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Wetterthema

03.06.2020

Schafskälte

Ein Luftmassenwechsel beendet den sommerlichen Witterungsabschnitt. Ist das nun die Schafskälte?

Die Schafskälte ist ein sogenannter Witterungsregelfall. In etwa 9 von 10 Jahren kommt es Mitte Juni Hierzulande zu einem Kaltlufteinbruch, der die frisch geschorenen Schafe ihr wärmendes Fell vermissen lassen.

Wenn ein Tief über Skandinavien einem Hoch über dem Atlantik Britischen Inseln gegenübersteht, kann zwischen diesen Druckgebilden Kaltluft aus dem Nordmeer weit nach Süden strömen. Im Zeitraum zwischen 1881 und 1947 trat die Schafskälte nach statistischen Untersuchungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent jedes Jahr ein. Aber auch in den vergangenen etwa 25 Jahren gab es bis auf das Jahr 2003, welches manchem durch seinen extremen Hitzesommer in Erinnerung geblieben ist, meist einen markanten Temperaturrückgang im Juni.

Nördliche Winde kann es zwar auch zu anderen Jahreszeiten geben, aktuell ist jedoch der Kontrast zwischen der noch kühlen Nordsee und den schon warmen Landmassen Südeuropas und Afrikas aufgrund der langsameren Erwärmung des Wassers sehr ausgeprägt. Kommt die Luft aus Süden, kann es nun schon erste sommerliche Hitzewellen mit schweren Gewittern geben. Dreht die Strömung auf Nord, so kann bei längerem Aufklaren in ungünstigen Lagen sogar noch einmal Bodenfrost auftreten.

Aktuell stellt sich mit einem Hochdruckgebiet über dem Atlantik und tiefem Luftdruck über Skandinavien eine Wetterlage ein, die kühle Atlantikluft aus nordwestlichen Richtungen nach Mitteleuropa lenkt. Dadurch wird es ab Donnerstag mit 14 bis 20 Grad im Westen spürbar kühler als zuvor. Im Osten hält sich die Wärme noch etwas länger. Begleitet wird die Abkühlung von Schauern und Gewittern, die örtlich kräftige ausfallen und von einem lebhaften Wind begleitet werden. Dabei kommen in den nächsten tagen vor allem im Süden hohe Regenmengen von über 50 Litern pro Quadratmeter zusammen. Aber auch sonst kann verbreitet mit 20 bis 30 Litern gerechnet werden – die Natur freut sich.

Neben der Schafskälte sind die Hundstage, hochsommerliche Hitzewellen Ende Juli und Anfang August, ausgeprägte Witterungsregelfälle. Auch der Altweibersommer Ende September trat bisher mit etwa 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit jedes Jahr ein. Die Ursachen für dieses regelhafte Verhalten sind nach wie vor ungeklärt. Man vermutet, dass langperiodische Schwingungsvorgänge in höheren Schichten der Atmosphäre dafür verantwortlich sind. In den vergangenen Jahrzehnten wurde auf diesem Gebiet jedoch kaum geforscht, so dass gefestigte Erkenntnisse leider noch ausstehen.

Mittwoch, 3. Juni 2020

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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