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Wetterthema

02.10.2020

Föhn

Am Freitag sorgen südliche Winde für einen Föhnsturm.

Bergwandern in den Alpen ist an diesem Wochenende keine Gute Idee, denn durch ein Orkantief mit Zentrum bei der Bretagne wird von Süden feuchte Luft an die Alpen gedrückt. Dadurch kommt es zu extremem Starkregen von bis über 200 Litern pro Quadratmeter. Andererseits gibt es auf den Alpengipfeln Föhnsturm, auch in den Tälern kann es dabei zu Orkanböen kommen.

Neben den hohen Windgeschwindigkeiten gibt bei Föhn es eine typische Temperaturverteilung mit auffällig hohen Werten auf der Alpennordseite, sofern der Wind aus Süden weht. Wenn feuchte Luft von Süden an die Alpen strömt, so wird diese durch die Berge zum Aufsteigen gezwungen. Mit zunehmender Höhe nimmt der Luftdruck ab, da dieser von der Luftmasse oberhalb des betrachteten Niveaus bestimmt wird. Die Luft kann sich beim Aufstieg also ausdehnen, wodurch ihre Temperatur sinkt.

Nun kann kältere Luft nicht so viel Feuchtigkeit enthalten, wie wärmere - der unsichtbare Wasserdampf kondensiert beim Aufsteigen, es bilden sich Wolken und es beginnt zu regnen bzw. zu schneien. Die Wassermoleküle sind in der Gasphase frei beweglich und haben dadurch sehr viel Bewegungsenergie, die sie beim Übergang in die flüssige Phase in Form von Wärme an ihre Umgebung abgeben müssen. Dadurch kühlt sich die Luft beim Aufsteigen an der Alpensüdseite nur etwa um 0,5 bis 0,7 Grad pro 100 Meter Höhenzunahme ab. Ohne Kondensationsprozesse ändert sich die Temperatur aber um etwa 0,8 bis 1 Grad pro 100 Meter, und genau das macht die Luft, wenn sie auf der Alpennordseite wieder absinkt. Denn dann gibt es keinen Regen mehr und die Wolken lösen sich auf.

So wurden am Freitagvormittag in Locarno Monti am Lago Maggiore auf der Alpensüdseite in 367 Metern Höhe 10 Grad gemessen, in Weissbad bei Appenzell auf der Alpennordseite auf 935 Metern Höhe war es dagegen zur gleichen Zeit mit 18 Grad sehr mild. Die sogenannte latente Energie, die in der Luftfeuchtigkeit in Locarno enthalten war wurde somit bei der erzwungenen Überquerung der Alpen in fühlbare Wärme umgewandelt.

Freitag, 2. Oktober 2020

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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