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09.04.2014
Trockenheit
Das Frühjahr verlief bisher verbreitet zu trocken. In den kommenden Tagen sind nur im Nordosten nennenswerten Regenmengen in Sicht.
Bis Samstag liegt die Nordosthälfte Deutschlands im Einflussbereich atlantischer Tiefausläufer, die neben dichten Wolken auch etwa 5 bis 10 Liter Regen pro Quadratmeter bringen. Am Oberrhein bleibt es weiterhin trocken, dazwischen sind nur einzelne Schauer zu erwarten, die das Regendefizit kaum abbauen können. Der Oberboden ist nach dem zu trockenen Frühjahr bisher so ausgetrocknet, dass flach wurzelnde und junge Pflanzen mittlerweile starken Trockenstress erleiden müssen, obwohl sie gerade jetzt in der Wachstumsphase besonders viel Feuchtigkeit benötigen.
Bundesweit hat es im April bisher nur etwa 15 Prozent der üblichen Menge geregnet, vor allem in der Südhälfte sind sogar verbreitet nur 0 bis 10 Prozent gefallen. Zudem war auch der März ungewöhnlich trocken, es hat in diesem Zeitraum deutschlandweit nur etwa ein Drittel der üblichen Menge geregnet. In Nürnberg beispielsweise hat sich in den vergangenen drei Monaten ein bemerkenswertes Regendefizit von etwa 60 bis 65 Liter pro Quadratmeter aufgebaut, was durchaus repräsentativ für viele Gebiete in der Mitte Deutschlands ist. Lediglich im Norden hat sich die Lage infolge der Niederschläge der vergangenen Tage etwas entspannt.
Um die Trockenheit zu beenden bedarf es eines ausgewachsenen Landregens, der großflächig für größere Regenmengen sorgen würde. Die kurzen und meist auch sehr lokalen Schauer, die man dieser Tage häufig beobachten kann wirken jedoch eher wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein, zumal die Verdunstungsraten durch starken Wind und die intensive Sonnenstrahlung recht hoch sind.
Zieht man die Menge an verdunstetem Wasser vom gefallenen Niederschlag ab, so erhält man die sogenannte Wasserbilanz. Diese Größe ist im Frühjahr 2014 bisher, also seit dem 1. März fast in ganz Deutschland negativ, es hat also weniger geregnet als verdunstet ist. Das ist zwar im Frühjahr nichts ungewöhnliches, jedoch übersteigt die Verdunstung in diesem Zeitraum vor allem in der Mitte und im Westen Deutschlands den Niederschlag um 50 bis über 100 Liter pro Quadratmeter und das ist tatsächlich ungewöhnlich.
Da ist es nicht verwunderlich. dass auch die Waldbrandgefahr in manchen Regionen bereits mittlere, oder wie beispielsweise entlang des Ober- und Mittelrheins auch hohe Werte angenommen hat. Um diese Jahreszeit kann der Waldboden schneller austrocknen, als im Sommer, da das Schatten spendende Blätterdach noch nicht vollständig ausgebildet ist. Das ist auf der anderen Seite ein Vorteil für die Bäume, deren Verdunstung über die Blattoberflächen jetzt noch nicht so hoch ist, wie im Sommer. Außerdem reichen deren Wurzeln tief genug ins noch feuchte Erdreich, so dass hier noch kein Trockenstress vorliegt. Ganz anders sieht es bei Fruchtarten wie dem Sommergetreide oder auch bei den Zuckerrüben aus. Bleibt es noch längere Zeit so trocken, drohen hier empfindliche Ertragseinbußen.
Kommende Woche deutet sich von Westen erneut zunehmender Hochdruckeinfluss und damit auch freundliches und trockenes Wetter an, anhaltender Landregen Regen ist bis auf Weiteres immer noch nicht in Sicht. Das freut zwar Ausflügler, die Landwirte werden aber zunehmend unruhig.
Mittwoch, 9. April 2014
Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion