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Wetterthema

07.02.2019

Die Tage sind bereits wieder spürbar länger

Die Wintersonnenwende liegt nun 7 Wochen zurück und seitdem geht es mit der Sonne wieder aufwärts. Bis ihre Wärme ausreicht, dem typisch deutschen Schmuddelwinter ein Ende zu setzen, dauert es allerdings noch ein paar Wochen.

Unsere Grafik zeigt in die Tageslänge, also den Zeitabschnitt zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, für den 51. Breitenkreis (blaue Linie). Dort befindet sich der Mittelpunkt Deutschlands, nämlich in der Gegend um Eisenach in Thüringen. Die Abbildung gilt aber auch für andere Orte auf dieser Breite, also beispielsweise für das Ruhrgebiet, Nordhessen, Erfurt oder Dresden. Außerdem ist der Verlauf der Mitteltemperatur für die Fläche von ganz Deutschland in der Abbildung enthalten (grüne Kurve). Grundlage zur Bildung dieses Mittels waren Messwerte einiger Klimareihen aus den vergangenen 100 Jahren.

Am kürzesten war der Tag mit 7 Stunden und 55 Minuten zur Wintersonnenwende, also am 21. Dezember letzten Jahres. Am Samstag, den 9. Februar ist der Tag 9 Stunden und 41 Minuten lang, wir haben an diesem Tag also bereits 1 Stunde und 46 Minuten an Tageslicht gewonnen. Die Tageslänge und der Sonnenstand sind vergleichbar mit dem 2. November. Der tägliche Zuwachs an Tageslicht liegt am 51. Breitenkreis im Augenblick bei 3 Minuten und 32 Sekunden. Eine Besonderheit stellt der astronomische Frühlingsanfang am 20 März dar. Zu dieser Zeit verlängert sich der Tag am schnellsten, nämlich um 3 Minuten und 55 Sekunden pro Tag. Je weiter man sich im Norden befindet, desto stärker schwankt die Tageslänge im Jahresverlauf. Aus diesem Grund ist der 9. Februar in Flensburg bereits um 2 Stunden und 6 Minuten länger als zur Wintersonnenwende. In Oberstdort beträgt der Zuwachs hingegen erst 1 Stunde und 25 Minuten. Dafür ist dort der Wintertag generell um mehr als eine Stunde länger als im äußersten Norden Deutschlands.

Die Sonne ist der Motor für unser Wetter und die Jahreszeiten. Je höher sie steht und je länger sie scheint, desto mehr Energie empfangen wir von ihr. Doch fällt die kälteste Zeit des Jahres auch tatsächlich mit den niedrigsten Sonnenständen zusammen? - Nicht ganz. Im langjährigen Mittel ist es Mitte Januar am kältesten, also 3 bis 4 Wochen nach Sonnentiefststand und den kürzesten Tagen. Die Atmosphäre reagiert mit einer gewissen Verzögerung auf die Änderungen des Energieangebots. Der Boden und die Wasserflächen speichern Wärme, die im Winter erst allmählich abgegeben wird. Im Sommer kann man einen ähnlichen Effekt beobachten: Die Sonne steht am 21. Juni am höchsten, die wärmste Zeit erleben wir aber in der zweiten Julihälfte. Das Wichtigste ist im Augenblick jedoch die Tatsache, dass wir uns unaufhaltsam auf den Frühling zu bewegen. Die deutschen Winter sind vor allem in den Niederungen oft recht düster, weil dort meistens kein Schnee liegt und es häufig neblig-trüb ist. Da verschafft oftmals erst die Frühlingssonne Abhilfe.

Beim Wetter und bei vielen anderen Abläufen in der Natur folgt die Wirkung erst mit einer gewissen Verzögerung auf eine Ursache. In unserem Beispiel führt die zunehmende Sonneneinstrahlung mit einer Verzögerung zu einem Anstieg der Mitteltemperatur. Anders ist das hingegen an der Börse. Dort reicht oft ein Gerücht, eine Stimmungsschwankung, und die Kurse der Aktien schnellen in eine Richtung, noch ehe es echte Fakten gibt. Wäre das beim Wetter auch so, würden wir schon bei der Idee, die Sonne könnte einmal schwächer scheinen, in die nächste Eiszeit schlittern.

Donnerstag, 7. Februar 2019

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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