht in die Luft fliegt, bevor man ihn wieder starten kann.

Der absolut kälteste Ort auf diesem Planeten findet sich jedoch in der Antarktis, wo genau ist nicht bekannt. Die tiefste jemals gemessene Temperatur wurde jedenfalls an der russischen Forschungsstation Wostok registriert und beträgt minus 89,2 Grad. Dagegen ist es hierzulande noch relativ mild, wodurch es sich für die meisten trotzdem nicht erträglicher anfühlen dürfte.

Dienstag, 9. Februar 2021

Dr. Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

Alle Wetterthemen

Darstellung: