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Wetterthema

29.03.2019

Meeresspiegelanstieg

Der Meeresspiegel steigt schneller, als noch vor wenigen Jahren vorhergesagt.

Seit 1870 ist der Meeresspiegel bereits um über 25 cm angestiegen, wie durch Gezeitenhöhen-Messungen und seit 1993 auch durch Satelliten-Messungen belegt ist. Im 20. Jahrhundert ist der Meeresspiegel um durchschnittlich 1,2 mm pro Jahr angestiegen, seit 1993 um 3,15 mm pro Jahr. Der bisher größte Anstieg wurde mit 3,7 mm zwischen 2017 und 2018 registriert. Im Jahre 1990 ging man noch von einem künftigen Anstieg um lediglich 1,9 mm pro Jahr aus.

Wie stark der Meeresspiegel innerhalb eines Jahrhunderts ansteigen kann zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Zu Beginn der neuzeitlichen Erwärmung vor etwa 9 Tausend Jahren stieg der Meeresspiegel um etwa 1,3 Meter pro Jahrhundert, insgesamt um 6,6 Meter an. Auch für die Eem-Warmzeit vor rund 120 Tausend Jahren haben neuere Untersuchungen eine Rate von 1,6 Metern pro Jahrhundert ermittelt. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass bei einem weiteren ungebremsten Klimawandel der Meeresspiegel durchaus deutlich stärker ansteigen könnte als bisher vermutet.

Aus zwei Gründen ist der Meeresspiegelanstieg eine direkte Folge der globalen Erwärmung: einerseits dehnt sich das Ozeanwasser durch seine Erwärmung aus, andererseits gelangt zusätzliches Wasser durch Abschmelzen von Gebirgsgletschern und Inlandeis in die Weltmeere. Die thermische Ausdehnung des Wassers trägt etwa 40 Prozent zum Meeresspiegelanstieg bei, schmelzendes Inlandeis ungefähr 60 Prozent.

Die weitere Entwicklung unterliegt beträchtlichen Unsicherheiten. Die wesentliche Ursache dieser Unsicherheiten resultiert aus dem dynamischen und schwer berechenbaren Verhalten der großen Eisschilde auf Grönland und in der Antarktis.

Jedoch steht zu befürchten, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 deutlich stärker ansteigen wird, als die noch in 2007 abgeschätzten 18 bis 59 cm, da die damals zu Grunde gelegten Computermodelle das dynamische Verhalten des Inlandeises noch nicht berücksichtigt hatten. Jüngere Studien gelangen zu dem Schluss, dass der Anstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts wahrscheinlich doppelt so stark ausfallen wird. Der IPCC hat mittlerweile seine Schätzungen für diesen Zeitraum auf 26 bis 98 cm angehoben. Andere Studien halten sogar einen Anstieg bis 2100 um bis zu 2 Meter für möglich.

Aufgrund der großen Trägheit der Weltmeere und Eisgebiete wird der Meeresspiegelanstieg noch viele Jahrhunderte andauern, auch nachdem sich das weltweite Temperaturniveau wieder stabilisiert hat. Ein ungebremster Klimawandel könnte den Meeresspiegel in den kommenden Jahrhunderten um mehrere Meter ansteigen lassen. Dadurch würden viele Großstädte in Küstennähe und ganze Inselstaaten verloren gehen.

Freitag, 29. März 2019

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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