Wetterthema | tagesschau.de

Wetterthema

13.05.2014

Bodenfrostgefahr

Die Eisheiligen wollen es in diesem Jahr nochmal wissen. Luft aus polaren Breiten lässt in den kommenden beiden Nächten die Gefahr von Bodenfrost steigen. Wir schauen, wo genau das Potenzial am größten ist...

Sie heißen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Kalte Sophie. Und während ihr Erscheinen in früheren Jahrzehnten recht verlässlich war, so haben sie sich in den vergangenen Jahren häufig rar gemacht. Die Tage vom 11. bis zum 15. Mai sind jene Tage im Jahr, in denen gehäuft eine Nordwest- oder Nordwetterlage auftritt, die Nachtfröste bringen kann. In den letzten Jahren sind die Eisheiligen oft ganz ausgeblieben. Und in der Tat hat der Deutsche Wetterdienst in einer erst kürzlich veröffentlichten Untersuchung festgestellt, daß vor allem für den süddeutschen Raum die Häufigkeit für Kaltlufteinbrüche Mitte Mai mittlerweile bei deutlich unter 50% liegt. Der Klimawandel hat daran wohl einen entscheidenden Anteil, denn der stete Anstieg der Globaltemperatur schwächt auch die Kaltluftvorstöße in Mitteleuropa. In einigen Jahren sind diese Vorstöße von Luftmassen polaren Ursprungs zwar noch stark genug, um Nachtfröste zu bringen, doch langfristig wird sich ihr Auftreten eher in den April verschieben.

Doch in diesem Jahr ist der Kaltluftvorstoß stark genug, so dass sich in den kommenden beiden Nächten Bodenfrost einstellen wird. Unsere Abbildung zeigt links die Nacht zum Mittwoch und rechts die zum Donnerstag. Deutlich zu erkennen ist die flächenmäßige Zunahme von Regionen, die von Bodenfrost betroffen sein werden. In der Nacht zum Mittwoch dürften die Regionen in der Eifel sowie vom Sauerland bis hinein nach Hessen betroffen sein. Dazu zählen wohl das Wittgensteiner Land rund um Bad Berleburg, Teile des Siegerlandes und in Hessen der Burgwald, das obere Edertal sowie der Kellerwald.

Die Bedingungen sind auf jeden Fall gegeben: Von Norden fließt im Laufe der Nacht zum Mittwoch trockenere Luft ein, so dass es in der Folge zum Teil längere Zeit klar sein wird. Der Wind lässt immer mehr nach, und bedingt durch den Tagesgang (tagsüber mehr Wind, als nachts), kann er in einigen Muldenlagen gänzlich einschlafen und sich somit dort die Kaltluft bis zum Sonnenaufgang in aller Ruhe sammeln. Bis zu -2°C, vielleicht örtlich auch -3°C sind dabei in 5cm über dem Erdboden möglich.

Bodenfrost herrscht im Übrigen immer dann, wenn in 5cm Höhe über dem Erdboden eine Temperatur von unter Null Grad Celsius gemessen wird. Luftfrost ist Mitte Mai deutlich seltener, denn er wird in 2 Meter Höhe registriert.

In der Nacht zum Donnerstag steigt dann das Bodenfrostrisiko an. Zu den Gebieten, die bereits in der Vornacht betroffen waren, kommen die Regionen in den östlichen Mittelgebirgen. Vom Kinzigtal in Hessen über die Rhön und den Thüringer Wald bis zum Erzgebirge, Fichtelgebirge und weiter zum Oberpfälzer Wald sind dann in Erdbodennähe bis zu -4°C möglich. Doch auch ganz vereinzelt im Hintertaunus und dem Meißner sowie in einigen Hochtälern des Harzes kann es gefrieren. An mancher Station ist aber sogar Luftfrost bis -1°c möglich. Wo dieser auftreten wird ist allerdings nicht zu prognostizieren.

Auch die Nacht zum Freitag könnte aus heutiger Sicht nochmaligen Bodenfrost bringen. Allerdings verschlechtert sich eine Bedingungen dafür: Die Luftmasse über Deutschland beginnt sich langsam zu erwärmen. Im Hinblick auf möglichen Bodenfrost verbessert sich allerdings die Wolkensituation noch ein wenig. Das Hoch „Steffen“ schafft es vor allem im Norden und der Mitte die Wolken aufzulösen. Dann droht Bodenfrost in Vorpommern und einigen Muldenlagen der Mittelgebirge. Allerdings sind die Unsicherheitsfaktoren für die Nacht auf Freitag noch groß (erwärmt sich die Luftmasse tatsächlich im heute angenommenen Maße?, klart es lange genug auf?).

Auf jeden Fall sollten frostempfindliche Pflanzen in den beschriebenen Regionen in den folgenden beiden Nächten geschützt werden. Also, Pflanzenkübel reinholen und bereits bepflanzte Frühbeete abdecken!


Dipl.-Met. Michael Köckritz
ARD-Wetterredaktion
13. Mai 2014

Alle Wetterthemen

Darstellung: