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Wetterthema

14.05.2019

Sichtweite

Am Dienstag meldeten zahlreiche Wetterstationen in Deutschland Sichtweiten über 50, zum Teil auch über 70 km.

Das ruhige Hochdruckwetter sorgt vielerorts für einen strahlend blauen Himmel. Doch vor allem die Luftfeuchtigkeit wirkt sich auf die Sichtweite aus. Der Wasserdampf ist zwar unsichtbar, er lenkt das Licht jedoch auf eine Weise ab, welche die Fernsicht herabsetzt. Die Luftmoleküle streuen das Licht jedoch in alle Richtungen gleich stark ab, wodurch das Himmelsblau an klaren Tagen mit trockener Luft gleichmäßig kräftig am Himmel erscheint.

Wasser- und auch Staubteilchen streuen jedoch einen Großteil des Lichtes nach vorne, also in der Richtung, in der das Licht einfällt. Aufgrund dieses auch als Vorwärtsstreuung bezeichneten Effektes ist an dunstigen Tagen, an denen sich viel Wasserdampf in der Atmosphäre befindet, der Himmel rund um die Sonne am hellsten. Die Leuchtkraft fällt mit zunehmendem Abstand von der Sonne rasch ab und der Horizont erscheint trübe, die Farben der entfernten Berge verwaschen.

Bei hohem Luftdruck sinkt die Luft aus größeren Höhen ab, wo es aufgrund der tiefen Temperatur wenig Wasserdampf gibt. In der Folge wird auch die Luft nahe am Erdboden trockener, wodurch die Sichtweite erhöht wird. Aber auch nach Durchzug einer Kaltfront gelangt oft kalte Polarluft zu uns, die ebenfalls trockener ist, als die vorherige Luftmasse. Deswegen erscheinen nach einem Regen, der zusätzlich die Staubteilchen auswäscht, die Farben in der Natur oft kräftig und gesättigt und weit entfernte Objekte treten deutlicher hervor.

Ein besonderes Lichtspiel sind Morgen- und Abendrot. Tagsüber ist der wolkenlose Himmel blau, weil die Luftteilchen nicht alle Farben des Sonnenlichtes gleich stark ablenken, also streuen. Kurzwelliges Licht, also Blau, wird stärker gestreut als langwelliges, rotes Licht. Dieses gestreute Licht verteilt sich gleichmäßig über den Himmel, und erreicht als diffuses Streulicht unser Auge. Die Sonnenscheibe erscheint zudem deswegen gelb, weil der blaue Lichtanteil fehlt, sonst wäre sie weiß.

Morgens und abends jedoch, wenn die Sonne nur knapp über dem Horizont steht, muss das Licht einen deutlich längeren Weg durch die Atmosphäre nehmen, als zur Mittagszeit. Dann werden mehr kurzwellige Anteile aus dem Sonnenlicht gestreut und die Sonnenscheibe erscheint dunkelgelb, mitunter auch rot. Durch Staubteilchen in der Atmosphäre können dann zudem auch prächtige Farbenspiele am Himmel beobachtet werden, da diese sogenannten Aerosole das Sonnenlicht auf ganz eigentümliche Weise streuen. Besonders ausgeprägt war dies nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 zu beobachten. Schwefelteilchen des Ausbruchs konnten sich damals in über 10 km Höhe in der Stratosphäre weltweit verteilen. Diese Teilchen färbten dann morgens und abends den Horizont bei entsprechender Wetterlage für mehrere Monate violett ein.

Dienstag, 14. Mai 2019

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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