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Wetterthema

14.05.2014

Hochwasser

Während in Deutschland die wechselhafte Witterung nun allmählich zu Ende geht, sorgt Tief „Yvette“ über dem Balkan in den kommenden Tagen für Unwetter. Es droht Hochwasser, denn was da vom Himmel fällt ist enorm...

Hoch „Steffen“ über Westeuropa lässt die Temperaturen in Deutschland in den nächsten Tagen steigen und die Schauertätigkeit zurückgehen – Das Wetter wird also besser.
Ganz anders werden die Tage bis Sonntag jedoch Richtung Ost- und Südosteuropa verlaufen. Dort nistet sich Tief „Yvette“ richtig ein. Mit dem Tief werden über Südosteuropa verschiedene Luftmassen „verquirlt“. Die Kaltluft, die bei uns in Deutschland dieser Nächte für Bodenfrost sorgt, trifft auf Warmluft aus der Türkei sowie dem Schwarzen Meer. Unter diesen Bedingungen wird sich das Tief fleißig weiter drehen. Die Regenmengen, die dabei von den Modellen prognostiziert werden sind enorm.

Die Abbildung zeigt die erwarteten Regenmengen bis zum Sonntagabend. Bis zu 60 Liter pro Quadratmeter sind es in ganz Südosteuropa, aber auch in Teilen Osteuropas. Besonders intensiv und heftig sollen die Regenfälle jedoch im Osten Österreichs, in Serbien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und weiter nach Norden über Westrumänien bis nach Polen und in die Westukraine ausfallen: Dort werden bis 110 l/m² zusammen kommen. Das entspricht oftmals dem 1,5 bis 2 fachen des gesamten langjährigen Mairegens. Noch schlimmer jedoch werden wohl die Hohe Tatra in Polen sowie der Norden Bosnien-Herzegowinas getroffen. Denn in diesen Gebieten werden binnen 4 Tagen fast 200 Liter Regen oder in Staulagen sogar noch darüber niederprasseln. Die nördliche Strömung, die sich an der Westflanke von „Yvette“ einstellen wird, drückt die Regenwolken gegen die fast 2700 Meter hohen Berge der Hohen Tatra und gegen die 2600 Meter hohen Berge des Dinarischen Gebirges in Bosnien-Herzegowina und Albanien und holt dann auch den wirklich letzten Tropfen aus den Wolken heraus.

Bei solch hohen Niederschlagssummen binnen weniger Tage sind die Auswirkungen klar: An vielen Flüssen droht Hochwasser. Zunächst werden die Bäche und kleineren Flüsse betroffen sein, und das wohl schon am Wochenende. An den großen Flüssen wie Donau, Save und Drina, aber auch an der Weichsel und sogar an der Oder ist dann im Laufe der nächsten Woche mit Hochwasser zu rechnen. Wie weit die Oder auch in Deutschland aus ihrem Flussbett herauskommen wird ist derzeit nicht abzuschätzen. Aktuell führt sie zwischen Ratzdorf und Schwedt sogar leichtes Niedrigwasser. Die Donauanrainer in Bayern werden jedenfalls kein Hochwasser bekommen. Eine niedrige Schneefallgrenze hält zum einen viel potenzielles Wasser in Form Schnee im Hochgebirge zurück, zweitens führt derzeit auch die Donau eher zu wenig Wasser und drittens fallen die höchsten Niederschlagsmengen östlich von Deutschland, also flussabwärts.

Auf den limitierenden Faktor niedrige Schneefallgrenze kann man auf dem Balkan jedoch nur bedingt und in Polen so gut wie gar nicht hoffen. In Bosnien-Herzegowina, Serbien und Albanien liegt die Schneefallgrenze zeitweise bei immerhin 1700 Meter, so dass dort nicht die ganzen 110 bis 200 Liter Regen sofort in die Flüsse gelangen dürften. Noch etwas schlechtere Karten hat man in der Hohen Tatra in Polen, wo laut Prognosen die Schneefallgrenze eher um die 2000 Meter liegen dürfte. So fallen dort, abgesehen von den höchsten Erhebungen, die Niederschläge meist in flüssiger Form und gelangen somit ohne große zeitliche Verzögerung in die Zuflüsse der Weichsel. Für die südpolnischen Verwaltungsbezirke Schlesien, Kleinpolen und Karpatenvorland sind z.B. bereits am Dienstag den 13. Mai 2014 Vorwarnungen vor Überschreitungen der Hochwassermeldestufen bis zum Freitag ausgegeben worden.


Dipl.-Met. Michael Köckritz
ARD-Wetterredaktion
14. Mai 2014

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