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16.06.2014
Schafskälte?
Nach der ersten Hitzewelle hat es spürbar abgekühlt. Ist das nun die Schafskälte?
Die Schafskälte ist ein sogenannter Witterungsregelfall. In etwa 9 von 10 Jahren kommt es Mitte Juni Hierzulande zu einem Kaltlufteinbruch, der die frisch geschorenen Schafe ihr wärmendes Fell vermissen lassen.
Wenn ein Tief über Skandinavien einem Hoch über den Britischen Inseln gegenübersteht, kann zwischen diesen Druckgebilden Kaltluft aus dem Nordmeer weit nach Süden strömen. Im Zeitraum zwischen 1881 und 1947 trat die Schafskälte nach statistischen Untersuchungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent jedes Jahr ein. Aber auch in den vergangenen 20 Jahren gab es bis auf das Jahr 2003, welches manchem durch seinen extremen Hitzesommer in Erinnerung geblieben ist, einen markanten Temperaturrückgang im Juni.
Nördliche Winde kann es zwar auch zu anderen Jahreszeiten geben, aktuell ist jedoch der Kontrast zwischen der noch kalten Nordsee und den schon warmen Landmassen Südeuropas und Afrikas aufgrund der langsameren Erwärmung des Wassers sehr ausgeprägt. Kommt die Luft aus Süden, gibt es nun schon erste sommerliche Hitzewellen mit schwersten Gewittern, wie es vergangene Woche der Fall war; dreht die Strömung auf Nord, so kann es mitunter recht herbstlich werden.
Aktuell hat sich mit einem Hoch bei Irland und einem Tief über dem Nordwesten Russland zwar erneut eine Wetterlage eingestellt, die kühle Atlantikluft aus nordwestlichen Richtungen nach Mitteleuropa lenkt, jedoch überwiegt auch in den kommenden Tagen weiterhin bei uns der Einfluss des Hochs, das Tief liegt sehr weit im Osten und seine Niederschlagsgebiete erreichen Deutschland nicht.
Somit ist es in den kommenden Tagen im Norden mit Höchstwerten zwischen 17 und 22 Grad durchaus etwas zu kühl für die Jahreszeit, man kann jedoch beim Public Viewing den Regenschirm getrost zu Hause lassen, denn das Schauerrisiko ist in den kommenden Tagen gering. In der Südhälfte kann sich die kühle Atlantikluft nicht wirklich durchsetzten. Somit es dort mit 22 bis 27 zwar sommerlich warm, jedoch besteht vor allem in Alpennähe ein Schauer- und Gewitterrisiko kann.
Eine erneute Hitzewelle zeichnet sich in den Wettermodellen noch nicht ab, die Großwetterlage bleibt bis auf Weiteres bestehen. Da es Anfang Juni bereits eine Rekordhitze gab, kann die aktuelle Witterung, vor allem in der Nordhälfte, im Vergleich dazu also durchaus als abgemilderte Schafskälte bezeichnet werden. Ob die frisch geschorenen Schafe jetzt aber frieren müssen darf angezweifelt werden.
Montag, 16. Juni 2014
Tim Staeger