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Wetterthema

11.03.2019

Das Jahr ohne Sommer

Auf den Märzwinter können viele wohl getrost verzichten. Wie wäre es dann mit einem Juliwinter?

Der Sommer 1816 ging als einer der kühlsten in die Annalen ein. Die Ursache kam erst viel später ans Licht. Damals fiel in Süddeutschland und in der Schweiz sogar im Juli noch Schnee bis in die Niederungen. Der ganze Sommer, also die Monate Juni, Juli und August war in Deutschland etwa 2,5 Grad kälter als das gegenwärtige Mittel aus den Jahren 1971 bis 2000.

Das war der kälteste Sommer in Deutschland seit mindestens 1761, seitdem flächendeckende Temperaturmessungen vorliegen. Am stärksten waren die Abweichungen damals im Süden Frankreichs, wie man aus Baumringen oder Pollenablagerungen rekonstruieren konnte. Dort lag die Sommertemperatur sogar mehr als drei Grad unter dem langjährigen Mittel.

Das klingt zwar moderat, war es aber nicht. Durch die anhaltend kalte und auch sehr regenreiche Witterung, die übrigens auch in Nordamerika auftrat, kam es zu Missernten und in der Folge vor allem in Süddeutschland und in der Schweiz zu Hungersnöten, die ihrerseits Auswanderungswellen in die neue Welt nach sich zogen. Im kanadischen Québec fielen im August 1816 bis zu 30 cm Neuschnee. Von den Neuengland-Staaten im Osten der USA aus wurden in der Folge die damals neuen Staaten Ohio, Illinois und Indiana innerhalb nur weniger Jahre besiedelt. In den Staaten ist dieser Sommer übrigens auch als „Eighteen hundred and froze to death“ bekannt.

Die Ursache für diese extreme Witterung lag lange im Dunkeln und wurde erst 1920 von dem amerikanischen Meteorologen William Jackson Humphreys entdeckt: Im Vorjahr war auf der heute zu Indonesien gehörenden Insel Sumbawa der Vulkan Tambora ausgebrochen. Es war die größte Eruption weltweit seit über 20.000 Jahren durch die etwa 150 Kubikkilometer Staub und Asche in die Atmosphäre geschleudert wurden. In der Stratosphäre breitete sich eine schwefelhaltige Aschewolke wie ein Schleier rund um den Globus aus und schwächte in den darauf folgenden vier Jahren die Sonneneinstrahlung weltweit markant ab. Einen ähnlichen, aber bei weitem nicht so starken Effekt gab es zuletzt 1991, als auf den Philippinen der Pinatubo ausbrach uns sich die Temperatur weltweit messbar um einige zehntel Grad absenkte.

In Folge der Hungersnöte wurde 1817 in Württemberg übrigens ein landwirtschaftlicher Verein gegründet, der seitdem das Volksfest auf dem Cannstatter Wasen veranstaltet. Auch die auf Agrarwissenschaften spezialisierte Universität in Stuttgart-Hohenheim wurde damals ins Leben gerufen um gegen künftig drohende Hungersnöte besser gewappnet zu sein.

Montag, 11. März 2019

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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