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Wetterthema

11.06.2014

Superzellen

Nach den Unwettern des Montags über Nordrhein-Westfalen gab es auch am Dienstag wieder Unwetter, diesmal in der Mitte Deutschlands. In einigen Fällen waren sogennante Superzellen dafür verantwortlich. Was ist ihre Besonderheit und wann entstehen sie?

Superzellen besitzen im Gegensatz zu normalen Gewittern einen langlebigen und rotierenden Aufwind. Am deutlichsten sieht man die Rotation in Zeitrafferaufnahmen dieser Unwetter, der Gewitterinteressierte erkennt Superzellen aber auch auf Fotos oder draußen in der Natur. Oft nimmt der Aufwindbereich des Gewitters eine runde Form an, welche die Drehung schon erahnen lässt. Durch die Rotation wird der Aufwind zusätzlich verstärkt und oft über mehrere Stunden am Leben gehalten. Dadurch kann Hagel, der praktisch in jedem Gewitter vorkommt, zu teilweise extremen Größen anwachsen. Er wird durch den Aufwind längere Zeit in der Schwebe gehalten, ehe er zu schwer wird und zu Boden fällt. In Superzellen kann man häufig 4 bis 6 Zentimeter große Hagelsteine beobachten, im Extremfall sind sie 10 Zentimeter groß. Das größte in Deutschland dokumentierte Hagelgeschoss stammt aus einer Superzelle auf der Schwäbischen Alb am 6. August 2013. Sein Durchmesser betrug unglaubliche 14 Zentimeter. Wichtig ist auch die Neigung des Aufwindes mit der Höhe. Dadurch wird gewährleistet, dass der Niederschlag nicht direkt in den Aufwind, sondern davon abgesetzt, also neben dran, herunterfällt. Andernfalls würde der Aufwind durch den Niederschlag schnell erdrückt werden. Neben der Gefahr durch Großhagel sorgen Superzellen häufig für sehr viel Regen in kurzer Zeit und mitunter für Böen bis Orkanstärke. Auch Tornados sind möglich, in Deutschland sind sie aber eher selten. Eine wichtige Voraussetzung, damit sich überhaupt Superzellen entwickeln können, ist sehr feuchte und warme Luft. Außerdem bedarf es auch ganz spezieller Windverhältnisse im Umfeld des entstehenden Gewitters. Die Windgeschwindigkeit und die Windrichtung müssen sich mit der Höhe deutlich ändern.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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