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08.04.2014
Azorenhoch gegen Islandtief
Aus Island heran ziehende Tiefs sorgen im Norden für unbeständiges Wetter. Der Südwesten profitiert von einem Ableger des Azorenhochs.
Immer wieder hört man die Namen dieser beiden bekannten Druckgebilde, da sie für das Wetter in Europa von entscheidender Bedeutung sind. Das Islandtief sorgt für unbeständiges Wetter und die Zufuhr feuchtkühler Luft, das Azorenhoch hingegen bringt ruhiges und sonniges Wetter nach Mitteleuropa.
Am Äquator strömt Luft in tieferen Schichten von Süden und Norden zusammen, steigt dort auf und strömt in einer Höhe von mehreren Kilometern wieder polwärts. Etwa zwischen 25 uns 40 Grad nördlicher und südlicher Breite sinken diese Luftmassen wieder ab, wodurch dort großräumige Hochdruckgebiete entstehen. Das Absinken sorgt für Wolkenauflösung und trockenes und ruhiges Wetter. Aus diesem Grund befinden sich alle großen Wüsten, wie beispielsweise die Sahara in diesen Breitengraden.
Im Nordsommer verlagert sich dieser Hochdruckgürtel nordwärts und das Azorenhoch kann wie auch aktuell seinen Einfluss in Form eines sog. Keils bis nach Mitteleuropa ausdehnen. Das ungemütliche Wetter verdanken wir dem Gegenspieler des Azorenhochs, dem sog. Islandtief. Eigentlich handelt es sich hierbei um sich immer wieder neu bildende Tiefdruckgebiete im Nordatlantik.
Die atmosphärische Grundströmung ist um den 60. Breitengrad aufgrund der Erddrehung von West nach Ost gerichtet. Mit dem Golfstrom wird immer wieder recht warme und damit auch relativ leichte Luft aus Süden in die Region um Island geführt, wo sie auf kalte Kontinentalluft aus Grönland und Neufundland trifft. Diese Warmluft gleitet auf die kältere auf und verwirbelt dabei. Diese Verwirbelung wird noch durch die Südspitze Grönlands unterstützt, die eine natürliche Barriere für die aus Westen heranströmende Kaltluft darstellt.
Ist das Islandtief stark ausgeprägt bilden sich an seiner Südseite oft ganze Familien von kleineren Tiefdruckgebieten, die dann in schneller Folge nach Mittel- und Nordeuropa ziehen und dort das Wetter entsprechend wechselhaft gestalten. Vor allem im Winter ist es von großer Bedeutung, wie stark die Luftdruckgegensätze zwischen Azorenhoch und Islandtief ausgeprägt sind. Sind diese Gegensätze groß, herrscht also besonders hoher Druck bei den Azoren und besonders tiefer bei Island, resultiert eine starke westliche Strömung, die den Winter in Mitteleuropa mild und niederschlagreich gestaltet. Im umgekehrten Fall kann sich im Winter das russische Kältehoch weit nach Westen ausdehnen, was die Temperaturen auch in Mitteleuropa in den Keller purzeln lässt. Diese Luftdruckgegensätze sind Schwankungen unterworfen, welche als Nordatlantikoszillation (kurz NAO) bekannt sind.
Es ist fast wie ein Kampf von Gut gegen Böse, der immer wieder aufs Neue draußen auf dem Atlantik ausgefochten wird und dessen Ausgang für unser Wetter von entscheidender Bedeutung ist.
Dienstag, 8. April 2014
Tim Staeger, ARD-Wetterredaktion