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19.06.2013

04.12.2012

Gibt es weiße Weihnachten?

Diese Frage drängt sich bei der aktuellen Wetterlage vielen auf – doch kann man sie beantworten?

In den kommenden Tagen gibt es weiteren Neuschnee, der in Verbindung mit Skandinavischer Kaltluft zunehmend auch in tieferen Lagen liegen bleiben wird – so mancher Liftbetreiber reibt sich da schon erwartungsvoll die Hände. Auch auf den Weihnachtsmärkten steht in Verbindung mit dem winterlichen Ambiente sicherlich kein Umsatzeinbruch zu befürchten. Doch die alles entscheidende Frage lautet natürlich, ob sich die weiße Pracht auch bis zum Weihnachtsfest halten kann. Zu so viel Nachfrage an verlässlicher Information gesellt sich zwangsläufig auch ein Angebot – aber was kann man jetzt schon wissen?

„Prognosen sind schwierig, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen“ – dieses Zitat wird u.a. Karl Valentin, Kurt Tucholsky, Winston Churchill und Niels Bohr zugeschrieben und gilt natürlich auch für Wettervorhersagen. Eintrittstermine von Sonnenfinsternissen hängen von streng deterministischen Planetenbewegungen ab, werden durch das Newtonsche Gravitationsgesetz sehr exakt beschrieben und können somit bereits Jahrhunderte im Voraus auf die Minute genau vorhergesagt werden. Bei der Entwicklung des Wettergeschehens wirken jedoch sehr viele Ursachen aus mitunter weit entfernten Regionen des Planeten zusammen. Zudem treten beispielsweise bei Luftströmungen nichtlineare Effekte zu Tage, die sehr empfindlich auf leicht veränderte Anfangsbedingungen reagieren.

Konkret bedeutet dies, dass sich anfängliche Ungenauigkeiten beim Wetter sehr schnell zu großen Fehlern aufschaukeln. Aufgrund von Messfehlern kennt man zu keiner Zeit den Zustand der Atmosphäre hinreichend genau. Zudem wachsen sich selbst kleinste Unschärfen bereits nach einigen Tagen zu inakzeptablen Fehlern aus. Vergleichbar ist dieses Verhalten mit dem einer Billardkugel, deren Bahn durch das Gesetz „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“ bestimmt ist. Jedoch können durch kleinste Staubteilchen auf dem Filz oder einen schwachen Luftzug minimalste Abweichungen entstehen, die sich nach mehreren Banden bereits so stark aufschaukeln, dass die Kugel bald schon weit vom theoretisch vorhergesagten Weg abgewichen sein wird.

Bei der Wettervorhersage versucht man sich diesem prinzipiellen Problem anzunähern, indem man ein und dieselbe Vorhersage mehrmals mit nur leicht veränderten Anfangswerten durchrechnet und am Verhalten dieses Ensembles von Prognosen etwas über die Vorhersagbarkeit lernt. Denn je nach Wetterlage lässt sich die Natur mehr oder weniger gern in die Karten schauen. Aktuell reicht der sogenannte Vorhersagehorizont in etwa bis zum 10. Dezember, danach streuen die einzelnen Vorhersagen so stark, dass eine verlässliche Vorhersage für den Zeitraum danach nicht mehr möglich ist.

Zwar gelangt in den kommenden Tagen weiterhin Skandinavische Kaltluft nach Deutschland, ob jedoch kommende Woche russische Kaltluft den Frost auch hierzulande weiter verschärft, ist bereits ungewiss und wie stark das diesjährige Weihnachtstauwetter ausfällt , kann derzeit noch keiner sagen – also müssen wir uns bis zur Bescherung und bis zu einer verlässlichen Schneeprognose für den 24.12. leider noch etwas in Geduld üben.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

 

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