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Wetterthema

16.10.2018

Kranichzug

Zehntausende Kraniche warten auf deutschen Rastplätzen auf günstige Winde

Jedes Jahr im Herbst sammeln sich die majestätischen Zugvögel aus Skandinavien kommend auf den Rastplätzen bei Stralsund, bei Linum, nordöstlich von Berlin und in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und warten auf günstige Winde, um in ihr Überwinterungsgebiet in Südspanien weiter ziehen zu können.

Man erkennt sie am Himmel an der typischen Keilformation des Trupps, die sich aus der optimalen Ausnutzung des Windschattens ergibt. Oft hört man aber zuerst die Trompetenartigen Laute der ausgewachsenen Tiere, die aus Flughöhen zwischen 150 Metern bei bedecktem Himmel und bis etwa 300 Metern bei klarem Wetter deutlich hörbar herab schallen. Hohes Piepsen zwischen den Trompetenrufen stammt übrigens nicht von Singvögeln, die quasi als Trittbrettfahrer mitfliegen, wie man früher dachte, sondern vom Kranich-Nachwuchs.

Aktuell haben sich in den Rastplätzen in Norddeutschland über 150.000 Tiere versammelt. Allein an der Ostseeküste wird der Rastbestand auf über 60.000 Tiere geschätzt. Insgesamt ziehen ab Mitte Oktober etwa 250.000 Tiere in einem recht schmalen Korridor von etwa 300 km Breite diagonal über Deutschland von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg über Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland weiter nach Ostfrankreich, wo sie am Lac du Der-Chantecoq, einem Stausee in der südlichen Champagne die nächste Zwischenrast einlegen, bevor sie sich weiter auf Ihre Reise zu ihrem Überwinterungsgebiet in die Extremadura in Südspanien machen.

Der Zeitpunkt des Kranichzuges ist dabei stark vom Wetter abhängig, denn die Vögel ziehen bei Rückenwind, im Herbst also, wenn er aus nordöstlichen Richtungen weht. Aktuell nutzen die Tiere die ruhige und windschwache Witterung und ziehen ständig weiter Richtung Frankreich ab.

Passt das Wetter, so kommt es vor allem nach einer längeren ungünstigen Witterung zu sogenannten Massenzügen, worauf die Vogelkundler dieses Jahr bisher noch warten. Dann kann man hierzulande in dem relativ engen Zugkorridor an einem Tag mitunter zehntausende Kraniche am Himmel bewundern. In der Regel kommt es pro Saison zu drei bis vier solcher Massenzüge.

Dienstag, 16. Oktober 2018

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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