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21.05.2014
Taupunkt und Schwüle
Was versteht man unter dem Taupunkt?
Ab Donnerstag wird die Warmluft hierzulande zunehmend feucht, was von den meisten dann als unangenehm schwül empfunden wird. In der Meteorologie findet in diesem Zusammenhang der sogenannte Taupunkt Verwendung. Es handelt sich hierbei um eine Temperatur nicht diejenige, bei der Eis taut, sondern bei der sich Tau, beispielsweise auf Wiesen bildet. Somit ist der Taupunkt ein Maß für die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit. Denn je feuchter die Luft ist, desto höher ist die Temperatur, ab der sich Tau niederschlägt.
Warme Luft kann mehr unsichtbaren Wasserdampf enthalten, als kalte. Wenn die maximal mögliche Menge an Wasserdampf erreicht ist, spricht man von Sättigung, und die relative Feuchte beträgt 100 Prozent. Diese 100 Prozent entsprechen aber bei höheren Temperaturen einer größeren Wassermenge, als bei niedrigeren. So enthält 30 Grad warme und gesättigte Luft etwa 30 Gramm Wasser pro Kubikmeter, bei 0 Grad sind es nur etwa 5 Gramm.
Normalerweise ist die Luft im Sommerhalbjahr selten gesättigt, da sie bei hoher Temperatur sehr viel Wasser aufnehmen kann. Enthält sie beispielsweise 13 Gramm Wasser pro Kubikmeter, so entspricht das bei 30 Grad einer relativen Feuchte von 40 Prozent. Würde man diese Luft nun auf 15 Grad abkühlen, so wäre sie mit einer relativen Feuchte von 100 Prozent gesättigt - ihr Taupunkt beträgt also 15 Grad.
Am Donnerstagnachmittag werden in Deutschland verbreitet Taupunkte über 16 Grad erreicht, lediglich direkt an den Küsten sowie im Osten und im Südwesten ist die Luft dann etwas trockener. Vor allem in der Mitte und im Voralpenland liegen die Taupunkte vor den Gewittern aber über 18, regional sogar über 20 Grad. Das wird von den meisten Menschen als drückend schwül empfunden. Denn unser Organismus kühlt sich durch Verdunstung von Schweiß an der Hautoberfläche. Hierdurch wird der Umgebung Wärme entzogen, und die Temperatur lokal herabgesetzt. Ist die Luft nun sehr feucht, möchte sie ungern weiteren Wasserdampf aufnehmen, wodurch die Verdunstung und damit der Kühl-Effekt erschwert werden.
Die Feuchtigkeit liefert zudem die zur Entwicklung schwerer Gewitter notwendige Energie, die sich am Donnerstagnachmittag und bis in die Nacht auf Freitag vor allem in der Mitte Deutschlands bilden und zum Teil unwetterartig mit Hagel, Starkregen und Sturmböen ausfallen können. Am Freitag werden die Schwüle und die damit verbundenen schweren Hitzegewitter im Osten auftreten. Danach gelangt zunächst etwas kühlere Luft nach Deutschland und das erste große Schwitzen dieser Saison nimmt erst einmal ein Ende.
Mittwoch, 21. Mai 2014
Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion