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Wetterthema

26.07.2018

Hohe Wärmebelastung

Worin unterscheiden sich gemessene und gefühlte Temperatur?

Sind Sie männlich, 35 Jahre alt, 1,75 groß und 75 kg schwer? Falls ja, haben Sie einiges mit dem Klima-Michel gemeinsam, für den beim Deutschen Wetterdienst die gefühlte Temperatur berechnet wird. Denn wie der Name schon nahe legt, ist diese Größe nicht allgemein gültig, sondern individuell mitunter recht unterschiedlich.

Der menschliche Körper reguliert seine Temperatur in einem sehr schmalen Bereich und ist dabei doch sehr stark schwankenden äußeren thermischen Bedingungen ausgesetzt. Je nach Wetterlage kann dabei die gefühlte Temperatur sehr stark von der gemessenen abweichen. Um diese Abweichung abzuschätzen findet ein sogenanntes Energiebilanzmodell des Menschen Verwendung.

In diesem Modell wird die Anpassungsleistung der menschlichen Thermoregulation betrachtet. Befindet sich die Temperatur in einem behaglichen Bereich, ist die Thermoregulation kaum gefordert und man fühlt sich in dieser Hinsicht wohl. Bei extremen äußeren Bedingungen kann die Regulierung der Körpertemperatur aufwendig und dadurch der Kreislauf entsprechend belastet werden. Vor allem für ältere Menschen, Kinder, sowie Menschen mit einem geschwächten Herz-Kreislauf-System ist somit eine sommerliche Hitzewelle, wie sie uns in den kommenden Tagen bevorsteht mitunter sehr belastend.

Neben der Temperatur ist auch die Luftfeuchtigkeit ein weiterer wichtiger Faktor, der die Thermoregulation beeinflusst. Denn umso feuchter die Luft ist, desto geringer ist die Verdunstung des Schweißes auf der Haut und damit dessen Kühlungsleistung. Des Weiteren spielt auch die Windgeschwindigkeit eine Rolle, denn bei starkem Wind wird die isolierende Luftschicht über der Hautoberfläche verwirbelt, wodurch der Wärmefluss über die Haut verstärkt wird. Das kann bei Hitze willkommen sein, im Winter wird durch diesen sogenannten Windchill aber die Auskühlung beschleunigt. Neben diesen atmosphärischen Faktoren wirken sich noch die isolierende Wirkung der Kleidung sowie die körperliche Aktivität auf die gefühlte Temperatur aus.

Diese Faktoren fließen nun in das oben angesprochene Energiebilanzmodell ein, in welchem der Klima-Michel quasi als Ottonormalverbraucher seinen Dienst tut und, immer der Jahreszeit angemessene Kleidung trägt und sich bei Hitze auch nicht zu starker körperlicher Belastung aussetzt. Dadurch lässt sich die gesundheitliche Gefährdung aufgrund von Wärmebelastung klassifizieren. Diese ist ab 20 Grad gefühlter Temperatur gering, ab 26 Grad mittel, ab 32 Grad hoch und ab 38 Grad sehr hoch.

Donnerstag, 26. Juli 2018

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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