Wetterthema | tagesschau.de

12.05.2014
Kühle Maiwoche
Mit Tief Xena ist es im Laufe des vergangenen Wochenendes in Deutschland merklich abgekühlt. Dazu zeigte sich das Wetter von seiner launischen, wechselhaften Seite und brachte Schauer, Gewitter und Sturm. Geht der Mai jetzt so weiter?
Eine wesentliche Umstellung der Wetterlage, hin zu einem kräftigen Hochdruckgebiet über Mitteleuropa, das uns mit Sonnenschein und Wärme versorgt, ist nicht in Sicht. Es bleibt eher tiefdruckgeprägt, auch wenn sich zur Wochenmitte ein Hoch bei Großbritannien bemerkbar macht. Doch der Reihe nach...
Am vergangenen Samstag wurde in Süddeutschland nochmal die 20-Grad-Marke deutlich überschritten. Spitzenreiter war das am Hochrhein gelegene Rheinfelden mit 22,8°C. Aber auch in Rosenheim war es mit 22,2°C nochmals angenehm warm bei rund 7 Sonnenstunden. Gleichzeitig hatte die Kaltfront von Tief Xena den Norden schon erreicht und so meldete Osnabrück lediglich 12°C und Regen.
Am Sonntag gab es in ganz Deutschland kühles und wechselhaftes Schauerwetter. Die 20°C waren passé, es musste sich nun eher an der 15-Grad-Marke orientiert werden. Dazu gab es Schauer und Gewitter, die teilweise von starken Windböen begleitet waren. Besonders heftig blies der Wind in Würzburg, wo bei einem Schauer zur Mittagszeit eine orkanartige Windböe von 104,4 km/h registriert wurde. Verantwortlich war die eingeflossene Höhenkaltluft von unter -20°C in Verbindung mit einem hohen Druckunterschied zwischen Tief Xena über Dänemark und Hoch Steffen vor der spanischen Nordküste.
Hinter dem Tief wird auch im Laufe der Woche keine wärmere Luft nach Deutschland gelangen. Es ist sogar eher das Gegenteil in den Modellkarten zu sehen. Die Polarluft, die über die immerhin 10 Grad warme Nordsee aus dem Seegebiet zwischen Island und Grönland zu uns gelangt, wird in den Nächten auf Mittwoch und Donnerstag nochmal für Bodenfrost gut sein. Damit bewahrheiten sich in diesem Jahr die Eisheiligen, die besonders in früheren Jahrzehnten vom 11. bis 15. Mai regelmäßig den Bauern die Schweißperlen auf die Stirn trieben, in den letzten Jahren aber oftmals ausblieben oder verfrüht Ende April auftraten. Besonders betroffen davon sein werden die klassischen Muldenlagen in den Mittelgebirgen, vom Sauerland über das mittelhessische Bergland bis zum Frankenwald und weiter zum Oberpfälzer Wald. In diesen Regionen können die Temperaturen am Boden bis auf -2°C bis -3°C sinken. Hingegen dürfte Luftfrost, also Frost in 2 Meter Höhe, die Ausnahme bleiben.
Doch das ist noch nicht alles: In den Alpen wird es weiß, zumindest in Lagen oberhalb etwa 900 bis 1000 Meter. Und das auch nur zeitweise. Der Höhepunkt der Kälte wird in Süddeutschland für Mitte der Woche (Mittwoch/ Donnerstag) erwartet. Dann dreht der Wind auf Nordwest und drückt kühle Luft samt Wolken an die Alpen, so dass es zum Teil es länger anhaltend regnet oder schneit. Wie viel Schnee fallen wird hängt stark von der Höhenlage ab. In Lagen oberhalb etwa 1500 Metern bleibt der Schnee die gesamte Woche über liegen, so dass dort bis zum Freitag durchaus 50 cm Neuschnee zusammen kommen können.
Nach den zum Teil frostigen Nächten bringt Hoch Steffen dem Norden und Westen immerhin schon mal eine Wetterbesserung und steigende Temperaturen. Und für das Wochenende sieht es aus derzeitiger Sicht fast überall in Deutschland deutlich freundlicher, sonniger und wärmer aus. Unsicherheit besteht allerdings noch darin, in wie weit ein Höhentief über dem Balkan Einfluss auf das Wetter Richtung Süden und Osten haben könnte.
Das Wetter bietet in dieser Woche auf jeden Fall reichlich Abwechslung.
Dipl.-Met. Michael Köckritz
ARD-Wetterredaktion
12. Mai 2014