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15.04.2014
Höhenkaltluft
Ab Karfreitag sorgt ein sogenannter Kaltlufttropfen für launisches und schwer vorhersagbares Wetter.
Mit einer Ausdehnung von mehreren hundert Kilometern handelt es sich hierbei jedoch um einen recht großen Tropfen. Zudem befindet sich dieses Gebilde in der oberen Troposphäre in einer Höhe zwischen etwa 5 und 10 km Höhe. Seine Verlagerung ist schwer zu erfassen, wodurch die Wettervorhersage erschwert wird.
In der oberen Troposphäre zwischen 5 und 10 km Höhe trennt die sog. Polarfront normalerweise wärmere subtropische Luftmassen von kälterer Luft polaren Ursprungs. Jedoch muss die Atmosphäre Temperaturunterschiede zwischen äquatornahen und polaren Regionen ausgleichen, da durch den höheren Sonnenstand in niederen Breiten dort ein Energieüberschuss herrscht. Würde die Polarfront keine Durchmischung dieser Luftmassen erlauben, würde es an den Polen immer kälter und am Äquator immer wärmer werden.
Durch die Erddrehung wirkt jedoch eine ablenkende Kraft auf sich bewegende Luftteilchen die sog. Corioliskraft. Diese ist umso stärker, je näher man sich dem Pol nähert. Durch die Corioliskraft wird die Höhenströmung an der Polarfront abgelenkt und es entsteht eine Wellenbewegung, die in der Draufsicht idealisiert an eine Schlangenlinie erinnert. Das sind die sog. Rossby-Wellen. An ihnen entstehen die Tiefdruckgebiete, die uns das abwechslungsreiche Wetter bescheren.
Nun kann es jedoch manchmal vorkommen, dass sich eine Ausbuchtung der Polarfront in einem sog. Cut-Off-Prozess als eigenständiges Gebilde von ihr abschnürt. Das sind die gefürchteten Kaltlufttropfen. Denn diese Höhentiefs sind oft am Erdboden nicht zu erkennen und führen aufgrund der sehr kalten Luft zu einer sog. Labilisierung der Atmosphäre wodurch Schauer und Gewitter ausgelöst werden können.
Zudem sind sie von der Höhenströmung entkoppelt, wodurch ihre Verlagerung eher durch die bodennahe Strömung beeinflusst wird. Jedoch führen diese Kaltlufttropfen oft so etwas wie ein Eigenleben, wodurch die Prognose des Wetters, selbst für die kommenden 24 Stunden, großen Unsicherheiten unterworfen ist.
Am Karfreitag schnürt sich nun nach aktuellen Prognosen ein Kaltlufttropfen über der Nordsee von der polaren Kaltluft ab und driftet in der Folge südwärts über Benelux und den Westen Deutschlands weiter nach Frankreich. Seine Verlagerung erinnert dabei an ein auf der Suppe schwimmendes Fettauge, welches ebenfalls mitunter schwer vorhersehbare Bewegungen vollführt.
Auf jeden Fall sollte man am Osterwochenende auf unvorhergesehene Wetterentwicklungen gefasst sein. Es wird zwar wieder milder, Nachtfrost dürfte somit kein Thema mehr sein, jedoch bestehen vor allem bei der Bewölkung und bei den Regenmengen noch große Unsicherheiten und das Überraschungspotential ist entsprechend hoch.
Dienstag, 15. April 2014
Tim Staeger, ARD-Wetterredaktion