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Wetterthema

11.02.2019

Witterung und Grippe

Im Spätwinter gibt es die meisten Grippeerkrankungen. Welche Rolle spielt die Witterung?

Der wissenschaftliche Name der sogenannten echten Grippe ist Influenza und stammt aus dem italienischen, wo es Einfluss bedeutet. Gemeint war bei der Namensgebung der Einfluss der Kälte, womit auch die Bezeichnung Erkältung in Verbindung steht. Doch eine niedrige Temperatur ist nicht ausschlaggebend für das gehäufte Auftreten von Grippefällen im Winter.

Jährlich erkranken nach Schätzungen der Weltgesundheitsinformation etwa 10 bis 20 Prozent der Weltbevölkerung. Im Winter 2002/03 beispielsweise gab es nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Deutschland etwa 5 Millionen Erkrankungen und 16 000 bis 20 000 Todesfälle.

Ein Maß für die Aktivität von Erkrankungen der Atemwege ist der sogenannte Praxisindex. Hier wird für jede Praxis ein Normalniveau beobachteter Erkrankungen ermittelt und gleich 115 gesetzt. In der 5. Kalenderwoche ist dieser Praxisindex im Bundesmittel bereits wieder auf 161 angestiegen, am höchsten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit 177. In der Saison 2016/17 verzeichnete man das Maximum von etwas über 200 bereits Mitte Februar, im vergangen Jahr hingegen wurde der Spitzenwert von 270 erst Ende Februar erreicht.

Ein Zusammenhang zwischen der Luftfeuchtigkeit und der Ausbreitung von Grippeviren wurde schon seit längerem vermutet. In früheren Untersuchungen wurden unterschiedliche Kombinationen aus Temperatur und relativer Feuchte mit der Übertragbarkeit und der Lebensdauer von Grippeviren verglichen. Die Ergebnisse waren aber nicht eindeutig.

Jedoch ist die relative Luftfeuchtigkeit selbst von der Temperatur abhängig. Ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100 % ist die Luft mit unsichtbarem Wasserdampf gesättigt. Eine weitere Zufuhr von Feuchtigkeit führt zur Kondensation des Wasserdampfs in Form von Nebel oder Wolken. Wärmere Luft kann aber deutlich mehr Wasserdampf aufnehmen, als kältere. Bei einer Temperatur von Null Grad ist die Luft bereits mit einem absoluten Gehalt von knapp 5 Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter gesättigt. Bei 30 Grad kann die Luft die 6-fache Menge, also 30 Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter aufnehmen. In den Wintermonaten ist die absolute Luftfeuchtigkeit aufgrund der niedrigen Temperaturen also deutlich geringer als im Sommer.

Grippeviren fühlen sich im Trockenen wohl und überleben dort um ein mehrfaches länger, als in einer feuchten Umgebung, wodurch sie sich auch besser ausbreiten können. Die entscheidende Größe ist also die absolute, nicht die relative Luftfeuchtigkeit. Diesen Sachverhalt erkannte der Meteorologe Jeffrey Shaman und führte ältere Untersuchungen unter Berücksichtigung der absoluten Feuchte nochmals durch. Und siehe da: der Zusammenhang zwischen Feuchte und Grippeausbreitung trat deutlich hervor.

Mit Luftbefeuchtern oder Wasserschalen auf den Heizungen kann man die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen im Winter erhöhen und den Grippeviren somit das Leben etwas schwerer machen. Jedoch ist der wirkungsvollste Schutz noch immer eine Impfung und regelmäßiges Händewaschen sowie eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung.

Montag, 11. Februar 2019

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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