Wetterthema | tagesschau.de

Wetterthema

05.02.2021

Eisregen am Wochenende

Am Wochenende erwartet uns eine gefährliche Winterwetterlage. Milde und feuchte subtropische Luft aus Süden trifft auf arktische Polarluft aus Norden. Diese Luftmassengrenze liegt momentan noch über dem Nordosten und zieht am Wochenende über die Mitte Deutschlands und sorgt für erhöhte Glättegefahr durch Eisregen in diesem Bereich.

Eisregen ist ein seltenes Wetterphänomen und beschreibt Regen, der sofort gefriert, sobald er auf den Boden oder eben auch auf Bäume, Autos oder andere Gegenstände trifft. Zum einen passiert das, wenn der Erdboden durch anhaltende Minustemperaturen bis in tiefere Schichten eingefroren ist und sich mildere Luftmassen so schnell darüber ausbreiten, dass der Boden nicht mehr genügend Zeit hat aufzutauen. Fällt dann Regen, gefrieren die Tropfen, sobald sie auf den gefrorenen Boden treffen und eine Eisschicht macht Straßen spiegelglatt.

Jetzt am Wochenende entsteht der Eisregen aber durch eine andere Wetterlage. Innerhalb der Luftmassengrenze drückt die milde, feuchte Subtropenluft gegen die arktische Kaltluft. Wärmere Luft hat eine geringere Dichte und ist somit leichter, dadurch gleitet sie auf der Kaltluft auf. Niederschläge fallen so in den oberen milden Luftschichten als Regen und kommen dann in einen Bereich sehr kalter Luft. In dieser Schicht gefrieren die Tropfen dann meist nicht mehr, sondern unterkühlen. Das bedeutet, sie haben eine Temperatur unterhalb des Gefrierpunkts und sind dennoch flüssig. Treffen die unterkühlten Regentropfen auf den Boden oder andere Oberflächen gefrieren sie blitzartig. Das gefährliche Blitzeis entsteht.
Auch Autos, Bäume und Strommasten können so innerhalb von Minuten mit einer Eisschicht überzogen werden. Damit besteht nicht nur erhebliche Glättegefahr, sondern auch Äste und Strommasten können unter dem Gewicht des Eises abbrechen.

Damit Blitzeis entsteht, müssen viele Faktoren haargenau zusammenpassen, so ist es nicht einfach, den genauen Ort vorherzusagen, wo Blitzeis auftritt und wo nicht. Erhöhte Vorsicht ist im Bereich der Luftmassengrenze geboten. Dabei kann der Übergang von Regen in Eisregen in Schnee fließend sein.

Am Freitagabend liegt die Grenze vom Emsland bis ins Erzgebirge und zieht im Laufe des Wochenendes bis in die Mitte Nordrhein-Westfalens. Vor allem ab Samstagabend ist im Grenzbereich mit hoher Glättegefahr durch Eisregen zu rechnen.

Nördlich der Grenze fällt in der arktischen Kaltluft der Niederschlag am Wochenende als Schnee. Dort sind regional Behinderungen durch massive Schneefälle möglich. Örtlich können mehr als 30 cm innerhalb kurzer Zeit fallen. Dazu kommen teils starke bis stürmische Windböen aus Ost und sorgen für Schneeverwehungen. Nachfolgend sinkt die Temperatur vor allem in den Nächten in der Nordhälfte stark ab und gebietsweise fallen die Temperaturen unter -10 Grad.


5. Februar 2021

Pila Bossmann
ARD-Wetterredaktion

Alle Wetterthemen

Darstellung: