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09.05.2014
Regenwahrscheinlichkeit
Was genau versteht man unter der Regenwahrscheinlichkeit?
Morgen beträgt die Regenwahrscheinlichkeit 30 Prozent. Was verstehen Sie unter dieser Aussage? Die Antwort ist gar nicht so einfach und selbst unter Meteorologen ist die Sinnhaftigkeit einer solchen Information umstritten.
In einer Studie wurde diese Frage an insgesamt 750 Passanten auf öffentlichen Plätzen in New York, Berlin, Amsterdam, Mailand und Athen gestellt. Zur Auswahl standen folgende Antwortmöglichkeiten:
a) Morgen regnet es auf 30 Prozent der Fläche.
b) Morgen regnet es in 30 Prozent der Zeit.
c) Es wird an 30 Prozent der Tage regnen, die durch die gleiche Wetterlage charakterisiert sind, wie der morgige Tag.
Die New Yorker wählten mehrheitlich Antwort c), die als die richtige angenommen wurde. Dort wird die Regenwahrscheinlichkeit seit über 40 Jahren in den Medien verbreitet, entsprechend aufgeklärt gaben sich die Bewohner des Big Apple. Andernorts war das Ergebnis jedoch nicht so eindeutig. Es gab auch recht kuriose Einschätzungen wie beispielsweise die Vorstellung, es handele sich um ein Abstimmungsergebnis unter Wetterexperten, manche vermuteten, die Angabe hänge mit der Regenmenge zusammen.
Auch wenn Antwort c) stillschweigend als die richtige Interpretation vorausgesetzt wird, ist die Angabe einer Regenwahrscheinlichkeit im Grunde unvollständig. Eine Wahrscheinlichkeit beschreibt streng genommen die Häufigkeit des Eintretens eines klar definierten und wiederholbaren Ereignisses. Beim Würfeln beispielsweise beträgt die Wahrscheinlichkeit eine beliebige Zahl zu erhalten genau ein Sechstel, denn es gibt sechs verschiedene, gleich wahrscheinliche Zahlen.
Beim Wetter ist das nicht ganz so simpel. Man muss zunächst klarstellen, worüber man spricht. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwo auf der Erde an einem Tag regnet 100 Prozent, selbst in Deutschland wird es mit 100 Prozentiger Wahrscheinlichkeit am Wochenende regnen. Diese Aussage ist zwar wahr, bringt einen bei der Entscheidung, ob man am Samstagnachmittag beim Spaziergang in Frankfurt am Main einen Regenschirm mitnehmen sollte, nicht wirklich weiter.
Genau genommen ist eine Regenwahrscheinlichkeit nur für einen nicht zu großen Ort und eine nicht zu lange Zeitspanne sinnvoll anzugeben. Bei einem ausgedehnten Landregen ist die Regenwahrscheinlichkeit an einem bestimmten Punkt oder einem größerem Gebiet ähnlich hoch, hier ist der Zeitraum, für den die Wahrscheinlichkeit gilt entscheidend. Bei typischem Schauerwetter, wie wir es dieser Tage immer wieder erleben, kann es jedoch an einem Ort kurzzeitig stark regnen, wenige Kilometer weiter bleibt es jedoch trocken, in diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit sehr stark von der Größe des betrachteten Gebietes abhängig.
Bei wechselhaften Schauerwetter empfiehlt sich zusätzlich zur (oder anstelle der) Berücksichtigung der Regenwahrscheinlichkeit auf jeden Fall ein Blick auf das aktuelle Regenradar um dem nächsten Schauer auszuweichen, denn die werden auch am Wochenende mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auftreten.
Freitag, 9. Mai 2014
Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion