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Wetterthema

12.08.2020

Hitzewellen

Der heutige Mittwoch ist in einigen Regionen der siebte heiße Tag in Folge, am Rhein handelt es sich dabei mancherorts um den fünfen sehr heißen Tag mit über 35 Grad am Stück. Wie ist diese Hitzewelle einzustufen?

Unsere Grafik soll verdeutlichen, wie sich die Dauer von Hitzeperioden in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Für jeden Sommer der letzten 120 Jahre wurde die längste Serie von heißen Tagen (Höchsttemperatur von 30,0 Grad oder höher) und die der sehr heißen Tage (Maximum von 35,0 Grad oder höher) herausgesucht. Dabei sind die Daten der drei klimatisch ähnlichen Wetterstationen in Frankfurt, Mannheim und Karlsruhe eingeflossen. Eine solche Auswertung für nur eine Wetterstation wäre zu anfällig gegenüber Inhomogenitäten in Klimareihen gewesen, wie sie bei jeder Stationsverlegung entstehen. Die Grafik gilt also für die Region vom nördlichen Oberrhein bis ins Rhein-Main-Gebiet. Ein ähnlicher Trend wäre auch in anderen Regionen Deutschlands zu erkennen.

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts konnte man am nördlichen Oberrhein und im Rhein-Main-Gebiet einmal pro Sommer eine Hitzewelle mit Höchstwerten von mindestens 30 Grad erwarten, die zwei bis drei Tage anhielt. Dabei traten einige Sommer mit nur einem einzigen heißen Tag auf. 1911 erzielten alle drei Wetterstationen eine Serie von knapp über 10 heißen Tagen. Die Länge der Hitzewellen mit 30 Grad und mehr hat zugenommen. In den letzten beiden Jahrzehnten betrug sie mit 6 bis 7 Tagen Dauer mehr als das Doppelte. Der Anstieg erfolgte allerdings nicht linear. In den 1940er Jahren gab es auch schon einige längere Hitzewellen, nicht nur im Rekordsommer von 1947. Recht selten blieben längere Hitzewellen in den 1960ern und 1980ern. Der Sommer 1983 war zwar sehr heiß, doch nie lange am Stück. In den 1970ern beschränkten sich längere Hitzewellen auf die Sommer 1975 und 1976. Im Sommer 1976 verzeichneten die drei hier ausgewerteten Stationen eine Serie von 16 heißen Tagen, was bis zum Sommer 2018 das Maß der Dinge blieb, als es in Mannheim und Frankfurt für 18 heiße Tage am Stück reichte.

Im Falle von Tagen mit 35 Grad und mehr war es bis zum Sommer 2003 eigentlich wenig sinnvoll, überhaupt von Serien zu sprechen. Derart heiße Tage gab es früher in den meisten Sommern überhaupt nicht, und wenn doch einmal, handelte es sich um Einzelereignisse. Ausnahmen bildeten die Sommer der Jahre 1947, 1952 und 1957. Nur in diesen Sommern kamen Serien sehr heißer Tage von mindestens drei Tagen Dauer vor. Der Rekordsommer des Jahres 2003 setzte völlig neue Maßstäbe. In Frankfurt brachte er eine Serie von 10, Mannheim 11 und Karlsruhe sogar 12 sehr heißen Tagen in Folge. Etwas längere sehr heiße Phasen verbuchten auch die Sommer 2006, 2015 und 2019. Die aktuelle Serie von 5 sehr heißen Tagen wurde allerdings nur 2003 deutlich übertroffen, doch davon abgesehen jedoch in kaum einem anderen Jahr überhaupt erreicht.

Es gibt einige Statistiken, die zeigen, wie sich das Klima in den letzten Jahrzehnten geändert hat. Die Mitteltemperatur für Deutschland beispielsweise ist von 7,6 Grad im Jahre 1900 auf zuletzt 9,2 Grad gestiegen. Eine sinnvolle Diskussion über den Klimawandel ist dennoch nicht mit jedem möglich. Als Meteorologe erlebt man immer wieder, dass Leute ihrer subjektiven Erinnerung glauben statt den Statistiken und Messwerten. Da heißt es, früher habe es noch richtige Sommer gegeben mit Sonnenschein und Hitze. Tatsächlich liegt aber der Effekt vor, dass man sich an die Sommertage im Schwimmbad erinnert, weniger aber an zu Hause verbrachte kühle Regentage. Es wäre erfreulich, wenn irgendwann in allen Köpfen ankommen würde, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich etwas am Klima verändert hat. Darüber zu diskutieren, wie sich die jüngsten Änderungen im Kontext der zurückliegenden 10.000 Jahre darstellen und welcher Anteil vom Menschen verschuldet ist, wäre der nächste Schritt.

Mittwoch, 12. August 2020

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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