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06.07.2018

Die größte Salzpfanne der Erde

Im Südwesten von Bolivien befindet sich der Salar de Uyuni, eine Salzwüste von über 100 Kilometern Durchmesser. In Deutschland würde er ziemlich genau die halbe Fläche von Hessen bedecken. Welche Rolle spielte das Klima bei seiner Entstehung?

Salz gibt es auf unserer Erde in großen Mengen. Es lagert an vielen Stellen im Erdboden oder in Gebirgen. Dort, wo es genug regnet, wird ein Teil des Salzes ausgewaschen und über die Flüsse in die Weltmeere transportiert. Seit der Entstehung des Urozeans vor 4,2 Milliarden Jahren reichert sich das Salz dadurch im Meerwasser an. Deshalb befindet sich dort auch der größte Teil unseres Salzes, etwa 400 Mal so viel wie an Land. Das Salz aller Meere könnte das gesamte Festland mit einer 150 Meter dicken Salzschicht bedecken. Immer wieder gibt es aber auch Prozesse, die Salz aus einem Ozean zurück an Land befördern. Durch Hebung der Erdkruste können Seitenarme der Meere vom übrigen Ozean abgeschnitten werden. Passiert das in trockenen Regionen mit nur wenigen Zuflüssen, verdunstet das Wasser über Jahrtausende hinweg langsam und das Salz bleibt zurück. Einen solchen Prozess können wir aktuell am Toten Meer im Nahen Osten beobachten.

Der Salar de Uyuni entstand vor 60 Millionen Jahren, als die Hebung der Anden begann. Mit ihnen wurde ein ursprünglich zum Meer hin offener Salzsee angehoben, heute liegt er auf 3653 Metern Höhe. Der See trocknete aus und das Salz blieb zurück. Das Klima der Region ist nicht konstant. So gab es feuchtere Phasen, in denen sich der Salar in ein Binnenmeer verwandelte. Die letzte solche endete vor etwa 10.000 Jahren. Heute ist der Salar de Uyuni etwa 100 Meter tief und von einer 30 Meter dicken Salzkruste bedeckt. Darunter befindet sich sehr salzhaltiges Wasser. Außerdem stellt der Salar die weltgrößte Lithium-Lagerstätte dar, ein sehr kostbares Metall, das heutzutage in Akkus für Elektroautos und diverser anderer Geräte verbaut wird.

Salzpfannen können also nur in trockenen Klimaten entstehen und bestehen bleiben. Der Salar de Uyuni liegt am Rande der Atacama-Wüste, in einer Übergangszone zwischen dem sehr trockenen Norden Chiles und den feuchteren Regionen Boliviens weiter im Osten. In Uyuni gibt es nur eine kurze Regenzeit. Die Hälfte des Jahresregens von 124 mm fällt im Januar, von April bis November ist es fast gänzlich trocken. Die meisten Touristen kommen in der Trockenzeit, wenn es sonnig ist und man große Teile der Salzkruste befahren kann. Aber auch im Januar ist ein Besuch reizvoll: Während der Regenzeit sammelt sich über der Salzkruste eine dünne Wasserschicht, die wie ein riesiger Spiegel wirkt. Im dortigen Winter (Juni bis August) kann man tags mit Werten um 13 Grad rechnen, im Sommer sind es trotz der Höhenlage meistens knapp über 20 Grad. Die Sonne scheint im Jahr mit etwa 3600 Stunden mehr als doppelt so lange wie in Deutschland.

Eine Besonderheit ist das Muster von Linien auf dem Salz zur Trockenzeit. Das Salz wird einmal im Jahr zur Regenzeit angefeuchtet, danach trocknet es und bilden sich sogenannte Trockenrisse. Diese kann man zurzeit auch im Erdboden einiger Regionen Deutschlands beobachten. Während die Risse im Erdboden meistens recht unregelmäßig verlaufen, dominieren im Salar de Uyuni regelmäßige sechseckige Strukturen. Sie entwickeln sich erst im Lauf mehrerer Zyklen von Austrocknung und anschließender Wiederdurchfeuchtung. Dabei baut eine sechseckige Form von Rissen die Spannungen in der Salzkruste theoretisch am effektivsten ab. Im Bereich der Risse kann Salzwasser nach oben gelangen, weshalb sich die erhöhten Kanten bilden. Die Natur modelliert diese fotogene Oberfläche also jedes Jahr neu. Wäre es in der Region immer trocken, wäre die Oberfläche wahrscheinlich längst einheitlich glatt.

Freitag, 6. Juli 2018

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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